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Forscher sind Philistern auf der Spur

Archäologie Forscher sind Philistern auf der Spur

Sie gelten als Erzfeinde der Israeliten: die Philister. Doch wo sie vor mehr als 3000 Jahren herkamen, gibt Archäologen bis heute Rätsel auf. Nun sind sie einen wichtigen Schritt weiter.

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Sie gelten als Erzfeinde der Israeliten: die Philister. Foto:Jim Hollander

Aschkelon. Je feuchter desto besser, heißt die Devise für die Knochen. Die Zeit drängt. "Wir müssen sie wirklich rausholen, während sie noch feucht sind, sonst zerfallen sie zu Puder", sagt Daniel Master, Leiter der Ausgrabung, während Freiwillige mit Pinseln und Holzstäbchen Skelette freilegen.

Der amerikanische Archäologe schwitzt unter Planen neben dem Philister-Friedhof am Rande der israelischen Stadt Aschkelon. Die Knochen liegen seit nahezu 3000 Jahren in der Erde.

"Nach jahrzehntelangen Untersuchungen dessen, was die Philister zurückgelassen haben, stehen wir endlich den Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüber", sagt Master an diesem Tag Ende Juni. "Mit der Entdeckung sind wir nahe daran, die Geheimnisse ihrer Herkunft zu entschlüsseln." Seit 1985 haben Archäologen in der Nähe von Aschkelon nach Siedlungsüberresten der Philister gegraben. Dabei entdeckten sie unter anderem mehrere Tempel und ein Stadttor. 2013 stießen sie auf den Friedhof, wie erst jetzt bekannt wurde.

Die Philister werden in der Bibel als Erzfeinde der Israeliten beschrieben. Sie siedelten sich im zwölften Jahrhundert vor Christi Geburt in der Region südlich des heutigen Tel Avivs an. Woher sie kamen, ist allerdings unklar. Eine These lautet, sie stammten aus Zypern und sprachen eine Form des Griechischen.

"Es ist wirklich ein außergewöhnlicher Fund", sagt auch Seymour Gitin, ehemaliger Leiter des Albright-Institutes für Archäologische Forschung in Jerusalem und Experte für die Philister. "Das ist eine wundervolle Möglichkeit, um die DNA zu überprüfen und sie mit Knochen von kanaanitischen und israelitischen Friedhöfen sowie solchen aus der griechischen Welt zu vergleichen."

Aren Maeir, Archäologie-Professor von der Bar-Ilan-Universität, verweist auf andere Philister-Friedhöfe, die allerdings nur bei kleineren Ansiedlungen gefunden worden seien. Master sagt über den Friedhof bei Aschkelon: "Das ist der erste, bei dem wir uns sicher sind."

Am Kopf der Skelette finden sich Grabbeigaben, wie Schalen und Krüge, aber auch Schmuck. Lawrence Stager, ehemaliger Leiter der Expedition und Ex-Harvard-Professor für israelische Archäologie, geht davon aus, dass sich in den Gefäßen Öl oder Wein befand.

"Die Philister haben einen sehr schlechten Ruf", sagt Stager. "Sie galten als die unzivilisierten, Bier trinkenden Leute." Dabei seien sie sehr kultiviert gewesen und unter anderem Experten im Weinanbau und in der Produktion von Öl.

Der vielleicht berühmteste Philister war der Riese Goliath, der nach Überlieferungen aus der Bibel von David bezwungen wurde. Doch: "Wir haben hier nicht allzu viele Riesen", sagt Stager lächelnd. Der größte beerdigte Philister soll rund 1,80 Meter groß gewesen sein.

145 Skelette haben die Wissenschaftler ausgegraben. Drei Anthropologen sollen die Knochen nun untersuchen, unter anderem Alter und Geschlecht feststellen - und die Todesursachen erforschen.

Rund 50 Freiwillige unterstützen die Forscher. Auch Lisa Sedlmayr aus Deutschland ist für sechs Wochen mit dabei. Die 30-jährige Theologin hat in Marburg studiert. Obwohl sie jeden Morgen um 5 Uhr anfängt, ist sie von der Arbeit begeistert. "Man fasst Philister an", sagt sie. Statt immer nur Theorie, endlich Praxis.

Die Ausgrabung an dem Friedhof hat allerdings auch einen sensiblen religiösen Hintergrund. 2010 gab es in Aschkelon scharfe Proteste ultra-orthodoxer Juden gegen die Umbettung antiker Gräber. Das jüdische Glaubensrecht sieht dadurch die Totenruhe auch Jahrhunderte nach dem Begräbnis gestört. Master sagt aber: "Wir haben keine Schwierigkeiten bei unseren Forschungen gehabt."

Die Ausgrabung ist beendet, die Gräber sind wieder geschlossen. Stücke von Aschkelon, wie Krüge, Schalen und Schmuck, zeigt ab sofort das Rockefeller-Archäologie-Museum in Ost-Jerusalem. Knochen werden allerdings keine zu sehen sein.

dpa

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