Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Neues Spitzenduo Pötsch/Müller soll VW aus der Krise führen

Auto Neues Spitzenduo Pötsch/Müller soll VW aus der Krise führen

Hans Dieter Pötsch ist oberster Kontrolleur des tief in der Krise steckenden Autoriesen VW. Zusammen mit dem neuen Vorstandschef Müller soll ihm die Trendwende gelingen. VW legt der Bundesregierung indes einen Plan vor, wie der Abgas-Skandal bewältigt werden soll.

Voriger Artikel
Dax kurz über 10 000 Punkte
Nächster Artikel
Medien: Garantiezins für Lebensversicherungen wird abgeschafft

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Hans Dieter Pötsch, während einer Pressekonferenz im Volkswagen-Werk in Wolfsburg.

Quelle: Julian Stratenschulte

Wolfsburg. Ein neues Führungsduo soll Europas größten Autobauer Volkswagen aus seiner bislang schwersten Krise steuern. Der 20-köpfige Aufsichtsrat wählte den Österreicher Hans Dieter Pötsch in Wolfsburg zu seinem neuen Vorsitzenden.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Gremium den früheren Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef berufen. Der Autobauer legte indes dem Kraftfahrt-Bundesamt fristgerecht einen Zeit- und Maßnahmenplan vor, wie der Konzern den weltweiten Skandal um manipulierte Abgas-Werte bei Diesel-Fahrzeugen bewältigen will.

Pötsch löst den übergangsweise amtierenden Berthold Huber ab. Der frühere IG-Metall-Chef hatte den Posten im Frühjahr von Ferdinand Piëch übernommen. Der VW-Patriarch war damals nach einem verlorenen Machtpoker mit Winterkorn zurückgetreten.

"Es ist mir ein persönliches Anliegen, alles zu tun, damit die Vorgänge restlos ausgeklärt werden", sagte Pötsch nach der Sitzung in Wolfsburg. Er sei sich der besonderen Verantwortung dabei bewusst.

Die Bundesregierung bestätigte indes die fristgerechte Vorlage des bei VW angeforderten Zeit- und Maßnahmenplans zur Aufarbeitung des Skandals. In dem Schreiben werde von einer Rückrufaktion gesprochen, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Abend.

VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen 2-Liter-Autos eine Software-Lösung, bei den 1,6-Liter-Motoren sei "mit großer Sicherheit" zusätzlich eine motortechnischqe Anpassung nötig. Das Kraftfahrt-Bundesamt benötige nun einige Tage Zeit, um die Pläne zu prüfen. Es werde dann "eine unabhängige Entscheidung über die von Volkswagen umzusetzenden Maßnahmen treffen und diese gegenüber Volkswagen anordnen".

Zuvor hatte der neue VW-Chef Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) gesagt, der Rückruf der betroffenen Fahrzeuge solle im Januar starten und bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Dazu wollte sich der Ministeriumssprecher nicht äußern.

Pötschs bisherigen Posten als VW-Finanzchef übernimmt - ebenfalls wie erwartet - ab sofort der bisherige Vorstandsvorsitzende der VW-Finanztochter, Frank Witter. Der Aufsichtsrat folgte auch bei dieser Personalie den Empfehlungen seines Präsidiums. Huber soll nach dem Gewerkschaftstag der IG Metall vom designierten neuen IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im VW-Aufsichtsrat abgelöst werden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen erfuhr.

Wie zuvor schon der neue VW-Chef Müller bat auch Pötsch bei der Aufklärung der Abgas-Affäre um Geduld: "Mit Mutmaßungen oder vagen vorläufigen Sachständen ist aber niemanden gedient. Deshalb wird es noch einige Zeit dauern, bis gesicherte und belastbare Ergebnisse vorliegen und wir Sie umfassend informieren können."

Vor VW lägen große Herausforderungen, betonte Pötsch. "Wir müssen die aktuelle Krise bewältigen, wir müssen aber auch dafür Sorge tragen, dass sich der Volkswagen-Konzern erfolgreich weiterentwickeln kann, in einer Industrie, die sich fundamental verändert wie nie zuvor."

