Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ost-Sparkassen-Präsident Michael Ermrich über mickrige Renditen und hohe Dispozinsen

Ost-Sparkassen-Präsident Michael Ermrich über mickrige Renditen und hohe Dispozinsen

Die anhaltenden Niedrigzinsen lassen das Geschäft mit Immobilienkrediten sprießen. Geld anlegen lohnt sich dagegen kaum noch. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Michael Ermrich, macht Sparern trotzdem Mut.

Voriger Artikel
Hitze sorgt für Einbußen: Bauern bangen um Mais auf den Feldern
Nächster Artikel
Kurze Röcke und Tipps zur Aussprache: So sexy wirbt Rotkäppchen in Kanada

Michael Ermrich (62) spricht sich gegen eine staatliche Deckelung der Dispozinsen aus.

Quelle: OSV

Überhaupt nichts zu sparen, wäre keine sinnvolle Alternative, sagte der 62-Jährige im Interview. Der gebürtige Halberstädter und Ex-Landrat des Harzkreises steht seit 2013 an der Spitze des Verbandes. Zugleich verteidigte Ermrich die hohen Überziehungszinsen. "Wer ständig vom Dispo lebt, kann zum Fall für die Schuldnerberatung werden."

Sind die braven Sparkassensparer angesichts der mickrigen Zinsen, die sie auf ihre Guthaben derzeit bekommen, nicht die Dummen?

Nein, auf keinen Fall, denn Sparen bedeutet auch, für die Zukunft vorzusorgen. Auch wenn es in der jetzigen Niedrigzinsphase schwierig sein mag, das Sparen bleibt richtig und notwendig.

Dabei kann sich jeder selbst ausrechnen, wie viel von seinen Ersparnissen durch die viel höhere Teuerung aufgefressen wird.

Es wird auch wieder bessere Zeiten geben. Ich kann die Sparer nur ermutigen, in längeren Zeiträumen zu denken. Zudem wäre es keine sinnvolle Alternative, überhaupt nicht zu sparen. Die Frage ist doch auch, wofür spare ich? Für die eigene Altersvorsorge, für den Urlaub, das neue Auto?

Erleben die Sparkassen zurzeit einen Boom bei den Immobilienkrediten?

In der Tat nutzen viele unserer Kunden, die es sich vom Einkommen her leisten können, Immobilienkredite für die eigene Wohnung, das eigene Haus. Allein im ersten Halbjahr haben unsere 45 OSV-Sparkassen dafür Kredite in Höhe von 1,7 Milliarden Euro ausgereicht, Tendenz weiter steigend.

Zu welchen Anlagen raten Sie Sparkassenkunden im Osten?

Zu einer gesunden Mischung, zur Streuung des Kapitals, etwa in Sparbriefen, Anleihen und Aktien- bzw. Rentenfonds. Wichtig ist, dass man sich persönlich beraten lässt und eine individuelle Anlagestrategie findet. Einer 70-jährigen Rentnerin hochriskante Aktien anzubieten, ist ganz sicher nicht sinnvoll. Bei einem 30-jährigen gut verdienendem Mann kann das anders aussehen. Es gilt der Grundsatz: hohe Rendite, hohes Risiko.

Wo legen Ihre Sparkassen das Geld ihrer Sparer an, wo doch alle nach Rendite- objekten suchen?

Die Situation ist nicht einfacher geworden. Unser Ziel ist nach wie vor, Kredite an die öffentliche Hand, an Gewerbetreibende und Privatkunden zu vergeben. Wir haben die Besonderheit in den neuen Ländern, dass unsere Kunden relativ viel Geld anlegen, aber nur wenig Kredite aufnehmen. Das ist in anderen Regionen Deutschlands anders.

Was halten Sie von den Plänen Sigmar Gabriels, der einen Infrastrukturfonds schaffen will, an dem sich Geldhäuser, Versicherungen und Pensionskassen beteiligen können? Mit dem Geld könnte der Staat etwa Straßen bauen und er garantierte den Geldgebern die Rendite.

Der Vorschlag klingt auf den ersten Blick charmant. Ich habe dennoch Fragen: Handelt es sich bei einem solchen Fonds um einen Schattenhaushalt, mit dem die Schuldenbremse umgangen werden könnte? Kann der Bund eine höhere Rendite garantieren, als sie derzeit auf dem Markt üblich ist? Und zieht ein solches Fondsmodell nicht geradezu Banken an, die derzeit von der lockeren Zinspolitik der EZB profitieren?

Der EZB-Leitzins, zu dem sich Geldhäuser Geld leihen können, liegt bei traumhaft niedrigen 0,05 Prozent. Warum schröpfen die Sparkassen ihre Kunden immer noch mit Dispozinsen von zehn Prozent oder gar noch mehr?

So ist es nicht. Der Dispozins ist ganz und gar nicht die Haupteinnahmequelle der Sparkassen, er macht höchstens zwei Prozent der Erträge aus. Er spielt keine große Rolle. Verbraucherschützer kritisieren uns wegen des Dispozinssatzes. Richtig ist, dass wir Kunden, die sich permanent im Dispozins bewegen, beraten und auf andere, günstigere Möglichkeiten hinweisen. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir das Geld unserer Kunden verantwortungsvoll verwalten müssen. Wer ständig vom Dispo lebt, weil er unentwegt einkauft, mehr als er sich leisten kann, der kann zum Fall für die Schuldnerberatung werden.

Was haben Sie gegen eine gesetzliche Deckelung des Dispozinses?

Wir brauchen keine gesetzliche Deckelung, weil Banken und Sparkassen ohnehin im Wettbewerb stehen. Wie hoch sollte die Deckelung denn sein? Auf diese Frage hat mir noch kein Verbraucherschützer eine überzeugende Antwort gegeben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.08.2015

Reinhard Zweigler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Aktien Tops & Flops

BASF 94,83 +2,70%
CONTINENTAL 216,76 +1,37%
VOLKSWAGEN VZ 169,40 +1,15%
FRESENIUS... 60,85 -1,26%
BAYER 107,63 -0,74%
BEIERSDORF 97,00 -0,50%

Wertpapiersuche

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 235,73%
Commodity Capital AF 186,34%
Allianz Global Inv AF 120,13%
Polar Capital Fund AF 103,26%
Apus Capital Reval AF 102,10%

mehr

  • Digital Abo

    "DNN Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, das Sie überall und rund um die Uhr nutzen können -... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr