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Dubiose Firma zockt Dresdner Flugreisende ab

Dubiose Firma zockt Dresdner Flugreisende ab

Bernhard Schramm konnte es nicht fassen, als er seine letzte Telefonrechnung zugeschickt bekam. Für ein zwei Minuten und 22 Sekunden dauerndes Gespräch über die "IN-telegence GmbH" in Köln soll er mehr als fünf Euro hinblättern.

Von christoph stephan

Dabei wollte er sich doch nur am 9. November bei der Auskunft des Dresdner Flughafens erkundigen, ob sein für den nächsten Tag gebuchter Flug nach Madeira über Nürnberg mit Air Berlin planmäßig stattfindet.

"Ich wurde ständig weiterverbunden, es hieß, ich solle mich nur ein klein wenig gedulden. Und dann hörte ich irgendwann nur noch Unterhaltungsmusik, bis ich entnervt den Hörer auflegte", beschreibt Schramm. Die DNN nahmen sich der Sache an und bekamen heraus, dass unser Leser Opfer einer Firma geworden ist, die deutschlandweit seit Jahren auskunftssuchende Flugreisende abzockt und nun in Dresden aktiv geworden ist.

Es handelt sich um die "Flughafen Auskunft 0-24 Uhr Ankunft Abflug Reiseinfo unabhängige Informationszentrale CS e.K.", die unseren Recherchen zufolge am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg registriert ist.

Das wusste Bernhard Schramm natürlich nicht. Denn im Dresdner Telefonbuch tauchen die Betrüger direkt zwischen der offiziellen Anzeige des Flughafens in Klotzsche und den zentralen Servicenummern des Airports auf. Schramm verließ sich auf den Eintrag "Flughafen Auskunft" und wählte die aus der Reihe fallende Nummer 21249011, worauf das Dilemma begann. Die seriöse Einwahl zum Flughafen zum Ortstarif lautet 8810.

Im Selbstversuch unserer Zeitung zeigte sich gestern, dass man über die im Telefonbuch stehende Nummer des angeblichen Auskunftsservices nur ein Tonband erreicht. Die freundliche Herrenstimme verweist einen auf eine teure 0900er-Nummer, bei der die Minute aus dem Festnetz 1,99 Euro kostet. "Da der Preis angesagt und nicht automatisch weiterverbunden wird, dürfte es schwer sein, gegen die Firma rechtlich vorzugehen", meint Friederike Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Laut Christian Adler aus der Pressestelle des Dresdner Flughafens wird der Airport den Sachverhalt trotzdem intensiv prüfen. Schließlich gibt eine Firma vor - nicht zuletzt durch den gezielt platzierten Telefonbucheintrag - Auskunftsdienst für Fluggäste zu sein.

"Wir können leider nicht ausschließen, dass andere versuchen, mit unserem guten Namen Geld zu verdienen", sagt Adler. "Deshalb raten wir grundsätzlich zur Vorsicht, wenn es sich um Handynummern handelt oder wenn man per Anrufbeantworter aufgefordert wird, eine teure Nummer zu wählen."

Wie Petra Fischer vom für die hiesigen Telefonbücher zuständigen "SachsenVerlag" mitteilt, besitzen die Abzocker offenbar viel Insiderwissen über Telefonbucheinträge. "Der Firmenname scheint ganz bewusst gewählt, so dass er über den offiziellen Flughafennummern erscheint. Darauf haben wir leider keinen Einfluss", sagt sie.

Schwachstellen im Gesetz kaltblütig ausgenutzt

Was unserem Leser Bernhard Schramm widerfahren ist, hätte vielen Dresdnern passieren können. Er wollte sich zur Sicherheit am Vorabend noch einmal seinen Flug in den Urlaub bestätigen lassen, suchte im Telefonbuch nach der Flughafenauskunft und landete prompt bei einer Firma, die überhaupt nichts mit dem Airport in Klotzsche zu tun hat, sondern Gutgläubige per Tonband nur auf eine teure 0900er-Nummer lotst. Soviel steht fest: Hier sind Profis am Werk, die gesetzliche Schwachstellen genau kennen und diese für sich und ihre schmutzigen Geschäfte auszunutzen wissen. Denn die Umleitung auf die Abzocknummer erfolgt nicht ohne Wissen des Anrufers. Sonst könnte man ohne Probleme gegen den falschen Auskunftsdienst rechtlich vorgehen. Dass Anrufer statt der versprochenen Fluginformationen nur Endlosansagen oder lapidare Auskünfte erhalten - wie in einschlägigen Internetforen über das Agieren dieser Firma in anderen Städten nachzulesen ist - spielt leider keine Rolle. Genau hier muss der Gesetzgeber schnell eingreifen, um Verbraucher vor Unternehmen zu schützen, die mit ganz offensichtlichen Täuschungen Geld verdienen.

ch.stephan@dnn.de

Von Christoph Stephan

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2011

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