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Hoffnung in Ostsachsen - Suche nach Kupfer geht weiter

Hoffnung in Ostsachsen - Suche nach Kupfer geht weiter

Weißwasser. Von einem Klondike-Fieber ist dieser Tage in Weißwasser nichts zu spüren. Dennoch verbinden sich mit einem riesigen Bohrgestänge ein paar Kilometer vor der Stadt Hoffnungen.

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Quelle: dpa

Weißwassers parteiloser Oberbürgermeister Torsten Pötzsch schätzt die Erfolgsaussichten der am Freitag begonnenen Probebohrungen nach Kupfererz mit Fifty-Fifty ein. „Wir sind zurückhaltend euphorisch“, beschreibt er die Gefühlslage. Seine Stadt könnte einen Boom vertragen. Die Arbeitslosenquote liegt seit langem bei 15 Prozent. Von vormals 37 000 Einwohnern sind nur 19 000 geblieben. Weißwasser ist ein ostdeutsches Musterbeispiel für den Umbruch nach der Wende.

Die Stadt liegt nicht weit von Polen. Ein polnischer Konzern gilt nun als Hoffnungsträger. Denn mit dem Bergbauriesen KGHM Polska Miedz S.A. ist ein ganz Großer der Branche in die Gegend gekommen, um hier nach Kupfer zu suchen. KGHM ist neuntgrößter Kupferproduzent der Welt, bei Silber steht er auf Platz 2. Der Konzern beschäftigt etwa 30 000 Angestellte und besitzt fast zehn Prozent der Weltreserven an Kupfer. Für die erste Aktivität in Deutschland hat die Tochter KGHM Kupfer AG eine Niederlassung in Weißwasser gegründet. In der ersten Kampagne - so nennt man die Phasen einer Erkundung - erfolgen vier Bohrungen. Die Kosten liegen bei insgesamt 13 Millionen Euro. Bis in 1400 Meter Tiefe will man vorkommen. Jeder Meter kostet allein schon etwa 1000 Euro.

Die Kupfervorkommen in der Lausitz waren schon zu DDR-Zeiten bekannt. Experten gehen davon aus, dass der Osten Deutschlands mit seiner langen Bergbautradition im Erzgebirge zu den am besten erkundeten Regionen der Erde gehört. Ein Abbau war schon vor der Wende vorbereitet worden, scheiterte letztlich aber am Geld. „Man braucht in dieser Branche einen langen Atem“, weiß Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP). Zur ersten Bohrung ist er im traditionellen Bergmannshabit erschienen. Morlok freut sich, dass die sächsischen Bodenschätze wieder Aufmerksamkeit genießen. Für steinreich hält er den Freistaat aber nicht. „Der wahre Reichtum unseres Landes ist das Kapital, das wir in den Köpfen haben. Auf die Bodenschätze sollten wir natürlich nicht verzichten.“

Morlok geht davon aus, dass der Erzgbergbau in Sachsen wieder eine Perspektive hat. Tatsächlich haben sich beim Oberbergamt in Freiberg in den vergangenen Jahren immer wieder Interessenten aus dem In- und Ausland für Erkundungen und „Schürfrechte“ gemeldet. Aktuell sind 15 der sogenannte Bergbauberechtigungen auf Erze und Spate erteilt. Gesucht wird nach Kupfer, Zinn, Wolfram, Molybdän, Nickel, Silber, Lithium und Flussspat. Im erzgebirgischen Niederschlag will ein Unternehmen vielleicht schon ab 2013 Flussspat fördern. Bei anderen Engagements lassen sich Zeiträume schwer bemessen. Bergbau braucht nicht nur finanziell einen langen Atem. Die KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH besitzt bereits eine Genehmigung zur Gewinnung von Kupfer auf einem knapp 22,7 Quadratkilometer großen Feld in Ostsachsen.

Mittlerweile ist der Bergbau auch ein Politikum. Die schwarz-gelbe Koalition hatte unlängst angeregt, auf Förderabgaben für Bodenschätze zu verzichten, um Sachsen als Bergbaustandort zu stärken. Am Freitag hielt Morlok die anderswo übliche Abgabe in Höhe von zehn Prozent vom Marktwert zumindest für „denkbar“. Das sei aber derzeit noch kein Thema. „Entscheidend ist doch, dass wir die Aktivitäten erstmal wieder in der Region haben“, argumentiert der Minister. Man dürfe die Unternehmen nicht gleich mit Abgaben verschrecken. „Bergbau kann nicht wie eine Chipfabrik gefördet werden“, sagt der zuständige Referatsleiter Peter Jantsch. „Vor der Hacke ist es dunkel.“ Kapital für den Bergbau sitze nicht locker. Deshalb müssten Firmen ermutigt werden.

Allerdings ist auch Morlok klar, dass Sachsen mit der Abgabe Millionen verdienen kann. Bislang zahlen nur kleinere Firmen - vor allem aus dem Sektor Steine und Erden - insgesamt zwischen einer und zwei Millionen Euro pro Jahr. Konzerne, die Tagebaue von der Treuhand erwarben, sind von der Abgabe befreit. Das gilt allerdings nicht für Tagebaue, die neu erschlossen werden. Vor kurzem hatte der Grünen-Abgeordnete Johannes Lichdi vorgerechnet, was sich Sachsen bei einem Verzicht auf die Abgabe entgehen ließe. Im geplanten Tagebau Neukieritzsch werden 35 Millionen Tonnen Braunkohle vermutet. Lichdi errechnete allein aus diesem Geschäft mindestens 70 Millionen Euro Abgaben.

Jörg Schurig, dpa

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