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Dresdner stören sich besonders am Straßenlärm

Dresdner stören sich besonders am Straßenlärm

Die Dresdner stören sich weit mehr am Straßenlärm als Bürger anderer Städte. Das geht aus der jüngsten Bürgerumfrage hervor. Knapp die Hälfte der Befragten empfand demnach den Krach von der Straße als deutlich oder stark wahrnehmbar - deutschlandweit sagte dies nicht einmal jeder Dritte Bundesbürger.

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Von Heiko Weckbrodt

Viele Dresdner ärgern sich sogar derart über laute Pflasterstraßen, dass das für sie zum Hauptumzugsgrund wird: 30 Prozent der Umzugswilligen gaben den Wunsch nach mehr Ruhe und Naturnähe als wichtigsten Antrieb für die Suche nach einer neuen Wohnung an. "Das zeigt, dass nach wie vor erheblicher Handlungsbedarf in Dresden besteht", heißt es in der Auswertung der Bürgerumfrage.

Geers-Stiftung: Dresden auf Platz 21 der 27 lautesten Städte

Die empfundene hohe Lärmbelastung in der sächsischen Landeshauptstadt ist indes eine subjektive Einschätzung: In einem Deutschlandvergleich im Auftrag der Geers-Stiftung - benannt nach dem Hörgeräte-Unternehmer Theodor Geers - wurde Dresden nämlich jetzt als eher leise Kommune eingestuft: Gemessen am urbanen Flächenanteil mit hoher Lärmbelastung landete die Stadt nur auf Platz 21 unter 27 untersuchten Großstädten. Insgesamt ist etwa ein Drittel der Dresdner Stadtfläche einem Lärmpegel von über 55 Dezibel (dB)ausgesetzt, jeder zehnte Dresdner wird durch den Straßenverkehr sogar mit über 60 dB beschallt.

Zum Verständnis: Ab 55 dB werden Geräusche als Belästigung empfunden und können über einen längeren Zeitraum die Gesundheit beeinträchtigen. Ab 65 dB steigt der Stresspegel stark an und kann langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Dabei ist allerdings zu bedenken, dass sich die Studie auf die möglicherweise unterschiedlich angefertigten Lärmmessungen der einzelnen Kommunen stützt. Außerdem hat Dresden mit der Heide einen 50 Quadratkilometer großen und nahezu von Lärm verschonten Stadtwald hat - würde man die unbesiedelte Heide herausrechnen, wäre der Anteil lauter Flächen am Stadtgebiet natürlich größer.

Teils Lärmspitzen bis 90 Dezibel an der "Bautzener"

Hinzu kommt: "Viele Gesundheitsexperten sind der Meinung, dass der Grenzwert mit 55 dB zu hoch angesetzt ist und um etwa 5 dB gesenkt werden müsste", sagte die grüne Stadträtin Elke Zimmermann. Auch habe man bei eigenen Lärmmessungen zum Beispiel auf der Bautzener Straße teils recht hohe Lärmspitzen von bis zu 90 dB ermittelt, ergänzt Margit Haase, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Stadtrat. Und für den lärmgebeutelten Dresdner im Konkreten sind statistische Durchschnittswerte natürlich keine Linderung, ihn können auch solche Lärmspitzen verrückt machen.

Allerdings zeigt ein Vergleich mit Bürgerumfragen vergangener Jahre, dass sich die Lämrbelastung aus Bürgersicht bereits verbessert hat: 1996 gaben noch fast zwei Drittel der Befragten an, dass sie sich durch Straßenkrach deutlich oder stark belästigt fühlten, jetzt ist es nur noch knapp jeder Zweite.

Abgesehen vom Süd-Nord-Flugkorridor zum Airport am westlichen Stadtrand, wo teils Grenzwertüberschreitungen jenseits der 65 dB gemessen wurden, zählen vor allem große Ausfallachsen zu den lautesten Stellen in der Stadt: Die Königsbrücker Straße zum Beispiel, Antonstraße, Stauffenbergallee, Großenhainer und St. Petersburger Straße etwa.

Meisterplan gegen Lärm verabschiedet

Mit Blick darauf hat der Umweltausschuss im März 2009 einen "Masterplan Lärmminderung" beschlossen. Er soll in vielen kleinen Schritten - seien es nun Straßensanierungen, Lasterleitkonzepte oder Tempo-30-Zonen, die peu à peu in allen Wohngebieten eingeführt werden sollen - den Krach in Dresden bis 2013 spürbar reduzieren. "Lärm ist eines der von der Bevölkerung am stärksten wahrgenommenen Umweltprobleme", heißt es in diesem Plan, der auch auf Dilemma hinweist: "Während die grenzenlose und bis vor die Haustür reichende Mobilität oftmals als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird, sollen die daraus entstehenden Belastungen hingegen möglichst weit weg vom eigenen Zuhause abgewickelt werden."

Andererseits fußt der Meisterplan laut Grünen-Stadtätin Haase auch auf einer mangelhaften Datengrundlage: "Die Lärmkartierungen der Bahn zum Beispiel liegen jetzt erst vor". Der Meisterplan sieht auch vor, für die neun lautesten Stadtteile und Hauptverkehrsachsen konkrete Aktionspläne gegen zuviel Krach zu entwerfen. Bisher sind davon jedoch erst drei Aktionspläne für die Innere und Äußere Neustadt sowie die Friedrichstadt in Vorbereitung, wie Torsten Rex, Referent von Umwelt- und Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), mitteilte.

Krachschutz mit Bundesmitteln bezahlt

Darüber hinaus habe die Stadt aber in den vergangenen beiden Jahren insgesamt 30 Straßen den Lärmschutz verbessert, dies wurde aus dem Konjunkturpaket II des Bundes bezahlt, so Rex. Dazu zählten mit der Fritz-Reuter- und der Hechtstraße sowie dem Bischofsweg auch drei Pisten, die früher zu den lautesten Straßen Dresdens gezählt wurden. Außerdem ließ das Rathaus auf der Hechtstraße eine Probestrecke mit zwei verschiedenen lärmmindernden Straßenbelägen beschichten - die Ergebnisse des Tests stehen noch aus.

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