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Der Elbe(rad)weg ist für alle da

Der Elbe(rad)weg ist für alle da

Drei schwere Unfälle mit Fahrradfahrern erschütterten in den letzten Wochen die Landeshauptstadt. Immer mehr Radfahrer müssen sich in Dresden mit immer mehr Autos die Straßen teilen.

Von Katrin Tominski

Konflikte entbrennen jedoch auch zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern. An schönen Tagen ist der Elberadweg so voll, dass es schnell zu Pöbeleien kommt. DNN sprachen mit der Dresdner Fahrradverantwortlichen Nora Ludwig über Verkehrsauskommen, Vorfahrtsregeln und eine neue Fahrradkultur.

m Gibt es wirklich immer mehr Fahrradfahrer auf Dresdens Straßen?

Ja, die Anzahl der Radfahrer steigt kontinuierlich. 2008 betrug der Anteil der Radfahrer am gesamten Verkehrsaufkommen in Dresden noch 16 Prozent. "Mittlerweile sind wir jedoch mindestens bei 20 Prozent", sagte Nora Ludwig, Fahrradverantwortliche der Stadt Dresden. Ein Fünftel des Verkehrs bewegt sich also über Dresdens Straßen und Radwege.

m Warum setzen sich immer mehr Menschen auf den Drahtesel?

"Es hat sich eine Fahrradkultur entwickelt", erklärt Ludwig. "Das Fahrrad wird heute bewusst als Verkehrsmittel eingesetzt. Zudem haben alle Generationen das Radfahren für sich entdeckt." Vor 15 Jahren seien nur Studenten und Idealisten Fahrrad gefahren. Mittlerweile ist das Rad in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Allerdings hat auch das Radfahren als Sport zugenommen. Dies sorgt immer öfter für Konflikte.

m Wieso kommt es zu Problemen zwischen Radfahrern und Fußgängern?

Weil immer mehr Radfahrer zum Beispiel den Elberadweg nutzen, ist logischerweise immer weniger Platz für jeden. Fußgänger und Rennradfahrer bewegen sich in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Jeder möchte genug Platz für sich, der Elberadweg ist jedoch für alle da - wie sein offizieller Name "Internationaler Elbe Rad- und Wanderweg" schon sagt. "Hier gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme", mahnt Ludwig. Radfahrer hätten nicht das Recht, Fußgänger fordernd vom Weg zu klingeln. "Sie müssen sich den Geschwindigkeiten der Fußgänger anpassen", sagte die Fahrradverantwortliche. "Umgekehrt sind die Fußgänger angehalten, nicht den ganzen Weg zu versperren."

m Der Elberadweg ist also für Radfahrer, die Sport treiben wollen, gar nicht geeignet?

"Jein. Wenn die Strecke frei ist, können Radfahrer so weit beschleunigen, wie sie wollen", erklärt Ludwig. "Sie haben eben nur nicht das Recht, Fußgänger fortzujagen, nur weil sie gerade schnell unterwegs sind."

m Beschweren sich viele Dresdner über die schwierige Situation?

Wöchentlich treffen etwa zehn Beschwerdebriefe im Büro der Fahrradverantwortlichen ein. Die Bürger monieren nicht abgesenkte Bordsteine, gesperrte Radwege und eben oft die Situation auf dem Elberadweg. 60 Unfälle gab es 2010 auf dem Abschnitt zwischen Johannstädter Fährgarten und dem Blauen Wunder. Deswegen soll ein zweiter Radweg gebaut werden. Der Antrag zur Planfeststellung sei raus, die Kosten von 500 000 Euro sollen im nächsten Doppelhaushalt eingeplant werden, verkündete Baubürgermeister Jörn Marx (CDU).

m Gibt es in Dresden genug Wege für Fahrradfahrer?

Nein. Deswegen soll das städtische Radverkehrskonzept Abhilfe schaffen. Insgesamt 1,5 Millionen Euro will Dresden in den nächsten Jahren in den Radwegausbau und bessere Verkehrsführungen stecken. Allerdings hat sich auch schon einiges getan. Seit 1990 wurde das Radwegenetz von 37 Kilometern auf 370 Kilometer um das Zehnfache vergrößert.

m Wie wird das Verkehrsaufkommen der Radfahrer gemessen?

Fünf Zählstellen evaluieren den Radverkehr in Dresden. Sie können im Dresdner Themenstadtplan (www.stadtplan.dresden.de) eingesehen werden. Im vergangenen Jahr zählten die Messstation am Elberadweg in der Höhe des Lothringer Weges insgesamt knapp 304 000 Radfahrer. Allein im Juni 2010 passierten 83 000 Radfahrer den Weg zwischen dem Johannstädter Fährgarten und dem Blauen Wunder.

m Kritiker bemängeln das geplante 1,30 Meter-Geländer der Radbrücke an der Albertbrücke als zu niedrig. Wird die Planung geändert?

"Das Problem des niedrigen Geländers ist bekannt", konstatierte Ludwig. Es werde derzeit bearbeitet. Grundsätzlich sei die Fahrradbrücke aber ein Provisorium und keine Dauerlösung, dennoch aber dringend nötig. Die Albertbrücke ist die Hauptverbindungsroute für den Radverkehr. Bis zu 9000 Radler täglich überqueren hier die Elbe.

m Wo entstehen neue Radwege?

Neben einem neuen zweiten Radweg zwischen Fährgarten und Blauem Wunder soll auch der Elberadweg zwischen Saloppe und Körnerplatz verbreitert werden. Weil er an manchen Abschnitten nur drei Meter breit und teilweise mit Steinen gepflastert ist, birgt er ein hohes Unfallpotenzial.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.10.2011

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