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Forscher untersuchen steinzeitliche Totenmaske aus dem Moor

Archäologie Forscher untersuchen steinzeitliche Totenmaske aus dem Moor

Ein Forscher gräbt ein Stück Keramik aus einer Moorlandschaft aus - vor einem halben Jahrhundert. Nun wissen Archäologen, was es ist.

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So hat das Original vermutlich ausgesehen: Ein Teil einer jungsteinzeitliche Maske und ihre weiße Nachbildung.

Quelle: Felix Kästle

Bad Schussenried. Es ist bräunlich-vergammelt, zerlöchert und zerrissen und gilt dennoch als spektakulärer Fund: Archäologen haben am Dienstag in einem Moorgebiet in Baden-Württemberg das Fragment einer Maske aus der Jungsteinzeit präsentiert.

Das Stück Keramik war bereits in den 1960er-Jahren von Forscher Ernst Wall aus dem Moor ausgegraben worden - allerdings konnte er sich keinen Reim darauf machen. Ein halbes Jahrhundert später stolperten Forscher erneut über den Fund und entdeckten: Es ist eine Gesichtsmaske aus der Jungsteinzeit. Sie gilt unter anderem deshalb als kleine Sensation, weil bisher erst zwei Masken aus dieser Zeit in Europa entdeckt wurden.

Es handelt sich um die rechte Gesichtshälfte einer aus Ton gebrannten Maske mit zwei Löchern zur Befestigung vor dem Gesicht. Die Denkmalschützer ergänzten das Maskenstück durch eine spiegelverkehrte Rekonstruktion. Der Archäologe Helmut Schlichtherle vom Landesamt für Denkmalpflege hatte zunächst versucht, das Keramikfragment zu einem Gefäß zu ergänzen. Er scheiterte aber an den irregulären Formen. "Erst als ich das Objekt spiegelbildlich ergänzte, wurde das Maskengesicht sichtbar."

Bisher wurden erst zwei Gesichtsmasken aus der Jungsteinzeit in Europa entdeckt - in Ungarn und Rumänien. Die beiden tragen nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart sehr schematische Züge. Die Maske aus dem Moor von Schussenried hingegen hat eher eine "naturalistische Physiognomie", wie die Forscher mitteilten, also eine menschlichere Gesichtsform mit eingefallener Unterlippe. Vermutlich ist es das Gesicht eines Toten. Die Maske gehöre wahrscheinlich in den Zusammenhang der Ahnenverehrung, betonte das Regierungspräsidium.

Zur Präsentation wurde die Ausgrabungsstelle im südlichen Federseemoor in Bad Schussenried wieder freigelegt. Der Federsee gilt als Schatzkammer für Archäologen. Die Maske wurde am Rand der ehemaligen Siedlung Riedschachen gefunden, aus der bereits weitere Keramikfunde aus dem Zeitraum 4200 bis 3700 vor Christus geborgen wurden.

"Auch nach mehr als 150 Jahren Pfahlbauforschung gibt es hier noch immer bedeutende Entdeckungen von internationaler Tragweite", betonte der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Claus Wolf. "Der Einsatz modernster Technologien und Forschungsmethoden - wie hier 3D-Scans - machen es möglich, bislang rätselhafte Funde zu entschlüsseln."

Die Maske wird derzeit erforscht und für die Landesausstellung "4000 Jahre Pfahlbauten" vorbereitet, die das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege vom 16. April bis 9. Oktober 2016 ausrichtet.

dpa

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