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Energiewende in Deutschland

Energiepolitik Energiewende in Deutschland

Was ist die Energiewende? Assoziiert werden gemeinhin plakative Vorstellungen von Fortschrittlichkeit, Zukunft, Positivismus, Optimismus und Vertrauen. Der Terminus verspricht spätestens seit den ersten Energiewende-Studien der Öko-Institute in den 1980er Jahren ein verantwortungsvolles Loslösen von althergebrachten Strukturen und Denkweisen – hin zu einer visionären Vorstellung der Möglichkeit von Entwicklung, Wachstum und Wohlstand - ohne Kernenergie.

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Quelle: fotolia ©levelupart

Dabei trat das Postulat einer effizienteren Ausnutzung sich ständig erneuerbaren, natürlichen Energieressourcen wie Wasser, Wind und Sonnenenergie zunehmend in den Fokus der Überlegungen. Aber auch Kraftwärmekopplung und Blockheizkraftwerke sollten in den angedachten Energieszenarios der Zukunft einen zunehmend breiteren Raum einnehmen. Statt Einsatz endlicher Ressourcen impliziert der Begriff von einer „ Energiewende“ einen bevorzugten Einsatz von sogenannten, sich stetig erneuernden, nichtnuklearen „Primärenergieträgern“, die eine sich entsprechend umzustellende Wirtschaft mit Energie speisen soll. 

Die Kernthesen früherer Tage stützen sich in einem Energiewende-Szenario auf drei Grundpfeiler:

  • begrenztes Wirtschaftswachstum
  • Energieeinsparungen
  • Nutzung der Sonnenenergie
Pflanze in Glühlampe - Symbolbild

Das anfänglich zarte Pflänzchen „Energiewende“ bedurfte sorgsamer Pflege.

Quelle: fotolia ©Konstantin Hermann

Untrennbar verbunden ist mit einer Vision von einem „Mehr an Wohlstand mit Weniger an Energie“ von Anfang an die erkannte Notwendigkeit, die Wirtschaft einem Strukturwandel zu unterziehen. Parallel hierzu sollten neue Technologien auf dem Umweltsektor wie die Konstruktion von Solarmodulen, Windmühlen und kleinen Wasserwerke entwickelt werden.

Getriggert durch die Ereignisse im Nachgang zur ersten Erdölkrise (1973) regte sich erste Motivation zu einem grundlegenden Energie-Strukturwandel in der US-Administration unter Präsident Carter der 1970er Jahre. Sie begann erstmals, technische Entwicklungen auf dem Feld der erneuerbaren Energien voranzutreiben und unter ihrem Einfluss vor allem die Sonnenenergie zu fördern. Erste Sonnenkollektoren wurden in den USA auf Dächern montiert. 

Investitionsanteile regenerativer Energie Deutschland 2014

In Windenergie wird am meisten investiert

Quelle: DNN.de

Die Initialzündung war erfolgt und ein Aufgreifen grünen Gedankenguts jenseits des großen Teichs, in den Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegungen Europas fortan nicht mehr aufzuhalten. Unter ihrem Eindruck und einer aufgeheizten politischen Debatte wurden Energiewende-Bürgerkomitees gegründet, die sich fürs Energiesparen und für erneuerbare Energien stark machten.

Weitere Triebfedern in einem lange währenden Prozess des Umdenkens und Einlenkens stellten die Reaktorunfälle in Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) wie auch später in Fukushima (2011) dar. Sie waren die Supergaue in einer langen Kette von kritischen Störfällen, die vor aller Welt belegten, welch großes Gefahrenpotential Atomkraft birgt. Besonders Tschernobyl legte den Fokus auf die territoriale Dimension, die ein Reaktorunglück haben kann, wenn nicht punktuell, sondern über mehrere Tausend Kilometer hinweg ganze Landstriche von einer Katastrophe auf Jahrzehnte hin heimgesucht werden.

Der Ruf nach einer grundlegenden Energiewende wurde in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in der Politik unüberhörbar.

