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Noten für Infotafeln und Mülleimer: DVB-Qualitätskontrolleure prüfen Busse, Bahnen und Haltestellen auf Sauberkeit

Noten für Infotafeln und Mülleimer: DVB-Qualitätskontrolleure prüfen Busse, Bahnen und Haltestellen auf Sauberkeit

"Der bekommt von mir eine Drei", sagt Ramona Philipp und zeigt auf einen Mülleimer an der Straßenbahnhaltestelle vorm Bahnhof Neustadt. Der Behälter ist halbvoll und verschmutzt, ein paar Zigarettenkippen liegen auf dem Rand.

Von Stefan Schramm

Mit geübten Handgriffen gibt sie die Note in ihren Pocket-PC ein und speichert sie ab. Obwohl sie keine Lehrerin ist, darf sie den ganzen Tag solche Zensuren vergeben.

Ramona Philipp ist eine von zwei Qualitätskontrolleurinnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die tagtäglich den Zustand der Haltestellen, Busse und Bahnen unter die Lupe nehmen. Dabei ist sie nicht nach dem Zufallsprinzip unterwegs, sondern nach einem festgelegten Plan. Zwölf verschiedene Touren hat die 55-Jährige im Programm, die sie fünf Tage die Woche durch Dresden führen. Der Schwerpunkt liegt im Stadtzentrum. Und das nicht unbedingt, weil dort alle Linien aufeinandertreffen, sondern weil da der größte Reinigungs- und Reparaturbedarf besteht. "Je näher eine Haltestelle an der Innenstadt liegt, desto häufiger müssen wir sie erfahrungsgemäß saubermachen lassen", erklärt DVB-Sprecher Falk Lösch. Dienstkleidung trägt Ramona Philipp nicht. "Um herauszufinden, wo Reinigungs- oder Reparaturbedarf besteht, soll sie sich wie ein normaler Fahrgast verhalten", so Lösch weiter.

Das macht sie im Prinzip auch, guckt aber etwas genauer hin. Schon, als die Straßenbahn der Linie 3 an der Haltestelle vorfährt, prüft die DVB-Mitarbeiterin "in zivil" den gelben Lack auf Verschmutzungen. Gleich nach dem Einsteigen schweift ihr Blick vom Fußboden über Fenster und Sitze auf die Haltestangen. Ist irgendetwas verdreckt oder zerkratzt? Funktioniert der Fahrkartenautomat? Kann man die Haltestellenansage gut hören? Für jedes Kriterium tippt Ramona Philipp schnell ihre Note ein. Und dann öffnen sich auch schon die Türen: Haltestelle Carolaplatz.

Die Qualitätskontrolleurin verlässt die Bahn. Ihr erster Blick fällt auf das alte Betonwartehäuschen mit den vielen eingeworfenen Glassteinen. "Das sieht nicht schön aus, aber das muss ich zum Glück auch nicht bewerten", sagt sie. "Und wenn es mal regnet, ist man auch über so einen Unterstand froh". Hauptsache, das Warnsignal am Fußgängerüberweg über die Gleise funktioniert - und das tut es ordnungsgemäß. Auch beim Gleisbett, dem Haltestellenschild und dem näheren Umfeld gibt es keine Beanstandungen. Nur das entsprechend der Jahreszeit herumliegende Laub nimmt Philipp noch ins Protokoll auf. An der Haltestelle in der Gegenrichtung macht sie dann aber eine üble Entdeckung: Das Spritzschutzgeländer neben der Albertstraße ist völlig verschmutzt. "Dafür gibt es leider nur eine Vier."

"Diese Tätigkeit ist ein wichtiger Bestandteil unseres Qualitätsmanagements", sagt Mirko Rüde, Gruppenleiter Markt- und Qualitätsforschung bei den DVB. "Dadurch sind wir in der Lage, schnell auf Defizite zu reagieren". Im 14-Tages-Rhythmus treffe man sich zur Auswertung. In diesem Zeitraum haben die Prüfer rund 300 Bewertungen im Kasten. Die fließen in eine Gesamtstatistik ein. Daraus lässt sich dann erkennen, welche Haltestelle zu welchen Uhrzeiten wie stark verschmutzt ist. "Morgens sieht es noch gut aus, bis zur 13. Stunde sinken die Noten kontinuierlich ab und bleiben dann bis abends auf diesem Niveau", resümiert Rüde. Dann ist das Reinigungsunternehmen Veolia gefragt. Im bundesweiten Vergleich stehe Dresden in Sachen Sauberkeit aber gut da. "Verhältnisse wie in manch anderen Städten gibt es bei uns zum Glück nicht", beruhigt Falk Lösch.

Ramona Philipp sitzt derweil schon längst wieder in der Linie 7 zur Stauffenbergallee. Zum heutigen Freitagnachmittag macht sie im Dienste von Ordnung und Sauberkeit unter anderem an Zwinglistraße, Wildem Mann, Schillerplatz und Elbepark Station.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2011

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