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Holzernte: Sachsens Forstleute trotzen matschigen Waldböden

Holzernte: Sachsens Forstleute trotzen matschigen Waldböden

Dresden Mildes Winterwetter und nasse Waldböden treiben den Forstleuten in Mitteldeutschland Sorgenfalten auf die Stirn. Eigentlich müsste die Holzernte auf Hochtouren laufen.

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Bogie-Bänder heißen die kettenähnlichen Radzusätze an diesem Forwarder, die bei der Holzernte den Druck auf den Waldboden vermindern.

Quelle: Andreas Doering

Doch in vielen Revieren ist sie ins Stocken geraten - oder musste ganz abgebrochen werden. "Wegen der Plusgrade und des Regens ist der Boden vielerorts nicht gefroren und stark durchnässt, so dass die Forstmaschinen einsinken", sagt Horst Sproßmann von der Landesanstalt Thüringenforst. Unter diesen Bedingungen sei es jenseits der Kammlagen des Thüringer Waldes momentan schwierig, gefällte Bäume aus dem Wald zu holen, wie es die Forstleute eigentlich müssten. Dabei ist der Winter die Haupterntezeit für Holz. Laut Sproßmann beträgt der Rückstand beim Holzeinschlag momentan etwa 10 bis 15 Prozent. Insgesamt will Thüringenforst 1,15 Millionen Festmeter Holz im Staatswald ernten, hinzu kämen etwa noch mal so viel Festmeter im Privat- und Kommunalwald.

In Sachsen gibt es große regionale Unterschiede. "Während in den Mittelgebirgen kaum Einschränkungen bestehen, sind im Tief- und Hügelland die feuchten und frostfreien Böden anfällig gegenüber der Befahrung durch Maschinen", sagt Sebastin Förster vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Etwa zwei Millionen Kubikmeter Holz werden jährlich aus Sachsens Wäldern geholt. In einigen Revieren mussten die Fällungen wegen des matschigen Untergrunds in diesem Jahr allerdings schon abgebrochen werden.

Im Forstbezirk Leipzig geht die Holzernte dank nützlicher Hilfsmittel weiter: Hier werden sogenannte Bogie-Bänder an den Forstmaschinen getestet. "Bei uns ist deren Einsatz seit vorigem Winter schon der Normalfall", sagt Forstbezirksleiter Andreas Padberg. Durch die größere Standfläche der kettenähnlichen Bänder wird der Druck der bis zu 60 Tonnen schweren Ernte- und Rücke­maschinen auf den Waldboden deutlich gesenkt. "Laut Lehrbuch wird Holz nur bei Bodenfrost gerückt, aber aufs Wetter haben wir wenig Einfluss", erklärt der Experte. "Tiefe Gleisbildungen ärgern nicht nur Waldbesucher, sondern gefährden auch die nachhaltige Forstwirtschaft." Die kaum noch befahrbaren Rückegassen seien oft nur unter erheblichem Kosteneinsatz wiederherstellbar. Dagegen sei die Anschaffung eines Bändersatzes für rund 30 000 Euro pro Maschine vergleichsweise günstig. "Unsere Praxistests haben ergeben, dass die Eintiefungen im nassen Waldboden nur zwischen vier und neun Zentimetern liegen", erklärt der Forstexperte. "Ohne diese Hilfsmittel graben sich die Räder zehn mal so tief in den weichen Boden."

Weil die Moorbänder auf alle schweren Forstmaschinen mit Doppelachsen passen, wird ihre Verwendung in Ausschreibungen festgelegt. "Damit vollziehen wir einen vollständigen Doktrin-Wechsel, um den Waldboden zu schonen", erklärt Padberg. Jedes Unternehmen, das in einem der insgesamt 33 000 Hektar großen Wälder zwischen Schkeuditz und Rosswein Holz schlägt, muss vorher die Bänder aufziehen. "Ausnahmen sind nur auf Anweisung des jeweiligen Revierförster möglich", betont der Forstbezirkschef.

Bei dem Praxistest wurden seit 2013 fünf verschiedene Bänder unter widrigsten Flachlandbedingungen getestet. Bewährt hat sich vor allem das Metallband Terra-X mit Spikes, das beim Einsatz in den Rückegassen die wenigsten Spuren hinterließ. "Dieses eindeutige Ergebnis hat uns wirklich überrascht,", bekennt Padberg, der seine Erfahrungen im März an Kollegen in anderen Forstbezirken weitergeben will.

Allerdings haben die Moorbänder auch Nachteile: "Ich brauche mit einem weiteren Kollegen einen halben Tag, um meine Maschine mit vier Bogie-Bändern auszustatten", sagt Forwarder-Fahrer Ignaz Schoklitz von der Forstfirma Mayerhofer. "Und die viereinhalb Tonnen Zusatzgewicht sorgen für erhöhten Treibstoffverbrauch." Zur Querung befestigter Straßen müssen Gummimatten ausgelegt werden, um dauerhafte Schäden durch die Spikes-Ketten zu vermeiden. Andererseits sorge der bewegliche Metallpanzer auch für weniger Reifenschäden beim rauen Forsteinsatz, räumt der Transporterfahrer ein. Anschaffungskosten und Montageaufwand für die Bänder werden den Firmen durch einen Zuschlag von zwei Euro pro Festmeter Holz ausgeglichen.

"Sachsenforst bekennt sich zu einem schonenden Umgang mit unseren Waldböden, auch wenn das zu höheren Kosten bei der Holzernte führt", betont der Unternehmenssprecher Förster. "Die beim Einsatz der Bogie-Bänder entstehenden Verschmutzungen der Waldwege werden nach Abschluss der Arbeiten wieder gereinigt."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2015

Winfried Mahr

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