Erstmalig in Deutschland jedoch konkret eingeleitet wurde die Energiewende erst durch die rot-grüne Bundesregierung nach ihrem Amtsantritt 1998. Mit einer Regierungsbeteiligung einer grünen Partei ging ein Gelegenheitsfenster auf, das die Chance auf Neuausrichtung der Energiepolitik eröffnete. Hinzu traten in den 80er und 90er Jahren sich verändernde Rahmenbedingungen, die den Energiewende-Prozess begünstigten: 

  • Bildung einer breiteren Diskussions-Plattform durch das Entstehen zivilgesellschaftlicher Bewegungen sowie einer neuen, pluralistischen Vielfalt an Akteuren, Denkfabriken und Erneuerbare-Energien-Unternehmen
  • Rücken der Energiepolitik in den Fokus öffentlichen Interesses und auf die politische Tagesordnung
  • Allmähliches Verschieben der Kräfteverhältnisse zu Gunsten der Erneuerbaren-Energien-Branche, weg von der fossil-atomaren Industrie
  • Initialzündungs-Effekte der ersten moderaten, noch symbolhaften Politikveränderungen unter der Schröder-Fischer-Koalition.
Hebel Energiewende

Den Hebel endlich umzulegen wurde seit den 80er Jahren zum Paradigma der politischen Energiedebatten um Atomkraft.

Quelle: fotolia ©Thomas Reimer

Mit den Bundestagswahlen 1998 bekam die Anti-Atom-Bewegung eine Stimme in der Bundesregierung: SPD und Grüne beendeten 14 Jahre unterschiedliche Regierungen unter der Führung von Helmut Kohl. Zentrales Projekt der ersten rot-grünen Bundesregierung in ihrer Geschichte war eine umfassende Wende in der Energiepolitik durch einen im Koalitionsvertrag unmissverständlich zum Ausdruck gebrachten Ausstieg aus der Atomenergie und einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien. Die Begriffe von Ausstieg und Einstieg gehörten in jenen Tagen untrennbar zusammen und formten den Nukleus einer neuen Energiewende-Politik. 

AKW Isar/Ohu 2

Das AKW Isar/Ohu 2 ging als eines der letzten seiner Art 1988 in Betrieb und soll Ende 2022 auch als letztes vom Netz gehen.

Quelle: fotolia ©Hans und Christa Ede

Energiewende und das Prinzip von Nachhaltigkeit

Tschernobyl, Fukushima & Co - Auswirkungen auf Kernenergie

Im Tandem mit einer wachsenden Vergegenwärtigung der Endlichkeit fossiler Energieträger wie Erdöl, Kohle und Erdgas wurden die Bedenken im Koalitionspapier 1998 festgehalten und Teilziele formuliert, die schließlich bis zum Jahr 2001 auch in geltendes Recht umgesetzt wurden: 

Akzeptanz alternativer Energieanlagen in direkter Nachbarschaft

Solaranlagen werden von den meisten Menschen akzeptiert

Quelle:

Nur ein Jahr später fand in Berlin unter Federführung des Bundesumweltministeriums eine richtungsweisende Fachtagung „Energiewende – Atomausstieg und Klimaschutz“ statt, die den Energiewende-Begriff erstmalig im Bewusstsein einer breiteren politischen, wirtschaftlichen wie privaten Öffentlichkeit zementierte.

Das rot-grüne Bekenntnis jener Zeit mündete in eine Absichtserklärung, die 2002 im Beschluss zur Energiewende gesetzesverbindlich fixiert wurde:

Deutschlands wolle bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen und bis dahin 20 Prozent des Stroms erneuerbar erzeugen.

Mit einem allmählichen Umdenken im öffentlichen Bewusstsein ging ein Aufweichen auch in den bürgerlichen Parteien einher, die sich bislang noch von einer Energiewende kritisch distanziert und sich dem neuen Primat erneuerbarer Energien grundsätzlich widersetzt hatte. Nachwehen dieses Skeptizismus waren noch bis in die zweite Amtszeit von Angela Merkel spür- und erlebbar, als das Kabinett 2010 noch eine Entscheidung über eine Umsetzung der beschlossenen Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke vorsorglich zunächst einmal in die Zukunft aufschob.

Braunkohle-Tagebau Garzweiler

Braunkohle-Tagebau, wie hier in Garzweiler II in Nordrhein-Westfalen, ist eine ziemliche umweltbelastende Angelegenheit.

