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Herber Charme in Rosarot: Der Singapore Sling hat Geschichte

Ernährung Herber Charme in Rosarot: Der Singapore Sling hat Geschichte

Der Singapore Sling blickt auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurück. Seit seiner Entstehung vor rund 100 Jahren wurden vielfältige Varianten des auf Gin basierenden Cocktails kreiert. Im Idealfall ist er nicht zu süß und doch fruchtig.

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Fruchtig, aber nicht zu süß: So schmeckt der Singapore Sling. Seinen herben Geschmack bekommt er durch den enthaltenen Bitter. Foto: Cocktailkunst

Köln. Ob mit Ananassaft, Grenadine, Cointreau, Zuckersirup oder Puderzucker: In den Bars dieser Welt gibt es heute unzählige Varianten des Singapore Sling.

Was sie gemeinsam haben, sind unter anderem die rötliche Farbe und der erfrischende Geschmack. Dieser war bei der Entstehung des Drinks wohl entscheidend: Denn in Singapur, wo der Gin-Cocktail vor rund 100 Jahren entwickelt wurde, herrscht das ganze Jahr über tropisch warmes Wetter.

Damals sei in der britischen Kolonie Gin Fizz, der aus Gin, Zitronensaft, Zuckersirup und Sodawasser gemixt wird, ein angesagter Drink gewesen, erzählt Franz Brandl. Er ist Barkeeper und Autor zahlreicher Bücher zu Getränken. Angelehnt an den Fizz ist dann möglicherweise der Singapore Sling entstanden. Ob das tatsächlich an der legendären

Long Bar des "Raffles Hotel" in Singapur war, ist nicht eindeutig zu sagen. Zu den Grundzutaten gehören heute neben Gin, Bénédictine, Kirschlikör und Angosturabitter.

Die Entstehungsgeschichte des Singapore Sling sei kompliziert, sagt der mit mehreren Weltmeistertiteln ausgezeichnete Kölner Barmanager

Stephan Hinz. Ein echtes Originalrezept gibt es nicht. Man geht davon aus, dass der Vorgänger-Cocktail zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch unter dem Namen Straits Sling bekannt war. Der Namensteil "Straits" bezieht sich dabei wohl auf die Straits Settlements, ein Begriff mit dem die britischen Kolonien bezeichnet wurden, zu denen auch Singapur gehörte. Für den Straits Sling wurde statt des heute üblichen Kirschlikörs vermutlich ein hochprozentiges Kirschdestillat verwendet.

Aus dieser Version habe sich dann in vielen Schritten der moderne Singapore Sling entwickelt, sagt Hinz. Er sei "ein leicht fruchtiger Drink, der aber erfrischend und nicht zu süß ist". Durch den richtigen Anteil an Bitterkomponenten entsteht eine feine Balance aus Würzigkeit und Frucht.

Hinz empfiehlt ein Rezept mit Gin, dem Kräuterlikör Bénédictine, Cherry Brandy, Zitronensaft, Ananassaft, 3 Dashes (Spritzern) Angostura und Soda: Alle Zutaten außer dem Soda werden im Shaker gemixt und doppelt auf Eiswürfel in ein Longdrinkglas abgeseiht. Dann wird mit Soda aufgefüllt und kurz umgerührt. Der Zitronensaft gleicht die Süße der Liköre aus, erläutert Hinz. Der Ananassaft sorgt in Kombination mit dem Soda für Frische und Ausgeglichenheit.

Eine wichtige Rolle im Singapore Sling spielt der Kirschlikör. Neben den von Mönchen in Klöstern hergestellten Kräuterlikören, dürfte der Kirschlikör einer der ältesten Liköre der Welt sein, vermutet Brandl. Für den Singapore Sling verwendet er wie viele Barkeeper den traditionellen dänischen Cherry Heering.

Matthias Knorr, Inhaber der

Barschule München und Hauptvorstandsmitglied der Deutschen Barkeeper Union, bevorzugt Cherry Heering wegen seiner starken Mandelnote. Ein allzu süßer Kirschlikör sei weniger geeignet. "Auf jeden Fall ist der Singapore Sling einer der bekanntesten Gin-Drinks, den jeder Barkeeper kennen muss", sagt Knorr.

Als Mocktail, also in der Variante ohne Alkohol, überzeugt der Singapore Sling die meisten Bar-Experten nicht. Eine alkoholfreie Version sei schwierig, sagt Knorr. Wenn die würzige Note des Bénédictine fehlt, kann der Cocktail schnell langweilig werden.

Literatur:

Franz Brandl, Cocktails: Über 1000 Drinks mit und ohne Alkohol, Südwest, 256 S., Euro 16,99, ISBN-13: 9783517094625

dpa

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