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Pollenallergiker reagieren auf Apfel und Co.

Gesundheit Pollenallergiker reagieren auf Apfel und Co.

Eine kleine Gemeinheit der Natur: Das Allergen der Birke ist mit dem Allergen des Apfels verwandt. Der Körper kann das nicht unterscheiden. Immer mehr Pollenallergiker reagieren deshalb auf beides und stellen die Fachwelt vor die große Frage: Warum?

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Mit dem so genannten Prick-Test sollen die Stoffe gefunden werden, die bei einer Patientin zu Allergien geführt haben.

Quelle: Peter Roggenthin/Archiv

Mönchengladbach. Marina Oppermann kauft mit dem Rotstift im Kopf ein: Nektarinen, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und Äpfel gehen für sie nicht. Vor allem von rohen Äpfeln bekommt sie richtig Schnupfen und Husten.

Die 33-Jährige ist allergisch auf Birkenpollen. Sie reagiert aber gleichzeitig auf Lebensmittel, die scheinbar nichts mit der Birke zu tun haben: Stein- und Kernobst und auch Haselnüsse. Das ganze Jahr über, auch wenn keine Birkenpollen fliegen. Karotten sind ein Sonderfall: "Rohe Möhren gehen in der Pollenzeit nicht, in der pollenfreien Zeit geht es dann", sagt Oppermann.

Die Zahl der Pollenallergiker, die wie Marina Oppermann unter sogenannten Kreuzallergien leiden und auch auf bestimmte Lebensmittel reagieren, nimmt nach Einschätzung von Fachleuten zu. Nach Beobachtung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) reagiert bereits mindestens jeder zweite Pollenallergiker auf bestimmte Obst- und Gemüsearten. "Am liebsten würde man einmal mit der Zahnbürste den Rachen herunterfahren", beschreibt DAAB-Sprecherin Sonja Lämmel das typische Kribbeln und Kratzen im Hals vieler Betroffenen.

Birke, Gräser, Beifuß und Traubenkraut sind demnach für Kreuzallergien auf bestimmtes Obst und Gemüse bekannt. Kleine Eiweißbausteine in den Pollen können beim Menschen Allergien auslösen. In bestimmten Obst- und Gemüsearten gibt es Allergieauslöser, die mit denen in den Pollen verwandt sind. Sonja Lämmel nennt ein Beispiel: "Den Baustein in der Birke gibt es genauso in Möhre, Sellerie, Soja, Kern- und Steinfrüchten. Der Körper kann das nicht auseinanderhalten und reagiert auf beides."

Experten überlegen fieberhaft, warum die Zahl der Kreuzallergien innerhalb einer Generation so zugenommen hat. "Es vergeht fast kein Kongress, wo wir uns nicht Stunden, fast Tage lang den Kopf darüber zerbrechen", sagt Professor Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden. Es gebe zwar einige noch nicht spruchreife Thesen und Untersuchungen, aber noch keinen Durchbruch. "Ich glaube, es hängt wirklich damit zusammen, wie unser Immunsystem gefordert und gefördert wird. Aber man kennt den einen Grund nicht."

Nur sehr wenige Patienten, die zu Klimek kommen, ist dieser Zusammenhang klar: "Die allermeisten sagen: Ich kenne das Problem, dass ich Heuschnupfen habe. Jetzt komme ich, weil ich viele Nahrungsmittel nicht vertrage", sagt Klimek. Es sei auch sehr schwierig, diesen Zusammenhang zu erkennen.

Denn Kreuzreaktionen können das ganze Jahr auftreten, also auch - wie bei Marina Oppermann - ohne Pollenflug der Birke. Außerdem ist Apfel nicht gleich Apfel, wie Sonja Lämmel schildert: Es gibt Sorten, bei denen das Polyphenol herausgezüchtet wird, um die Braunfärbung beim Anschnitt zu verhindern. "Je weniger Polyphenol, desto häufiger die Allergieauslöser", sagt sie.

Die Reaktionen können nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich sein. "Das geht hin bis zum allergischen Schock oder zu Todesfällen. Wenn Leute schwerwiegend reagieren, können sie an den Folgen der allergischen Reaktion ersticken oder anderweitig an Kreislaufversagen sterben", sagt Klimek. Diese Menschen brauchten eine Ernährungsberatung, um auch die versteckten Stoffe zu erkennen.

Auch Klimek macht deutlich, wie sehr es bei der Spurensuche manchmal aufs Detail ankommt: "Wie werden die Äpfel angebaut, wann wird geerntet. Bis hin zu Transport und Lagerung gibt es viele Einflüsse, wie sich Inhaltsstoffe und Allergene verändern. Das macht es leider für die Betroffenen sehr kompliziert." Dazu kommen nach DAAB-Angaben noch andere Faktoren, die die allergischen Reaktionen beeinflussen können: Sport, Pollenflug oder Alkohol.

dpa

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