Quelle: fotolia ©Michael Kasten

Renaissance der Braunkohle?

Erst mit dem welterschütternden Ereignis vom 11. März 2011, als fast sämtliche Sicherheitssysteme im Atomkraftwerk in Fukushima in Folge eines Erdbebens ausfielen, begannen die letzten Zweifler – darunter auch einige Vertreter der schwarz-gelben Koalition in Berlin – eine Kehrtwende weg von der immer noch als sicher eingestuften Atomkraft.

So wurde in der 13. Novelle zum Atomgesetz vom Kabinett Merkel beschlossen: 

  • Aussetzen der erst im Oktober 2010 beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke
  • Außerbetriebnahme von acht Kernkraftwerken
  • Notwendigkeit von Sicherheitsüberprüfungen aller 17 deutschen Kernkraftwerke

Mit dem Bekenntnis von Angela Merkel zum Atomausstieg war jedoch ein großer Schritt in Richtung erneuerbare Energien verbunden. So soll bis zum Jahr 2025 der Anteil erneuerbaren Energien 40 bis 45 Prozent am Gesamtaufkommen ausmachen.

Solarkraftwerk

Bis zum Jahr 2035 strebt die Koalition einen Anteil von erneuerbaren Energien am Gesamtaufkommen von mindestens 55 Prozent an

Quelle: fotolia ©Andy Ilmberger

Als paradox und kontraproduktiv wirkt in diesem Zusammenhang die vielzitierte Renaissance der Braunkohle: Was für die Atomkraft als richtungsweisend gelten sollte, ist für fossile Energieträger wie die Braunkohle scheinbar ausgeblieben: Eine schrittweise Abkehr von einem klassischen Energieträger unter dem Banner einer Energiewende. So war trotz der Ökoenergie-Förderung die Stromproduktion aus Braunkohle 2013 auf den höchsten Wert seit 1990 gestiegen. 

Energiewende und das Prinzip von Nachhaltigkeit – Vor- und Nachteile

Letztlich führte gerade die Entscheidung der Bundesregierung für eine Energiewende unter anderem dazu, dass Braunkohle wieder beliebter wurde. 2013 wurden 45 Prozent des Stroms in Deutschland durch die umweltschädliche Verbrennung von Braunkohle gewonnen – die höchste Rate seit 2007. Zwischen 1990 und 2011 waren die CO2-Emissionen um 27 Prozent gesunken – doch mit der Renaissance der Braunkohle kam es zu einem erneuten Anstieg.

Kritiker sehen außerdem eine nach wie vor nicht ausgereifte Technik, die den Einstieg maßgeblich behinderten. So liege der derzeitige Wirkungsgrad von Silizium-Solarmodulen auf dem heimischen Dach gerade mal bei durchschnittlich 16 Prozent – mit dem Effekt, dass Solarenergie bisher eine untergeordnete Rolle im Energiemix spielt. Trotz finanzieller Anreize betrug im Jahr 2014 der Anteil der Solarenergie in Deutschland am Gesamtstromverbrauch gerade mal sieben Prozent. Strom aus Solarenergie führt demnach immer noch ein Nischendasein und leidet unter einem  Negativimage als teurer Stromlieferant.

Symbolbild Familienhaus

Ist es bezahlbar ein Haus mit regenerativer Energie zu versorgen?

Quelle: fotolia ©vasilki

So besteht ein wesentlicher Nachteil der Energiewende in den zurzeit hohen Stromkosten, die aus dem Umstieg auf regenerative Energien, resultieren. Schuld daran ist die gestiegene Einspeisevergütung für die Erneuerbaren Energien, die auf den Strompreis umgelegt wird. Sie steht per Gesetz Stromanbietern zu, die ihren eigenen Strom in das öffentliche Netz einspeisen. In Deutschland liegt der Brutto-Preis einer Kilowattstunde (kWh) derzeit bei rund 26 Cent.

Unter 27 untersuchten OECD-Ländern bezahlen demnach nur die Dänen höhere Strompreise, wohingegen die Franzosen für Strom nur die Hälfte von dem zahlen, was er in Deutschland kostet.

