Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
VW: Zulieferer-Streit wird zur immer größeren Belastungsprobe

Auto VW: Zulieferer-Streit wird zur immer größeren Belastungsprobe

Der Konflikt mit zwei Zulieferern hält Volkswagen in Atem. Andere Lieferanten könnten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch mit einem anderen Hersteller hat die Zulieferer-Gruppe Streit.

Voriger Artikel
Protest gegen Milchpreisdumping - Aldi-Lager blockiert
Nächster Artikel
Einkaufen per Smartphone wird immer beliebter

Ein Mitarbeiter zeigt in Wolfsburg ein Volkswagen-Logo.

Quelle: Foto: Julian Stratenschulte

Wolfsburg/Schönheide. Der beispiellose Konflikt von Volkswagen mit zwei wichtigen Zulieferern erreicht immer neue Dimensionen. Bei VW stehen angesichts eines Lieferstopps viele Bänder still, bislang sind 28 000 VW-Mitarbeiter betroffen.

Die Zulieferer-Branche befürchtet Auswirkungen auch auf andere Lieferanten. Die Bundesregierung mahnte eine Lösung an. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mühten sich der Autobauer und die Lieferanten am Montag um eine gütliche Einigung. Ergebnisse gab es am frühen Abend zunächst nicht. Die Zulieferer ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören, beliefern VW derzeit nicht mit benötigten Getriebeteilen und Sitzbezügen. Zwischen den Firmen und VW tobt ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Die Hintergründe sind unklar.

Der Lieferstopp wirbelt große Teile der Produktion bei VW empfindlich durcheinander. Allen voran steht die Golf-Produktion im Stammwerk Wolfsburg still. Wie der Autobauer am Montag mitteilte, könnten insgesamt 27 700 Mitarbeiter in den Werken Wolfsburg, Emden, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig teils noch bis Ende August nicht so arbeiten, wie es eigentlich geplant sei. Der Autobauer sprach von "Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit".

Nach Branchenangaben stehen hinter der Golf-Produktion rund 500 Lieferanten, die nun zunehmend in Schwierigkeiten geraten. Wegen der Montage-Engpässe bei VW könnten sie ihre Teile nicht ausliefern und müssten Bestände aufbauen. "Die Folgewirkungen für die gesamte Wertschöpfungskette sind schon heute beträchtlich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, Christoph Feldmann, am Montag in Frankfurt.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, sieht die Entwicklung mit Sorge. "Spätestens jetzt, da die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg aussetzt, droht die Situation voll auf die Zuliefererketten durchzuschlagen", warnte Schmidt. Aus dem Feuer dürfe kein Flächenbrand werden. Alle Beteiligten sollten sich deshalb schnellstmöglich um eine Einigung bemühen.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium dringt auf eine rasche Lösung. "Wir gehen davon aus und erwarten auch, dass die beteiligten Unternehmen die ungeklärten Fragen so bald wie möglich lösen können", sagte ein Sprecher in Berlin.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh attackierte die beiden Zulieferer: "Nach unserer Auffassung liegt die Verantwortung eindeutig beim Zulieferer. Oder glauben Sie, wir als Betriebsrat fragen nicht, wessen Schuld es ist, dass unsere Kollegen zu Hause bleiben müssen", sagte Osterloh der "Bild"-Zeitung (Montag).

Die beteiligten Zulieferer dagegen argumentieren, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, da der Autobauer "frist- und grundlos" Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf für die Zukunft der eigenen Mitarbeiter.

Bei der Firma ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge ist für diesen Dienstag eine Betriebsversammlung geplant, wie die dpa erfuhr. Daraus erhofften sich die Arbeitnehmervertreter Antworten auf die vielen Fragen zur Zukunft des Zulieferers.

Volkswagen setzt auf eine gütliche Einigung, hat aber bereits angekündigt, notfalls alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Das Landgericht Braunschweig hatte einstweilige Verfügungen erlassen, welche die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten. VW könnte aber frühestens Ende dieser Woche seine Ansprüche per Gerichtsvollzieher durchsetzen und die Teile holen lassen.

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin prüft nach dem Produktionsstopp bei VW, ob der Konzern die Öffentlichkeit früher über die Probleme hätte informieren müssen. "Wir werden uns das Ganze anschauen", sagte eine Behördensprecherin. Die Bafin werde prüfen, ob es sich bei dem Streit mit Zulieferern und dem folgenden Produktionsstopp um eine Insiderinformation gehandelt habe, die Volkswagen hätte veröffentlichen müssen. Ein VW-Sprecher teilte schriftlich mit: "Wir sind der Auffassung, unsere kapitalmarktrechtlichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllt zu haben."

Unterdessen streitet neben Volkswagen auch Daimler mit der Zulieferer-Gruppe Prevent vor Gericht. Vor dem Landgericht Braunschweig wolle der Lieferant 40 Millionen Euro Schadenersatz erstreiten, sagte ein Sprecher des Gerichts. Prevent sehe demnach Verträge von Daimler als nicht erfüllt und nicht wirksam beendet an. Am 8. November werde zunächst die Frage geklärt, welche Kammer überhaupt für das Verfahren zuständig ist. Nachdem die Klage beim Landgericht Braunschweig zunächst von der Handels- zur Zivilkammer weitegereicht wurde, sieht das Gericht nun die Zuständigkeit eigentlich in Stuttgart (Az.: 9 O 2142/15). "Bild am Sonntag" und "Süddeutsche Zeitung" hatten zuvor über den Rechtsstreit berichtet.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Aktien Tops & Flops

THYSSENKRUPP 23,50 +6,55%
CONTINENTAL 178,76 +4,00%
VOLKSWAGEN VZ 126,02 +3,68%
RWE ST 11,69 -2,50%
FMC 73,96 -1,25%
MERCK 92,08 -1,00%

Wertpapiersuche

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 159,95%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 113,23%
Fidelity Funds Glo AF 91,70%
Morgan Stanley Inv AF 91,29%

mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr