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Lehrlingsmangel in Sachsen: Weniger Lehrstellen und trotzdem nicht alle besetzt

Lehrlingsmangel in Sachsen: Weniger Lehrstellen und trotzdem nicht alle besetzt

Eine geradezu „komfortable Situation“ bescheinigt Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA), Jugendlichen auf Lehrstellensuche in Sachsen.

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Die angehende Kfz-Mechatronikern Jacqueline Fleck (1. Lehrjahr) schraubt in den Lehrwerkstätten der Dresdner Verkehrsbetriebe einem Auspuff.

Quelle: Uwe Hofmann

Derzeit stehen nach Zahlen der BA noch 1.645 Ausbildungsstellen offen. Dem gegenüber stehen 843 Bewerber, die derzeit noch ohne Lehrstelle seien. Das bedeutet rein mathematisch betrachtet, dass auf jeden Suchenden zwei potenzielle Ausbildungsplätze kommen.

Allerdings spielen viele Aspekte bei der Entscheidung eine Rolle, wo ein Jugendlicher sich beruflich ausbilden lassen möchte. Da könne die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Rolle spielen, persönliche Neigungen oder das, was Freunde und Familie über den jeweiligen Beruf oder das Unternehmen sagen, wie Cordt weiß. Entsprechend schwierig ist ihr Vorhaben, die noch nicht an eine Lehrstelle vermittelten Jugendlichen unterzubringen. Bis Ende des Jahres werde man daran mit Hochdruck arbeiten, verspricht die BA-Chefin.

Wenig komfortabel ist die Lage für die Unternehmen. 2005 konnten sie für ihre rund 16.000 Plätze in der betrieblichen Ausbildung unter etwa 54.500 Bewerbern auswählen. Inzwischen hat sich das Bild drastisch gewandelt. Es gab zum Beginn des aktuellen Ausbildungszeitraums 21.711 und damit deutlich weniger Bewerber, die sich eine von 20.858 Lehrstellen, davon 18.922 in Betrieben, aussuchen konnten. Damit ist das Lehrstellenangebot gegenüber dem Vorjahr (22.044) zwar gesunken. Das habe aber fast ausschließlich damit zu tun, dass es weniger Lehrstellen für die Außerbetriebliche Ausbildung gibt, wie Günter Bruntsch, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden sagt. In den Betrieben sei das Angebot unverändert, nur stünden eben immer weniger geeignete Lehrlinge zur Verfügung.

11.534 Ausbildungsverträge haben die zum IHK-Bereich zählenden Unternehmen in diesem Jahr geschlossen, 640 weniger als noch ein Jahr zuvor. Das sei umso bedauerlicher, da wegen der wirtschaftlich guten Lage mehr drin gewesen sei. Auch die Handwerkskammern (HWK) müssen einen Rückgang verzeichnen. 4.467 Ausbildungsverträge wurden bei HWK-Betrieben geschlossen. 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Man müsse neue Wege gehen, fordert daher der Dresdner HWK-Chef Jörg Dittrich. Angriffspunkte sieht er genügend. So sei nur ein Viertel der Auszubildenden in Handwerksberufen weiblich. Die Abbrecherquoten seien mit etwa einem Drittel aller Lehrverträge zu hoch, weshalb er eine bessere Zusammenarbeit von Schule und Unternehmen fordert, um Jugendliche auf das Berufsleben vorzubereiten. Zeichen der Zeit, die man bei der HWK schon längst erkannt habe. So werden derzeit etwa 1000 Jugendliche im Bereich der Dresdner Kammer „für Berufe fit gemacht“, wie Dittrich sagt. Denn darin sind sich alle einig: Zukünftig müssen „leistungsschwächere Bewerber“ viel öfter eine Chance bekommen, wie BA-Chefin Cordt an die Unternehmen appelliert.

Doch auch das Image der Berufe in Industrie, Handwerk und Handel müsse besser werden. „Die Akademisierung der Gesellschaft darf nicht dazu führen, dass der Germanist die Badewanne repariert“, sagt Dittrich. In der Bevölkerung müsse das Bewusstsein geweckt werden, dass man „über die Ausbildung zu solidem Wohlstand kommt“, schlägt IHK-Präsident Bruntsch in die gleiche Kerbe. Auch dafür habe man schon Projekte auf den Weg gebracht. So kooperiert die Dresdner Handwerkskammer mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, um Studienabbrecher für Handwerksberufe zu gewinnen. „Das sind Menschen, die erkennen, dass sie gerne mit ihren Händen an Materialien und weniger theoretisch arbeiten“, sagt Dittrich. Zweite Chancen, neue Wege, zusätzliche Kooperationen – auf Unternehmen kommt viel Arbeit zu, wollen Sie ihre Lehrstellen künftig mit aussichtsreichen Kandidaten besetzen.

Uwe Hofmann

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