Regenerative, erneuerbare Energien

Die erste Ölkrise 1973 und ihre Nachwehen

Oelplattform

Sind wir auf die Förderung von Erdöl angewiesen?

Quelle: fotolia ©Michael Rosskothen

Mit der Verabschiedung des ersten Rahmenprogramms „Energieforschung“ der Bundesregierung 1974 wurden im Nachhall der Ereignisse rund um die erste weltweite Ölkrise 1973 erste technologische Forschungen auf dem Gebiet alternativer Energien betrieben, um künftig nicht in dem Maße wie bislang von internationalen Rohölpreisen abhängig zu sein. Sie führten recht bald zu ersten greifbaren Ergebnissen: So wurden erste Test-Windkraftanlagen auf der schwäbischen Alb errichtet und die technologische Entwicklung von Solarkraftwerken, Brennstoffzellen, umweltfreundlichen Gasturbinen, Energiespeichern und Windenergieanlagen vorangetrieben. Vor allem die systemanalytischen Studien zeitigten zentrale Beiträge für eine zukunftsweisende Energiepolitik in Deutschland und lieferten Denkanstöße von internationaler Bedeutung.

Die Lehren, die aus der globalen Ölknappheit von der Politik gezogen wurden, waren jedoch fataler Natur: Statt nach ökologisch verträglichen Alternativen zu schauen, wurde der eingeschlagene Atomweg, der mit der Inbetriebnahme des ersten kommerziellen AKW in Grundremmingen 1967 begonnen wurde, nun noch konsequenter beschritten als bisher. Es bildete sich ein parteiübergreifender Konsens für die bevorzugte Nutzung von Atomenergie heraus, der bis zur Jahrtausendwende Bestand haben sollte – sehr zur Freude der Atomlobby, die ihrer Pfründe wegen keinen Anlass dazu sah, von sich aus Veränderungen am Energiemarkt in Gang zu setzen.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Erst mit den sich verändernden politischen Verhältnissen im Nachgang zur Bundestagswahl 1998 setzte ein Umschwung hin zu einem postulierten Primat regenerativer Energien ein. Mittlerweile gab es, basierend auf den Erfahrungen von Harrisburg und Tschernobyl, für den Atom-Ausstieg einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Ihm waren jahrzehntelang Bemühungen von Anti-AKW-Bewegungen vorausgegangen, die immer wieder versucht hatten, 

  • den Bau neuer Kernkraftwerke zu verhindern
  • AKW-Bauplätze zu besetzen
  • das öffentliche Bewusstsein für alternative Energieressourcen zu schärfen.

Mit der rot-grünen Regierungsübernahme stand der nun Weg offen, die Forderungen der Aktivisten in Gesetzesform zu gießen: Das gelang 2001 erstmalig mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das in seiner Rigidität weit über die bereits Ende der 1980er Jahre eingeführten ersten Fördermaßnahmen für erneuerbare Energien sowie die Beschlüsse des 1990 verabschiedeten Stromeinspeisungsgesetzes hinausgehen sollte.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die Energiebeschaffung hat den größten Anteil am Strompreis

Quelle: DNN.de

Dem EEG liegt ein Selbstverständnis zu Grunde, das erneuerbare Energien nicht mehr wie bislang als ergänzenden Bestandteil zum bestehenden Kraftwerkspark definiert, sondern als Alternative zum bestehenden Energiemarkt betrachtet, welche die fossil-nukleare Energieerzeugung im Laufe des 21. Jahrhunderts ersetzen sollte.

Das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien löste im Jahr 2000 das bis dahin gültige Stromeinspeisungsgesetz aus dem Jahr 1991 ab. Es bildete für den Ausbau der Stromerzeugung auf Basis regenerativer Energiequellen einen zentralen Finanzierungsmechanismus: Darin ist beispielsweise die Förderung der Photovoltaik, aber beispielsweise auch Geothermie oder Windenergie geregelt.

Zum aktuellen Stand der neuerlichen EEG-Novelle ein Statement von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz vom 08.06.2016.

