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Verdi-Landesbezirkschef Oliver Greie: "Wir werden uns stärker einmischen"

Verdi-Landesbezirkschef Oliver Greie: "Wir werden uns stärker einmischen"

"Im Arbeitskampf mit Amazon hat Verdi den längeren Atem" - davon ist der frisch gewählte Landesbezirksleiter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Oliver Greie (39), fest überzeugt.

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Oliver Greie

Quelle: PR

"Wir hören erst auf zu streiken, wenn es einen Tarifvertrag gibt", sagt er. Auch wenn das Jahre dauere.

Sie sind neuer Chef eines Landesbezirks für drei Länder - sind Sie damit glücklich?

Natürlich freue ich mich über die Wahl zum Bezirksleiter. Was die Strukturen angeht: Da haben es andere sicher leichter. Wo sie einen Ansprechpartner haben, haben wir drei, weil drei Länder. Dafür sind andere Bezirke wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen um einiges größer.

Wie viele Mitglieder hat Verdi in Mitteldeutschland?

Wir sind mit 183 000 Mitgliedern die stärkste Organisation in Mitteldeutschland. Wir haben zwei Mal mehr Mitglieder als alle Parteien zusammen. Unsere Stimme hat Gewicht. Deshalb ist auch eines meiner ersten Vorhaben, mehr politische Präsenz in den drei Ländern zu zeigen. Wir werden uns stärker einmischen.

In früheren Jahren verzeichnete Verdi starke Mitgliederrückgänge ...

Das lag vor allem am Stellenabbau in Branchen wie dem Öffentlichen Dienst oder dem Bankgewerbe. Das haben wir aufgefangen. Dennoch müssen wir uns als Gewerkschaft weiter verjüngen. Die Demografie geht auch an uns nicht spurlos vorbei.

Der Jugend wird häufig nachgesagt, sie habe kaum Lust ihre Ziele, sofern sie welche hat, durchzusetzen.

Da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Heute sind junge Arbeitnehmer häufig von atypischen Jobs, prekärer Beschäftigung und niedrigen Löhne betroffen als ältere. Klar, wer kann, geht dorthin, wo er gut bezahlt wird. In den Westen oder auch in die nächst größere Stadt. Schwierig wird das für die, die familiär gebunden sind. Deshalb suchen viele den Weg zu uns. Sie wollen sich in ihren Unternehmen einsetzen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Sie haben den Beruf des Pflegers im Kreiskrankenhaus Burg bei Magdeburg gelernt - ein Grund, warum Sie sich für eine Aufwertung der Sozial- und Pflegeberufe einsetzen?

Die Branche ist stärker als andere von gravierenden Einkommensunterschieden gekennzeichnet. Es gibt Einrichtungen, da erhalten Mitarbeiter nur die Hälfte dessen, was der Flächentarifvertrag vorsieht. Mit der Privatisierungswelle haben sich viele Einrichtungen im Gesundheitswesen vom Manteltarif verabschiedet. Der immense Kostendruck wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Wir sind heute der Landesbezirk mit den meisten Haustarifen. Dennoch gibt es immer noch weiße Flecken, also Einrichtungen ohne jeglichen Tarif. Da muss etwas passieren. Mein großes Ziel ist ein Flächentarif für alle.

Wie geht es weiter beim Versandhändler Amazon - hier hat sich Verdi bislang die Zähne ausgebissen?

Der Eindruck täuscht. Gegen einen Tarifvertrag sträubt sich das Unternehmen zwar weiter, aber unser Kampf hat bereits zu Verbesserungen geführt. Nachdem es bei Amazon jahrelang keine Lohnerhöhung gab, zahlt man jetzt mehr. Zudem erhält ein Teil der Mitarbeiter inzwischen ein kleines Weihnachtsgeld.

Sind Sie selbst Amazon-Kunde?

Meine Frau bestellt dort hin und wieder. Warum auch nicht. Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten gern und gut bei Amazon, wollen dafür aber auch angemessen bezahlt werden. Hingegen werden ich bei Starbucks keinen Kaffee trinken, jedenfalls solange nicht, bis die Kette in Deutschland Steuern zahlt.

Worum geht es Verdi?

Wir kämpfen bei Amazon um einen Tarifvertrag, der Arbeitszeiten und Gehälter verbindlich regelt. Das haben Gewerkschaften bei großen deutschen Unternehmen durchgesetzt. Warum sollte das in einem amerikanischen Unternehmen, das in Deutschland tätig ist, nicht auch möglich sein?

Wollen Sie den Kampf der kleinen Stiche fortsetzen?

Die kleinen Stiche werden schmerzhafter. Waren anfangs nur Leipzig und Bad Hersfeld im Streik, beteiligen sich jetzt sechs der acht Amazon-Standorte. Und wir hören erst auf zu streiken, wenn es einen Tarifvertrag gibt. Auch wenn das Jahre dauert. Im Arbeitskampf mit Amazon hat Verdi den längeren Atem.

Interview: Andreas Dunte

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2015

Andreas Dunte

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