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Schmuck im Pfandleihhaus: Schnelles Geld hat seinen Preis

Verbraucher Schmuck im Pfandleihhaus: Schnelles Geld hat seinen Preis

Omas alter Ring, ein antiker Spiegel oder ein Firmenwagen - all diese Gegenstände nehmen Pfandleihhäuser entgegen. Wer sie bringt, erhält dafür Bares auf die Hand. Doch das schnelle Geld hat seinen Preis. Verbraucher sollten die Konditionen der Anbieter vergleichen.

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Geld für die Uhr: Pfandleiher Max Walther aus München zeigt einen Pfandleihschein - als Beleg für den Tausch.

Quelle: Tobias Hase

Stuttgart (dpa/tmn) – Wer schnell Bares braucht, aber keinen Bankkredit aufnehmen will, kann wertvolle Gegenstände ins Pfandleihhaus bringen. Dort erhalten Kunden Geld ohne Bonitätsprüfung und Rückzahlungsverpflichtung - so werben die Pfandleihhäuser. Mehr als 200 gibt es in Deutschland.

Bislang haben in diesem Jahr etwa eine Million Kunden Gegenstände verpfändet. Dafür haben sie sich insgesamt rund 500 Millionen Euro ausgeliehen. Das Kundenspektrum reiche vom "Bürger A bis zum Unternehmer Z", heißt es beim Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP) in Stuttgart.

Meistens seien es Menschen, die bei der Bank keinen Kredit bekommen, erklärt ZDP-Vorsitzender Joachim Struck. Etwa Existenzgründer, Freiberufler und Selbstständige, die wenig Sicherheiten bieten könnten. Denn anders als bei der Bank gibt es beim Pfandleiher keine Bonitätsprüfung - Kunden müssen neben dem Wertgegenstand nur ihren Ausweis sowie eventuell einen Eigentumsnachweis vorlegen. Schon gibt es Geld.

Kredite zwischen 10 000 Euro und 30 000 Euro seien keine Seltenheit. Das durchschnittliche Darlehen liegt aber bei rund 300 Euro. Grundsätzlich können Kunden alles beleihen lassen, was beweglich ist. Hoch im Kurs stehen neben teuren Autos auch Designerhandtaschen und Designergürtel sowie Uhren. Für elektronische Geräte wie Mobiltelefone, Computer oder Fernseher gibt es meist wenig Geld. Der Grund: der schnelle Wertverfall.

Wichtig zu wissen: Werkzeuge oder Firmenwagen stehen während der Vertragslaufzeit nicht zur Verfügung. Kunden können sie also nicht nutzen, um damit Aufträge auszuführen. Die Gegenstände ruhen ungenutzt im Depot des Pfandleihers. Ein Großteil der Leute bringt jedoch Schmuck.

Wie viel Geld es für Omas Goldkette gibt, richtet sich laut ZDP üblicherweise nach dem tagesaktuellen Edelmetallpreis. Für andere Gegenstände gilt: Der Betrag hängt unter anderem vom Wiederverkaufwert der Dinge ab - diesen schätzt das Pfandleihhaus. Der Kunde erhält davon meistens 50 Prozent und weniger. "Wer ein Auto von 100 000 Euro hinterlegt, kann an die 50 000 Euro bekommen", sagt Schedl. Er begründet den hohen Abschlag unter anderem mit dem Lageraufwand. Außerdem bestehe das Risiko, dass bei einer Versteigerung ein Betrag unter der Darlehenssumme erzielt wird.

Beim Pfandleih-Kredit gilt der eingereichte Gegenstand als Sicherheit. "Der Kunde haftet nicht mit seinem persönlichen Vermögen und macht keine Schulden", erläutert ZDP-Geschäftsführer Wolfgang Schedl. Zahlt jemand das Darlehen nicht zurück oder löst sein Pfand nicht aus, wird das Objekt öffentlich versteigert. Das passiert laut ZDP aber nur bei zehn Prozent der Fälle.

Den Erlös aus der Versteigerung erhält das Leihhaus - es sei denn, sie erzielen eine höhere Summe, als der Darlehensnehmer in Anspruch genommen hat, dann steht ihm dieser Mehrerlös zu. Der Kunde hat zwei Jahre Zeit, diesen Überschuss abzuholen. Danach kassiert der Staat das Geld. So regelt es die staatliche Pfandleihverordnung von 1961.

Seit einiger Zeit bieten Pfandleiher ihre Dienste auch online an, etwa Valendo, OnlinePfand oder die Deutsche Pfandkredit AG. Die Konditionen sind mit denen der klassischen Häuser vergleichbar. Hauptunterschied: Das Geld wird in der Regel erst überwiesen, wenn die Gegenstände ein Experte im Leihhaus geprüft hat. "Die Kunden fragen über das Netz an und bekommen ein Angebot. Wenn man sich geeinigt hat, holen wir den Wertgegenstand ab", erklärt Martin Nett, Vorsitzender der Deutschen Pfandkredit AG.

Die unbürokratische Kreditvariante hat ihren Preis. Monatlich fällt ein Prozent Zinsen an, hinzu kommen Gebühren. Diese sind bis zu einer Darlehenssumme von 300 Euro in der Pfandleihverordnung festgeschrieben. Für höhere Summen werden die Gebühren frei vereinbart. "Auch wenn es am Anfang wegen der kleinen Summen nicht so aussieht: Einen Gegenstand zu beleihen, ist eine teure Angelegenheit", sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufs Jahr hochgerechnet könne sich ein Effektivzins von mehr als 40 Prozent ergeben.

Ein weiterer Risikofaktor sei die Einmalgebühr, die Verbraucher mit dem Leihhaus aushandeln müssen. Das Verfahren sei also allenfalls zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung gedacht, sagt Laag. Wer längerfristig Geld braucht, sollte andere Kreditvarianten wählen.

dpa

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