Weg von konventionellen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien – Ein Status Quo

Im Prinzip sah und sieht das EEG in seinen mittlerweile verschiedenen Neufassungen einen Vergütungssatz für den erzeugten Strom vor, die sogenannte Einspeisevergütung. Sie wird regelmäßig in dem Ausmaß gesenkt, in dem die solare Energieerzeugung wächst, um eine kontinuierliche Entwicklung zu sichern und einem nur kurzfristigen Boom entgegenzusteuern. Das Gesetzt legt auch fest, dass die Stromnetzbetreiber den eingespeisten Strom annehmen und die festgelegte Vergütung dafür zahlen müssen, und zwar ohne weitere vertragliche Vereinbarung. Eine so festgelegte Vergütung gilt ab Inbetriebnahme 20 Jahre lang unverändert.

Mittlerweile gilt Deutschland als Vorreiter, was eine erneuerbare Stromerzeugung angeht. Als bislang einziges Industrieland hat es einen derart radikalen Bruch mit dem herkömmlichen Energiemix geplant und gesetzgeberisch eingeleitet. Kein anderes europäisches Land hat in den letzten Jahren jährlich über 20 Milliarden Euro in neue Stromerzeugungsanlagen investiert

Funktionsprinzip einer Biogasanlage

Das Funktionsprinzip einer Biogas-Anlage

Quelle: fotolia ©thingamajiggs
  • Der Anteil erneuerbarer Energien ist in stetem Wachstum begriffen und machte 2015 bereits einen Anteil von rund 30 Prozent am Gesamtaufkommen aus.
  • Der Anteil erneuerbarer Energien ist seit 2014 höher als derjenige fossiler Energieträger: 143 Gigawatt Kapazitäten standen 141 Gigawatt an Kohle, Öl und Gas gegenüber – Tendenz steigend.
  • Der Preis für Strom aus Windkraft ist mittlerweile um 80 Prozent, aus Photovoltaikanlagen um 90 Prozent gesunken, technologischen Weiterentwicklungen geschuldet
  • Die Einsparung von Treibhausgasen durch erneuerbare Energien für 2014 ist um rund 151 Millionen Tonnen gestiegen .

Zum Begriff Primärenergie

In Abgrenzung zur Sekundärenergie wird unter Primärenergie die Energieart und -menge verstanden, die den genutzten natürlichen Quellen entnommen wird – also die Energien beispielsweise von Rohöl, Kohle, Sonne, Wasser und Wind.

Die Primärenergie kann demnach fossilen Ursprungs sein (Kohle, Gas, Öl), aus erneuerbaren Energiequellen (Wasserkraft, Photovoltaik, Wind, Erdwärme, Biomasse) bezogen oder aus Kernspaltung gewonnen werden.

So wird zum Beispiel in Wärmekraftwerken elektrische Energie mit Wärmekraftmaschinen aus Wärme erzeugt, die durch Verbrennung von Kohle gewonnen wird. Die Primärenergie ist die Energie der Kohle, die weitestgehend in Wärme umgewandelt werden kann. Jedoch treten bei der Umwandlung in mechanische Energie in einer Dampfturbine erhebliche Energieverluste auf. Zusätzliche, niedrigere Verluste treten dann noch bei der Umwandlung in elektrische Energie in einem Generator und beim späteren Transport via Hochspannungsleitungen zum Endverbraucher auf. Die bei den Verbrauchern ankommende elektrische Energie wird hingegen als Sekundär- beziehungsweise Endenergie bezeichnet.

Der Primärenergieverbrauch (PEV) bezeichnet laut Umweltbundesamt den Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger. Er errechnet sich aus der Summe aller im Inland gewonnenen Energieträger zuzüglich des Saldos der importierten/exportierten Mengen sowie der Bestandsveränderungen.

Er ist abhängig von

  • der wirtschaftlichen Konjunktur
  • den Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt
  • technischen Entwicklungen
  • Witterungsverhältnissen

Bemessungsgrundlagen zum Energieverbrauch

Erdgas

Erdgas nimmt nach Erdöl immer noch den höchsten Anteil an Primärenergie in Deutschland mit rund 20 Prozent ein.

