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Noch-Wirtschaftsminister Morlok: "Sachsens Wirtschaft wird immer wettbewerbsfähiger"

Noch-Wirtschaftsminister Morlok: "Sachsens Wirtschaft wird immer wettbewerbsfähiger"

Die sächsische Wirtschaft wird in diesem Jahr stärker wachsen als die der Bundesrepublik. "Ich rechne mit einer Zunahme des Bruttoinlandprodukts zwischen 1,5 und 2,0 Prozent", sagte Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP).

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Widerspricht Ifo-Chef Werner Sinn: Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Deutschlandweit werde dagegen nur ein Plus von 1,2 bis 1,4 Prozent erwartet. "Der Aufholprozess bei uns im Freistaat geht also weiter", sagte der in gut zwei Wochen aus dem Amt scheidende Minister, der sich auch auf Nachfrage nicht zu seiner beruflichen Zukunft äußern wollte.

Morlok bezog sich in seiner Prognose auch auf die Zahlen des ersten Halbjahres. Da kam Sachsen auf ein Wachstum von 2,9 Prozent, also 1,2 Punkte mehr als die gesamte Bundesrepublik. Das war hinter Schleswig-Holstein (plus 3,0 Prozent) die zweitgrößte Steigerung überhaupt. Der FDP-Politiker zeigte sich nicht davon überrascht, dass diese hohe Quote im Jahresverlauf abflauen werde. "In den ersten sechs Monaten gab es Ausreißer nach oben, etwa durch Aufträge nach dem Hochwasser des Vorjahres." Aber die sächsische Wirtschaft sei auf stabilem Kurs. In der Baubranche gebe es eine "fundamental hohe Nachfrage". Auch die Exporte hätten sich gut entwickelt. Im ersten Halbjahr sei ein Ausfuhrplus von 11,1 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro verbucht worden. "Das zeigt, dass unsere Wirtschaft auch international immer wettbewerbsfähiger wird", meinte der FDP-Politiker.

Das liege nicht unmaßgeblich an der erstarkten Autoindustrie im Lande. "Bei ihr läuft es richtig rund." Morlok widersprach mit diesen Argumenten Hans-Werner Sinn, dem Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Der Professor hatte im Interview mit dieser Zeitung davon gesprochen, dass es in Ostdeutschland "Industriewüsten statt blühender Landschaften" gebe. 25 Jahre nach dem Mauerfall sei der Abstand zwischen Ost und West "nicht geringer geworden", hatte der Experte betont.

Morlok konterte, wenn Sinn durch Sachsen reise, "wird er Industriewüsten nicht finden, denn bei uns gibt es sie definitiv nicht". Die positiven Wachstumszahlen Sachsens seien umso bemerkenswerter, da die Transferzahlungen an das Land aus dem Solidarpakt jedes Jahr um gut 200 Millionen Euro sinken. Allein die zurückgehenden Mittel aus dem Solidarpakt machten eine Größenordnung von jährlich rund 200 Millionen aus. Ohne diese Reduzierung wäre Sachsen im vorigen Jahr laut Ifo-Berechnungen statt um 0,3 Prozent um 1,7 Prozent gewachsen. "Anders ausgedrückt: Sachsens Wirtschaft ist heute so stark, dass wir trotz des Transferrückganges zumindest auf bundesdeutschen Niveau zulegen. Das ist eine tolle Sache."

Das gelte auch für den Arbeitsmarkt. Die Erwerbslosenquote liege bei 8,2 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Vor fünf Jahren habe die Quote noch bei 12,1 Prozent gelegen. "Hier ist richtig was passiert." Sachsen habe einen dynamischen ersten Arbeitsmarkt. Das bundesweite Ost-West- sei durch ein Nord-Süd-Gefälle abgelöst worden.

Den Minister hat auch Sinns Aussage geärgert, wonach insbesondere die jungen Menschen abwanderten. Das sei teilweise richtig, so der Minister. Natürlich wanderten junge Menschen ab, weil sie mobil seien. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir in Sachsen mehr Zu- als Abwanderungen haben." Es sei "nicht seriös", dass der Ifo-Chef dieses unterschlagen habe. Morlok verwies darauf, dass es 2013 quer durch alle Altersgruppen bis 75 Jahre einen positiven Wanderungssaldo gegeben habe. Auch die Hälfte derjenigen, die ihr Studium in Sachsen beendet hätten, bleibe hier. "Das ist ein hoher Klebeeffekt und eine tolle Quote." Sinn sei auf dem Holzweg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.10.2014

Ulrich Milde und Ulrich Langer

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