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Alternativer Antrieb - Vorteile von Autos mit Gas

Verkehr Alternativer Antrieb - Vorteile von Autos mit Gas

Autos mit Erdgas- oder Autogasantrieb sind selten auf deutschen Straßen. Einen Durchbruch haben sie bislang noch nicht feiern können. Warum eigentlich? Es sprechen schlagkräftige Argumente für sie.

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Tankdeckel hoch: So sehen die Zapfpistolen für Erdgas (r) und für Autogas (l) aus. Foto: Patrick Seeger

Berlin. Pkw, die mit dem Autogas genannten Flüssiggas (LPG - Liquefied Petroleum Gas) fahren, sind schon Jahrzehnte auf dem Markt. Erdgasfahrzeuge (CNG - Compressed Natural Gas) sind dagegen vergleichsweise jung. Beide jedoch konnten sich als Alternative zu Benziner oder Diesel noch nicht etablieren.

Insgesamt fahren auf deutschen Straßen laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) um die 500 000 LPG-Autos, mit CNG werden unter den Bestandsfahrzeugen etwa 100 000 befeuert. Der Pkw-Gesamtbestand liegt bei 44,4 Millionen.

Gleichwohl ist vor allem das Angebot an CNG-Fahrzeugen in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Initiative Erdgas Mobil listet auf ihrer Webseite 22 Pkw-Modelle. Das Angebot an Autogasmodellen ab Werk liegt bei derzeit 67, sagt Rainer Scharr, der Vorsitzende des Deutschen Verbands Flüssiggas (DVFG). Auch Nachrüstlösungen gibt es. Dabei ist es weit komplizierter und teurer, auf Erdgas statt auf Autogas umzusatteln. Auf LPG umzurüsten, koste im Schnitt zwischen 1800 und 2800 Euro, so der DFVG.

Vor allem in den geringeren, steuerbegünstigten Kraftstoffkosten liegt das Sparpotenzial von Gasautos. Nur muss man sie lange genug fahren, um höhere Anschaffungskosten wieder reinzufahren. Als Neuwagen sind sie in der Regel um mehrere Hundert bis einige Tausend Euro teurer als vergleichbare Benziner. Gegenüber Diesel gibt es oft nur einen geringen Preisunterschied. Mehr- oder Umrüstungskosten von ca. 2500 Euro seien zum Beispiel laut dem Flüssiggas-Verband bei einem Kleinwagen nach 68 000 Kilometern, in der Kompaktklasse nach 56 500 Kilometern oder bei einem Fahrzeug der Mittelklasse nach 48 000 Kilometern kompensiert.

"Der Energiegehalt von einem Kilo Erdgas entspricht 1,5 Liter Benzin beziehungsweise 1,3 Liter Diesel", sagt Timm Kehler, Vorstand bei der Initiative Zukunft Erdgas. "Im Vergleich zu Benzin sparen Erdgasfahrer nahezu die Hälfte, gegenüber Diesel knapp ein Drittel der Spritkosten", so Kehler. Auch unter den Gassorten macht als günstigster Treibstoff CNG das Rennen, denn der Verbrauch von LPG liegt vergleichsweise hoch. Laut ADAC kann die Differenz gegenüber einem Benziner je nach Motor, Autogasanlage oder Gaszusammensetzung bei bis zu 30 Prozent liegen.

Höher können allerdings die Wartungskosten ausfallen. Gasautos müssen teils öfter zur Inspektion. Die sogenannten Gasanlagenprüfung (GAP) wird in der Regel im Zuge der Hauptuntersuchung (HU) durchgeführt. Die Lebensdauer von Erdgasdruckbehältern ist generell auf 20 Jahre beschränkt.

Ein Argument gegen Gasfahrzeuge ist das dürftige Tankstellennetz. LPG-Autos trifft das weniger: "Mit bundesweit über 6900 Tankstellen kann fast an jeder zweiten Tankstelle Autogas getankt werden",sagt Scharr. Dagegen kann der Fahrer eines CNG-Autos bundesweit nur an über 900 Tankstellen nachfüllen. Autos mit Autogas sind fast immer bivalent ausgelegt: Sie haben einen weiteren Tank für Benzin an Bord. Im Falle von Nachrüstungen ist das sogar immer der Fall. Unter den Erdgasautos gibt es häufiger aber auch sogenannte quasimonovalente Modelle, die nur über einen kleinen Nottank für Benzin verfügen.

Negativ ins Gewicht fällt bei CNG-Autos folglich umso mehr, dass ihre Gesamtreichweite oft nicht höher als 400 bis 600 Kilometer im Gasbetrieb beträgt. Wer dagegen mit einem zweiten vollen Tank für den Benzinbetrieb unterwegs ist, kommt insgesamt meist über 1000 Kilometer weit - egal, ob der Antrieb wahlweise auch mit CNG oder LPG funktioniert.

Wie steht es aber mit der Angst, ein Gasauto könne in die Luft fliegen? Solche Vorfälle gibt es. Vor allem Rostbefall kann die robust gefertigten Gasbehälter instabil werden lassen. In einem Fall vom Sommer 2014 waren es Ablagerungen in einem Ventil, die zur Explosion eines LPG-Tanks führten. "Das sind absolute Einzelfälle", sagt DVFG-Sprecherin Ursula Megies. Bei Unfalltests sei mehrfach belegt worden, dass die Gastanks crashsicher seien.

An der Zapfsäule freuen sich vor allem Erdgasfahrer. Zum einen stellen sie fest, dass je nach Modell oft vier Euro genügen, um 100 Kilometer weit zu kommen. Und ihre weiße Umweltweste ist umso weniger befleckt, je höher der Anteil an Biomethan ist. Denn kommt zu 100 Prozent synthetisch hergestelltes Gas in den Tank, sind Autofahrer sogar C02-neutral unterwegs. Das schafft beim derzeitigen Strommix noch nicht einmal ein Elektroauto.

dpa

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