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Saunabetreiber kommen ins Schwitzen - Höhere Mehrwertsteuererhöhung ab Juli

Saunabetreiber kommen ins Schwitzen - Höhere Mehrwertsteuererhöhung ab Juli

Wasserdampf hängt in der Luft, Badelatschen klatschen auf die weißen Fliesen. Henry Böhme öffnet eine Tür. Heiße Luft strömt aus dem kleinen, mit Kiefernholz verkleideten Raum.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Böhme macht einen Aufguss und verwedelt die drückende Feuchtigkeit mit einem Handtuch.

Zurück im Ruhebereich seiner Saunalandschaft, die er seit 2002 betreibt, setzt er sich an einen Tisch. Nebenan hocken vier ältere Herrschaften in Frottee gehüllt. „Ich kann einfach nicht verstehen, was das soll“, sagt Böhme und schüttelt mit dem Kopf. „Ich arbeite 15 Stunden am Tag – viel kommt dabei nicht rum. Jetzt will das Finanzamt noch mehr Geld von mir.“

Der Hintergrund: Die seit 1968 geltende Umsatzsteuerermäßigung für Saunabesuche wurde abgeschafft. Ab dem 1. Juli sollen die Betreiber 19 Prozent statt wie bisher 7 Prozent aus dem Saunaeintritt abführen. Die Länderfinanzministerien haben sich dafür entschlossen, da der Saunabesuch vor dem Gesetz nicht als „Heilbad“ durchgeht und nicht im Heilmittelkatalog aufgeführt wird.

Das Schwitzen fällt unter „Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind“ – die volle Mehrwertsteuer wird fällig. Sollte diese Regelung tatsächlich in Kraft treten, entstehen in den Saunen der ganzen Republik erhebliche Mehrkosten, die in der Regel an die Kunden weiter gegeben werden.

„Mir bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als die Preise anzuheben. Ein zwei Stunden Ticket würde dann ab Juli wahrscheinlich nicht mehr 7,50 sondern 8,50 Euro kosten“, sagt Böhme, der nun Angst hat, dass ihm die Gäste bald wegbleiben. „Schon jetzt kommen viele nicht mehr jede Woche, sondern in größeren Abständen, weil sie selber kein Geld in der Tasche haben. Wie soll sich das in der Zukunft entwickeln“, fragt der Saunabetreiber. Zumal die Kosten in der Branche durch den Mindestlohn, die gestiegenen Nebenkosten und die fast jährlichen Einordnungen in höhere Gefahrenklassen durch die Berufsgenossenschaft schon jetzt drastisch gestiegen seien. „Ich bekomme keine 8,50 Euro für meine Arbeit“, sagt Böhme, der seinen Betrieb alleine unterhält, und lacht, obwohl es eigentlich nichts zu lachen gibt.

Der Deutsche Sauna-Bund, der viele Unternehmen vertritt, sagt für die rund 2150 öffentlichen Saunabäder in Deutschland einen Besucherrückgang von zehn Prozent voraus. Der Branche entstünden durch die Gesetzesänderung jährliche Mehrkosten von rund 200 Millionen Euro. Doch noch hofft der Dachverband auf ein Einsehen: „Es ist uns bereits gelungen, den Einführungstermin um ein halbes Jahr auf den Juli zu verschieben“, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Sauna-Bund. Man habe bereits rund 50 000 Unterschriften gegen die Neuregelung gesammelt und hoffe, den Ausschuss für Gesundheit im Bundestag für sich zu gewinnen, um die Einführung doch noch zu kippen. Warum die Sauna auf einmal nichtmehr heilsam sein soll, versteht Henry Böhme auf jeden Fall nicht: „Wir haben hier 80- und 90-Jährige. Die kommen jede Woche und werden nie krank.“

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 9. Januar 2015.

hh

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