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Biete Firma - suche Nachfolger - Meisterbetriebe immer stärker unter Druck

Biete Firma - suche Nachfolger - Meisterbetriebe immer stärker unter Druck

Dresden/Großenhain. Andrew Taupitz verbreitet das gute Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Kein Wunder: mit 35 führt der diplomierte Wirtschaftsingenieur in Großenhain ein florierendes 20-Mann-Unternehmen, das fast zwei Millionen Euro im Jahr umsetzt.

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Bernd Taupitz (65) hat vor fünf Jahren den Sohn seines Cousins ins Boot geholt. Seit Ende 2014 leitet Andrew Taupitz (35) die Großenhainer Taupitz Laser- und Umformtechnik allein. Wichtige Entscheidungen haben sie seit langem gemeinsam getroffen. Nun gilt es für Andrew, das gut 200 Jahre alte Familienerbe fortzuführen.

Quelle: AT

Eins, das seit mehr als 200 Jahren in Familienbesitz ist und ebenso lange Metall bearbeitet: Schon 1807 hatte Vorfahr Johann Karl-Friedrich Taupitz in Walda bei Großenhain eine Schmiede betrieben.

Gekauft hat Andrew die "Taupitz Laser- und Umformtechnik GmbH" Ende vergangenen Jahres von Bernd Taupitz, dem Cousin seines Vaters. Die etwas verzwickten Familienverhältnisse lassen sich prima auf der Website nachlesen, Fakt ist: hier hat eine 1a-Firmenübergabe stattgefunden. Also etwas, was sich Kammern, Wirtschaftsverbände und Ministerium viel, viel öfter wünschen.

Chef-Nachwuchs ist ein rares Gut

Denn die Realität sagt: Unternehmensgründungen oder Firmenübernahmen werden schon rein aus demografischen Gründen schwierig. Vor allem, weil die infrage kommende Altersgruppe der 25- bis 45-Jährigen schrumpft. Das ist schlecht, denn die Zahl der in die Jahre kommenden Firmenlenker wächst. Heißt: Wer nicht rechtzeitig schaut, dass er einen Nachfolger ins Boot holt, geht unter Umständen am Ende leer aus. Denn auch das haben die Forscher der AG Mittelstand erhoben: Immer mehr junge Leute scheuen das Risiko, Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen. Sie lassen sich lieber anstellen. Diese Entwicklung müsste tausenden Firmeninhabern den Schweiß auf die Stirn treiben. Denn im schlimmsten Fall droht ihrem Lebenswerk durch die Schließung ihres Unternehmens ein ungewolltes Ende. Dabei gingen nicht nur wertvolle Jobs verloren. Weil viele Selbstständige nicht in die Rentenkasse einzahlen, sondern bei der Altersvorsorge ganz auf Verkauf setzen, stünden auch sie vor dem Nichts.

Ein erschreckendes Szenario, dem die in Sachsen weit verzweigte Familie Taupitz vorgebeugt hat. Für Andrew war schon als Teenager absehbar, dass er für den Job in der Firma seines kinderlosen Verwandten in Frage kommt. "Ich hab das immer gut gefunden", sagt er. Zielstrebig hat er die richtigen Sachen gelernt, wurde Feinblechner, studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Der kurze Zwischenstopp nach dem Diplom in der Softwarebranche war ein Glücksfall. Nicht nur, dass sich hier neue Kunden generieren ließen, auch der Außenauftritt der Firma profitierte später davon. "Vor zwei Jahren haben wir gemeinsam beschlossen, die Firma, die "Metallbau Bernd Taupitz" hieß, umzubenennen, ein neues Logo zu kreieren, den Webauftritt zu erneuern", erzählt Andrew. Der Senior habe ihn machen lassen, lediglich ein paar inhaltliche Tipps gegeben. "Das hat er alles noch mit bezahlt", sagt der Junior bewegt und erklärt, dass diese Investition vom Gewinn abging. Und der sei für den Kaufpreis entscheidend gewesen. "Bernd hätte ja auch sagen können: 'Das kann der alles später machen'. Wollte er aber so nicht. Und das war toll, denn so waren die Kunden schon lange vor dem Inhaberwechsel mit dem neuen Namen vertraut. Und schon ein bisschen mit mir."

Wichtige Sachen als Duo beschlossen

Auch große Investitionen wie den Kauf einer 750 000 Euro teuren Laserschneidmaschine haben die beiden drei Jahre vor der Übernahme gemeinsam entschieden. "Bernd hat mich mitgenommen zu den verschiedenen Anbietern, ich konnte zuhören und lernen."

Andrew Taupitz weiß, dass es in vielen Fällen anders läuft, deshalb wird er mit dem Loben gar nicht fertig. Da schließt er auch die Unterstützung der Handwerkskammer Dresden mit ein, die bei der Beratung ebenso half wie bei diversen Gutachten. Und die auch den Rat gab, sich bei den Finanzen klar auseinanderzudividieren. "Da haben wir uns behandelt, als würden wir uns nicht kennen", sagt Andrew Taupitz. Bernd habe die komplette Kaufsumme überwiesen bekommen, er selber bediene nun den Kredit. So sei es für alle am besten. "Lassen Sie mal was passieren. Dann steht Bernd ohne was da. So tragen andere das Risiko mit. Und ich habe ein besseres Gefühl."

Andrew Taupitz hofft, mit seinem 20-Mann-Unternehmen weiter zu wachsen. "Wir bedienen viele große Anlagen- und Maschinenbauer in Deutschland. Über deren Exporte sind unsere Produkte in aller Welt vertreten", beschreibt er das Geschäftsfeld der Firma. Die hat ihren Umsatz von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2013 hochgeschraubt auf 1,95 Millionen im vergangenen Jahr. Den will Taupitz auf jeden Fall erstmal halten.

www.nexxt-change.org www.unternehmensnachfolge-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.06.2015

Barbara Stock

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