Volkswagen brauche deshalb Veränderungen bei den Strukturen, bei den Entscheidungsprozessen und in der Zusammenarbeit. "Darin sind sich alle Beteiligten einig. Das gehen wir gemeinsam an, und deshalb kann und wird Volkswagen gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen."

Der Wahl von Pötsch war ein Beschluss des Amtsgerichts Braunschweig vorausgegangen. Am Morgen hatte das Gericht Pötsch per Beschluss - befristet bis zur nächsten, noch nicht terminierten Hauptversammlung - zum Mitglied des Kontrollgremiums ernannt. Dort soll dann, wie bereits von Aktionärsvertretern verlangt, die offizielle Wahl durch die stimmberechtigten Anteilseigner nachgeholt werden.

Die Personalie war im Aufsichtsrat bis zuletzt umstritten. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatte Pötschs nach wie vor ungeklärte Rolle bei den bisherigen Verfehlungen für großen Gesprächsbedarf unter den Mitgliedern gesorgt. Am Ende setzte sich aber die Familie Porsche/Piëch mit ihrer Forderung zugunsten des 64-Jährigen durch.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil verteidigte die Wahl. "Wir sind überzeugt davon, dass Herr Pötsch aufgrund seiner großen Erfahrung und seines strategischen Weitblicks an dieser Stelle der richtige Aufsichtsratsvorsitzende ist", sagte der SPD-Politiker. Entscheidend sei, dass "die Handlungsfähigkeit von Volkswagen" in der Krise gestärkt werde.

Für Pötsch muss auf der Kapitalseite des Aufsichtsrates Julia Kuhn-Piëch ihren Platz räumen. Die Nichte von Ferdinand Piëch war im Mai nach dessen Rücktritt übergangsweise in das Gremium aufgerückt.

"Wir danken Herrn Pötsch sehr, dass er sich in schwierigen Zeiten bereiterklärt hat, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen", sagte Co-Aufsichtsrat und Großaktionär Wolfgang Porsche. Pötsch zeichne sich durch "strategische Weitsicht, tiefe Kenntnisse der Automobilindustrie und große Expertise an den Finanzmärkten" aus.

In den USA wandte sich VW mit Entschuldigungsschreiben an enttäuschte Kunden. "Volkswagen hat Ihr Vertrauen verletzt. Ich kann Ihren Ärger und Frust voll und ganz verstehen und nachvollziehen", heißt es in dem von Volkswagen-US-Chef Michael Horn unterzeichneten Schreiben. Horn muss an diesem Donnerstag in einem Ausschuss des US-Kongresses zu der Affäre Rede und Antwort stehen.

In Deutschland reichte derweil erstmals auch ein VW-Kunde Klage gegen den Konzern ein. Die Besitzerin eines Autos der "Blue Motion"-Reihe wolle den Wagen zurückgeben, weil sie sich in ihrer Erwartung, ökologisch unterwegs zu sein, enttäuscht sehe, betonten ihre Anwälte.

In der vorigen Woche hatte ein Privatanleger aus Baden-Württemberg eine Schadenersatz-Klage eingereicht. Inzwischen sind nach Angaben mehrerer Kanzleien weitere Sammelklagen auf den Weg gebracht worden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Gläserne Manufaktur

Bei VW kommen nach dem angekündigten verschärften Sparkurs wegen des Abgas-Skandals nun erste konkrete Projekte auf den Prüfstand. Nach Ansicht von Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh muss dabei etwa über die Zukunft der VW-Luxuslimousine Phaeton gesprochen werden.

mehr
Mehr aus Wirtschaft

Aktien Tops & Flops

THYSSENKRUPP 23,46 +6,40%
CONTINENTAL 178,65 +3,94%
VOLKSWAGEN VZ 125,81 +3,51%
RWE ST 11,68 -2,57%
FMC 73,92 -1,30%
MERCK 91,96 -1,13%

Wertpapiersuche

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 159,95%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 113,23%
Fidelity Funds Glo AF 91,70%
Morgan Stanley Inv AF 91,29%

mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr