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Sachsens Wohnungsgenossenschaften können Leerstand nicht weiter senken

Sachsens Wohnungsgenossenschaften können Leerstand nicht weiter senken

Sachsens Wohnungsgenossenschaften bewirtschaften zwar nur rund 20 Prozent der Mietwohnungen im Freistaat, doch sie sehen sich durchaus als Trendsetter.

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Nur eines von vielen Neubauprojekten Dresdner Wohnungsgenossenschaften: Das von der EWG am Leutewitzer Ring in Gorbitz errichtete neue Gebäude mit vier großzügig geschnittenen Wohnungen. Unten soll Gewerbe einziehen. Auch die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt und Glückauf Süd investieren Millionen in neue Wohnhäuser, für die es bereits vor dem Bau Interessenten gab.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden/Leipzig. Zumindest wenn es um Konzepte fürs künftige Wohnen geht, um autarke Energieversorgung, altengerechtes Bauen und medizinische Betreuung.

Noch im November schlug Axel Viehweger Alarm: Wohnen in Sachsen werde unbezahlbar, weil Energie- und Baukosten die Kaltmieten für Neubauten auf über 10 Euro trieben. Das werde "Bauen für Reiche" und gehe am sozialen Gedanken zielsicher vorbei, erklärte der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) gegenüber DNN.

Die Warnung war sicher nicht übertrieben, doch trotz der neuen Bundesregeln für teures energieeffizientes Bauen und trotz vieler leerstehender Wohnungen vor allem in kleineren und mittleren Städten (siehe Tabelle), fährt das Neubaugeschehen in Sachsen gerade so richtig hoch. Von 31 Millionen Euro im Vorjahr auf 68 Millionen in diesem Jahr steigen hier die Investitionen allein der sächsischen Genossenschaften.

Städte mit Imageproblemen

Beim Blick auf eine anrollende neue Leerstandswelle erscheint das fragwürdig. Doch Neubauten, so der VSWG-Chef, entstünden dort, wo es Bedarf gibt. Leerstand hingegen sei ein untrügliches Zeichen für die Probleme vieler kleinerer Städte, Bewohner zu halten oder anzulocken. "Nehmen sie Bautzen", sagte Viehweger gestern in Dresden, "das hat erfolgreich an seinem Image gearbeitet und den Einwohnerschwund gestoppt". Anders als Görlitz, das auf Erfordernisse an eine moderne Infrastruktur unflexibel reagiere und zum Beispiel in der Innenstadt nicht genug Parkflächen anbiete. Für Görlitz, den Erzgebirgskreis und das Vogtland erwartet Viehweger steigende Zahlen.

Den Trend bestätigt auch der Verband der sächsischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw): "Am stärksten von Leerstand betroffen sind die ländlichen Gebiete, die sich nicht im Einzugsbereich einer Großstadt befinden. In den Großstädten selbst hingegen sind die Leerstandszahlen rückläufig, besonders in Dresden und Leipzig beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Wohnungen. Insbesondere junge Menschen zieht es verstärkt in die Städte und stadtnahen Gebiete", sagt vdw-Vorstandsmitglied Peter Stimpel den DNN.

Insgesamt hatten Ende 2013 gut 22 000 Genossenschaftswohnungen keinen Mieter. Das entspricht wie im Jahr davor einer Leerstandsquote von 7,9 Prozent. Bis auf 1800 dieser Wohnungen seien alle modernisiert oder teilweise modernisiert und hätten einen "zeitgemäßen Wohnkomfort".

Die 280 330 Wohnungen im Bestand der 222 sächsischen Genossenschaften sind zu rund zwei Dritteln Plattenbauten. 173 zählen zu den historischen Altbauten, die vor 1870 entstanden sind, rund 4000 wurden in der zeit von 1870 bis 1919 gebaut.

450 Millionen Euro DDR-Schulden

Für das vergangene Jahr wiesen die Genossenschaften Umsatzerlöse von 1,2 Milliarden Euro aus. "Die meisten der 222 Genossenschaften sind schuldenfrei", sagte Viehweger, ließ aber nicht unerwähnt, dass 72 der Verbandsmitglieder noch an insgesamt 450 Millionen Euro Altschulden aus DDR-Zeiten zu knabbern haben. Hintergrund: Die Wohnungsbranche war - anders als andere Branchen - nach der Wiedervereinigung nicht komplett entschuldet worden, weil der Bund der Ansicht war, die Mieten würden das Geld schon einspielen. Zwar ging die Rechnung nicht auf und Härtefallregeln mussten diverse Gesellschaften vor der Pleite bewahren, doch ganz aus den Büchern verschwanden die Schulden eben nicht.

Dass der Verband überwiegende Plattenbauwohnungen verwaltet, sieht Viehweger keineswegs als Nachteil. Viele Menschen lebten gern dort, wollten die Wohnung nicht verlassen und dort auch gern ihren Lebensabend verbringen. Doch "Altwerden in den eigenen vier Wänden" erfordere Investitionen sowohl in Neubauten, als auch in den Umbau bestehender Wohnungen, so der VSWG-Chef.

Umbau geht auch Kassen an

Stichworte seien da nicht nur Barrierefreiheit, sondern auch die Entwicklung neuer Assistenzsysteme und Dienstleistungen. Hier habe der sächsische Verband als einer von wenigen bundesweit Erfahrungen gesammelt. Allerdings hinke die Politik den Erfordernissen klar hinterher. Zwar ist klar, dass allein im Freistaat im Jahr 2030 etwa ein Drittel der Sachsen zur Generation 65+ gehören, unklar aber ist, wo die dann nötigen 144 000 barrierearmen Wohnungen herkommen sollen. "Wenn Menschen bis zur Pflegestufe 3 in ihren Wohnungen bleiben und betreut werden wollen, müssen auch die Krankenkassen über Zuschüsse für einen entsprechenden Wohnungsumbau nachdenken", forderte Viehweger.

Er forderte zudem ein Umdenken bei Bund, Ländern und Gemeinden. Quartiere müssten viel langfristiger geplant werden - gerade in Gegenden, in denen Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten Mangelware sind. Und mit Blick auf explodierende Kosten für Energie, Müll, Wasser und Wärme plädiert er für "Nahwärmenetze", die den Mietern - abgekoppelt von den großen Lieferanten - Energie vor Ort zur Verfügung stellen sollen. Der VSWG habe da "technische Piloten am Start" und die Finanzierung in Arbeit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2014

Barbara Stock

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