Quelle: fotolia ©industrieblick

Während im deutschsprachigen Raum der Energieverbrauch üblicherweise in Steinkohleeinheiten (SKE) gemessen wird, wird im internationalen Maßstab eher diejenige Energie als Bemessungsgrundlage herangezogen, die beim Verbrennen von einem Kilogramm Erdöl freigesetzt wird. In den englischsprachigen Dossiers und Statistiken erscheinen die Verbräuche statt SKE unter der Energieeinheit „Öläquivalent“ oder „Rohöläquivalent“.

Weist der Primärenergieverbrauch auf dem Sektor konventioneller Primärenergieträger in Deutschland mit Ausnahme von Erdgas seit Beginn der 1990er Jahre eine rückläufige Tendenz auf, haben dagegen die erneuerbaren Energien seit 2000 stetig zugelegt.

So hat letztlich der Ausbau der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Primärenergieverbrauch von fossilen und nuklearen Energieträgern gesunken ist. Dementsprechend ist sein Anteil um 6,3 Prozent von 13.103 Petajoule im Jahr 2008 auf 12.281 Petajoule im Jahr 2013 zurückgegangen. Zwar nahmen fossile Energieträger im Jahr 2013 mit mehr als 81 Prozent weiterhin den höchsten Anteil unter den Primärenergieverbräuchen ein, der Beitrag der erneuerbaren Energien konnte jedoch weiter ausgebaut werden. So betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch in Deutschland im letzten Jahr bereits 12,5 Prozent, noch knapp vor der Braunkohle. Die Spitzenpositionen nahmen 2015 nach wie vor Rohöl (33,9) und Erdgas (21,1) ein. (Quelle: AGEB)

Deutschland, ein „Energiefresser“

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland  als Industrienation weltweit Platz Sechs auf einem Ranking der Staaten mit dem höchsten Primärenergieverbrauch. Wenig überraschend liegt China als Spitzenreiter mit knapp drei Milliarden Tonnen Rohöl noch vor den Vereinigten Staaten mit rund 2,2 Milliarden Rohöl – mit großem Abstand gefolgt von Indien, Russland und Japan. Damit liegt Deutschland noch vor Brasilien, Südkorea, Kanada und Frankreich.

Dabei entspricht allein der Energieverbrauch des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (17,5 Millionen Einwohner) mit rund 100 Millionen Tonnen Rohöläquivalent dem von ganz Polen – obwohl dort mehr als doppelt so viele Menschen leben. Und auch der Energieverbrauch von Bayern auf Platz zwei (12,6 Millionen) lässt sich mit dem eines ganzen Staates gleichsetzen: So verbraucht ganz Algerien mit rund 50 Millionen Tonnen Rohöl genau so viel Primärenergie wie der Freistaat – nur mit rund dreimal so viel Bewohnern.

Strom kommt aus der Steckdose

Wie viel Energie verbraucht Deutschland?

Quelle: fotolia ©Trueffelpix

Insgesamt verbraucht Deutschland so viel Energie wie die Staaten Norwegen, Algerien, Libanon, Slowakei, Georgien, Kambodscha, Kenia, Uruguay, Kolumbien, Polen, Angola, Slowenien, Ecuador, Guatemala, Simbabwe und Estland zusammen. Während in Deutschland etwas mehr als 81 Millionen Menschen leben, wohnen in jenen Staaten insgesamt 323 Millionen Menschen. Entsprechend unterscheidet sich auch der Energieverbrauch pro Kopf.

All die Vergleiche zeigen, wie stark Deutschland als führende Industrienation auf Energie angewiesen und von ihr abhängig ist. Daher ist erklärtes Hauptziel der Befürworter regenerativer Energien, die alternativen Ressourcen in Deutschland nicht nur auszubauen, sondern ihren Verbrauch durch sparsame und effiziente Nutzung zu verringern.

Quo vadis, Deutschland?

Herausforderung des 21. Jahrhunderts

Deutschland ist, was das Thema Energieeffizienz anbetrifft auf einem stabilen Weg. So lautet zumindest die Kernaussage einer Untersuchung des amerikanischen Thinktanks ACEEE (American Council for an Energy-Efficient Economy), wonach Deutschland im internationalen Vergleich die Nase vorn hat und als Musterschüler auf dem Energiesektor gilt.

