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Studie: Toxoplasmose bei Neugeborenen wohl oft unentdeckt

Gesundheit Studie: Toxoplasmose bei Neugeborenen wohl oft unentdeckt

Der Parasit ist weltweit bei Mensch und Tier verbreitet: Toxoplasma gondii. Gefährlich werden kann er in erster Linie Ungeborenen. Doch längst nicht alle Fälle werden nach Angaben von Experten erfasst.

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Ein sieben Wochen alten Fötus in einer Fruchtblase. Foto: Peter Endig

Berlin (dpa) - Die Infektionskrankheit Toxoplasmose ist einer Studie zufolge möglicherweise für mehr Schädigungen bei Babys in Deutschland verantwortlich als bisher angenommen.

Berechnungen zufolge müsste es jährlich 345 Neugeborene etwa mit Nervenschäden oder Augenbeschwerden durch den Parasiten geben.

Gemeldet werden aber nur 8 bis 23 Fälle jährlich, wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilte.

Zwar würden auch leichte Symptome nach der Geburt wohl erkannt, sagte der RKI-Infektionsepidemiologe Hendrik Wilking. Sie würden jedoch meist nicht auf den Erreger Toxoplasma gondii zurückgeführt.

Toxoplasmose kann Ungeborenen nur dann gefährlich werden, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft erstmals mit dem Erreger infiziert und ihn auch auf das Kind überträgt. Je nachdem, wie früh eine Schwangere erkrankt, kann es zu Fehlgeburten oder bleibenden schweren Nervenschäden kommen. Allerdings geschieht dies nur in einem Bruchteil der Fälle. Verbreitet wird der Erreger vor allem durch Katzen oder den Konsum von rohem und unzureichend gegartem Fleisch.

Bei Gesunden ist die Infektion meist harmlos, sie haben laut RKI häufig keine Symptome. Nach Schätzungen tragen 30 Prozent der Weltbevölkerung den Parasiten in sich. Nach der ersten Infektion baut der Körper einen Schutz gegen eine neuerliche Erkrankung auf.

Zur Gewinnung der aktuellen Daten wurden Blutproben von mehr als 6600 Erwachsenen auf Antikörper untersucht, die für die repräsentative Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) genommen worden waren. Etwas mehr als die Hälfte der getesteten Proben war positiv. Ältere waren häufiger infiziert als Junge, Menschen im Osten Deutschlands öfter als im Westen. Die Unterschiede werden vorrangig mit Katzenhaltung und Essgewohnheiten in Verbindung gebracht.

Die Chancen dieser Erkenntnisse lägen vor allem in der Prävention, so Wilking. Ob Screenings bei Schwangeren wie in Frankreich sinnvoll seien, müssten Experten verschiedener Disziplinen diskutieren.

Zumindest eine Neugeborenenstudie in Mecklenburg-Vorpommern ergab, dass die Mehrheit der Schwangeren auf die Vorsorgeuntersuchung zu Toxoplasmose verzichtet. Diese ist umstritten und muss zum Preis von 14 bis 16 Euro selbst bezahlt werden, wenn kein begründeter Verdacht auf eine aktuelle Infektion vorliegt. Gibt es Hinweise auf eine frische Ansteckung mit dem Erreger, erhält die Schwangere Antibiotika. Ob das Kind dadurch vor Toxoplasmose-Schäden geschützt ist, ist laut Techniker Krankenkasse (TK) nicht nachgewiesen. Auch Nebenwirkungen der Therapie werden befürchtet. Schwangere sollten vor allem auf einen hygienischen Umgang mit Katzen achten, so die TK.

Vor der aktuellen Untersuchung gab es laut RKI keine belastbaren Daten zum Vorkommen des Erregers in Deutschland. Weitere seien nötig.

dpa

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