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Radikalisierung bei Jugendlichen erkennen

Familie Radikalisierung bei Jugendlichen erkennen

Jahrelang haben Salafisten in Fußgängerzonen den Koran verteilt. Nun ist die sogenannte Lies-Aktion verboten worden. Rund 140 junge Menschen aus Deutschland sollen von den Extremisten bereits für den Dschihad rekrutiert worden sein - ein Alptraum für Eltern.

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Salafisten gehen mit der Koran-Verteilaktion «Lies!» auch auf Jugendliche zu. Wer dadurch radikalisiert wird, ändert oft sein Verhalten gegenüber Freunden und Familie.

Quelle: Franziska Kraufmann

Berlin. Wenn der Sohn, die Tochter oder ein Freund bereits nach Syrien ausgereist ist, dann ist es meist zu spät. Doch wie lässt sich rechtzeitig erkennen, dass sich jemand gerade radikalisiert und zum Beispiel in den Islamismus abgleitet?

Der Psychologe und Islamexperte Ahmad Mansour betont: "Es geht nicht um die Kleidung oder darum, wie lang der Bart ist." Allerdings änderten sich häufig das Verhalten, die Rhetorik und die Einstellung der Jugendlichen sowie ihr Umgang mit anderen. Sie senden damit Signale aus, auf die Familienangehörige und Freunde achten können.

Bei Schülern könne sich das Verhältnis zu Mitschülern ändern: "Sie nehmen sich aus Aktivitäten heraus, versuchen die anderen zu missionieren oder unter Druck zu setzen, benehmen sich anders gegenüber dem anderen Geschlecht", beschreibt Mansour. Oft isolierten sie sich von ihrem früheren Umfeld. In Gesprächen werde der Islam als einzige Wahrheit gesehen. Verschwörungstheorien, klare Feindbilder und Schwarz-Weiß-Denken kommen zum Ausdruck.

Mansour sieht die Gründe einer Radikalisierung zum einen psychologisch begründet: "Die Jugendlichen befinden sich in einer Krise, fühlen sich allein." Zum anderen gebe es eine soziologische Komponente: "Die Jugendlichen suchen nach Identität und Zugehörigkeit und dem Gefühl, zu einer Elite zu gehören." Außerdem gebe es noch eine ideologische und theologische Ebene, bei der es etwa um die Unterdrückung der Sexualität und die Ablehnung der Demokratie und Antisemitismus gehe.

Kaum einen Unterschied macht es, ob jemand, der sich dem Islamismus zuwendet, vorher bereits Muslim ist. "Egal ob ein Muslim, der sich radikalisiert, oder ein Mensch, der vorher eine andere oder keine Religion hatte: Beide durchlaufen eine Art Konversion", erläutert Florian Endres von der

Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). In vielen Fällen habe zuvor Religion kaum eine Rolle gespielt.

Das Problem an Koran-Verteilaktionen wie "Lies" seien die Strukturen, die dahinter stecken. Denn das Verteilen sei nur der Auftakt, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. "Die Jugendlichen kommen so in Kontakt mit der radikalen Szene, werden eingeladen zu Treffen", erklärt der Experte. Häufig beeindrucke sie das scheinbare große Wissen der Salafisten, die einfache Lösungen von Problemen anbieten.

Doch was tun, wenn der Sohn, die Tochter, der beste Freund sich zu radikalisieren droht? Es gebe keine Regel, wann Eltern sich professionelle Hilfe holen sollte, sagt Endres - aber je früher, desto besser. "Das Gespräch mit dem eigenen Kind ist wichtig, das Hinterfragen der Religion." Drastische Maßnahmen wie Verbote können kontraproduktiv wirken - aber auch das lasse sich nicht generalisieren, denn bei manchen Jugendlichen fruchten sie. Auch Mansour betont: "Es geht darum, dass der Kontakt zu den Jugendlichen nicht abbricht – das ist entscheidend."

Hilfe finden Eltern, Lehrer oder Angehörige zum Beispiel bei der Beratungsstelle des BAMF. Dort werden Hilfsangebote in der Nähe vermittelt. Auch der Kontakt zu Spezialisten oder anderen Betroffenen kann hergestellt werden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bietet auch eine

Broschüre für Flüchtlingshelfer an, die dabei helfen soll, extremistische Aktivitäten zu erkennen.

dpa

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