Die Untersuchung hatte 35 Länder mit dem höchsten Energieverbrauch unter die Lupe genommen und miteinander verglichen. Besonders lobenswert fand die Studie die Energiewende-Strategie, den Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent zu senken. Zum anderen hoben die Studienautoren die relativ niedrige Energieintensität hierzulande hervor.

Deutschland liege zwar in den Kategorien Gebäude, Industrie und nationale Anstrengungen ganz vorne, habe jedoch im 21. Jahrhundert noch Defizite beim Schienennetz-Ausbau im öffentlichen Nahverkehr zu bewältigen. Deutschland habe zwar bereits viel erreicht, die derzeitigen Effizienzfortschritte fielen aber deutlich hinter die anderen EU-Mitgliedstaaten zurück.

Ein weiteres Manko: Aktuell ist laut Auskunft der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) der Energieverbrauch in Deutschland wieder angestiegen. So stieg die Rate im ersten Halbjahr 2016 um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an, einer kühleren Witterung und einem anhaltenden Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszuwachs geschuldet. Das zeige sich besonders an Zuwächsen beim Öl- und Gasverbrauch sowie den erneuerbaren Energien, während die Nutzung von Kohle- und Kernkraft weiter zurückgegangen sei.

Die positive Nachricht: Insgesamt sei der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch in Deutschland gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 um 0,1 auf 13 Prozent gestiegen und liegt damit derzeit doppelt so hoch wie der der Atomkraft. Photovoltaik, Windkraft und Biomasse konnten zudem ihren Vorsprung gegenüber Braun- und Steinkohle nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen.

Der Trend hin zu Wind, Sonne und Wasser als Primärenergiequellen hält demnach an, Deutschland befindet sich auf einem vielversprechenden Weg. Regenerative Energien werden immer wettbewerbsfähiger. Vorsichtigen Schätzungen zufolge sollen die erneuerbareEnergien im Jahr 2040 60 Prozent der Stromerzeugung ausmachen - und zwei Drittel aller Investitionen in dem Bereich auf sich vereinen.

Gruene Energie

Grüne Energie aus der Steckdose.

Quelle: fotolia ©thomas222

Abhängigkeiten von ausländischen Energie- und Brennstoffimporten

Erneuerbare Energien haben einen unumstrittenen Vorteil: Sie machen unabhängig und mindern die Exportabhängigkeit tradierter Energie von Uran bis Öl und Gas. Mittlerweile ist eine exportstarke Industrie entstanden, in der europaweit rund 600.000 Menschen beschäftigt sind.

Was die Abhängigkeiten von ausländischen Energie- und Brennstoffimporten anbetrifft, befindet sich Deutschland zunehmend auf einem Weg hin zu Teilautarkie. So wird seit 2003 mehr Strom exportiert als importiert. 2012 vervierfachte sich der Ausfuhrüberschuss im Vergleich zu 2011 nahezu, 2010 hat der Überschuss nur bei 17,6 TWh gelegen, 2012 hingegen schon bei 22,8 TWh.

Die größte Importabhängigkeit Deutschlands besteht nicht bei Strom, sondern bei Mineralöl und Uran. Laut dem Jahresbericht der AG Energiebilanzen (AGEB, PDF 2,1MB) wurden 2013 71 Prozent des deutschen Energiebedarfs durch Importe abgedeckt. Im gleichen Jahr noch mussten 98 Prozent des Erdöls, 90 Prozent des Erdgases, 87 Prozent der Steinkohle und 100 Prozent des Urans importiert werden. Das macht Deutschland immer noch abhängig von steigenden Weltmarktpreisen, Krisen und Konflikten.

Der Königsweg aus einer Schere von hohem Energiebedarf als Industrieland und einer Abhängigkeit von ausländischen fossilen Energieträgern scheinen erneuerbare Energien zu sein. So hatten nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) regenerative Energien bereits 2011 Brennstoffimporte in Höhe von 11 Milliarden Euro ersetzt und dabei mehr als 9 Milliarden Euro externe Kosten vermieden. Zukunft und Schicksal Deutschlands liegt in einem Ausbau alternativer Energien, um die Unabhängigkeit von Öl, Gas und Steinkohle weiter voranzutreiben.

Redaktion

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