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Volkswirte: Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit gehen zu Ende

Arbeitsmarkt Volkswirte: Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit gehen zu Ende

Jahrelang zeigte sich der deutsche Arbeitsmarkt weitgehend krisenresistent. Damit dürfte es 2016 erst einmal vorbei zu sein. Die große Zahl von Flüchtlingen dürfte auch auf dem Arbeitsmarkt ihre Spuren hinterlassen, erwarten Ökonomen.

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Zwei Männer warten in der Bundesagentur für Arbeit.

Quelle: Julian Stratenschulte/Symbolbild

Nürnberg. Die Zeiten stagnierender oder sogar sinkender Arbeitslosigkeit in Deutschland gehen nach Einschätzung von Volkswirten allmählich zu Ende.

Zwar zeichne sich bis zum Jahresende noch eine stabile Arbeitsmarktlage ab. Für das kommende Jahr rechnen die meisten von ihnen aber mit leicht steigenden Arbeitslosenzahlen, berichteten die Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Fachleute führen dies vor allem auf den starken Zustrom von Flüchtlingen zurück. Auch der Abgas-Skandal könnte den Arbeitsmarkt treffen, meinen einzelne Volkswirte.

Nach Einschätzung von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider dürften wegen der starken Binnennachfrage zwar weiterhin neue Arbeitsplätze entstehen. Dem stehe aber eine ungleich größere Zahl von Zuwanderern gegenüber. Neben Asylbewerbern werden aus seiner Ansicht auch verstärkt EU-Bürger aus Südosteuropa in Deutschland ihr Glück suchen. Wie stark die hohe Migrantenzahl in der Arbeitslosenstatistik ihren Niederschlag findet, hängt nach Auffassung der Volkswirte auch von der Dauer der Asylverfahren ab. Prognosen für 2016 seien daher schwierig.

Bayern-LB-Volkswirt Stefan Kipar sieht auch in der Abgas-Affäre ein gewisses Risiko für den deutschen Arbeitsmarkt. "Da hängt ein Haufen Jobs dran. Denn ich gehe davon aus, dass die vom Autoabsatz abhängigen deutschen Autozulieferer jetzt erst mal mit der Einstellung neuer Arbeitskräfte warten werden", schätzt Kipar. Die Konjunkturprobleme in China bereiten ihm dagegen weniger Sorgen. "Bisher hat sich die Konjunkturschwäche in China nicht in einer schlechteren Auftragslage der deutschen Industrie niedergeschlagen."

In der Summe hat das die meisten Volkswirte der großen deutschen Geldhäuser dennoch dazu bewogen ihre Arbeitsmarktprognosen für 2015 nach oben zu korrigieren. Statt mit einem Rückgang er Arbeitslosigkeit von 100 bis 110 000 erwarten einige im Schnitt nur noch einen Rückgang von rund 90 000 im Vergleich zu 2014. Für 2016 veranschlagen sie dagegen einen Anstieg der Erwerbslosenzahlen zwischen 70 000 und 100 000. Lediglich Michael Holstein von der DZ-Bank geht davon aus, dass die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit 2016 unverändert bei 2,8 Millionen liegen wird.

Für den September erwarten die befragten Volkswirte saisonbedingt einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Mit rund 2,7 Millionen werde sie um rund 100 000 unter dem Vormonatsniveau liegen, berichteten sie unter Berufung auf eigene Berechnungen. Dies wären 110 000 weniger als vor einem Jahr. Der starke Rückgang geht nach ihren Einschätzung vor allem auf das Konto des Herbstaufschwungs zurück. Nach den Sommerferien stellten viele Firmen wieder verstärkt Arbeitskräfte ein. Auch Ausbildungsabsolventen fänden nach vorübergehender Arbeitslosigkeit einen Job. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch (30. September) veröffentlichen.

dpa

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