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Azubis gesucht: Ost-Betriebe setzen auf Spanier und Ungarn

Azubis gesucht: Ost-Betriebe setzen auf Spanier und Ungarn

Gegen Heimweh hilft am besten ein leckeres Essen wie zu Hause. Der aus Spanien stammende 33-jährige Kochlehrling Dario Saviotti bereitet in seiner kleinen Wohnung im brandenburgischen Wittenberge Tortilla zu.

Wittenberge.

Seine ungarische Kollegin Szilvia Szegedi tröstet sich mit einem deftigen Pörkölt - einem Gulasch. Auch ein Treffen mit Freunden kann Trübsal wegwischen, wenn die Sehnsucht nach der Heimat zu groß wird.

Beide Kochlehrlinge suchten Ausbildung, Arbeit und eine berufliche Zukunft: Die brandenburgische Prignitz kann sie gut brauchen, während in ihren Heimatländern die Chancen auf einen Job eher schlecht stehen. "Gezielt werben wir in Spanien um Azubis. Auch aus Ungarn und Kroatien melden sich Bewerber", sagt Sina Richardt von der Industrie- und Handelskammer Potsdam, die das Projekt betreut. Der Grund ist simpel: In weiten Teilen Brandeburgs finden Unternehmen trotz großer Anstrengungen kaum Bewerber.

Vor einem ähnlichen Dilemma stehen Mittelständler auch in Mitteldeutschland. Nachwuchs vor der eigenen Haustür: Fehlanzeige. Südeuropa hingegen klagt über die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Bundesprogramm "MobiPro" unterstützt die Vermittlung. 955 ausländische Lehrlinge sind bereits in Sachsen: Jeder achte kommt aus Spanien. Thüringen will junge Griechen holen - sie sollen vor allem in der Pflege arbeiten. In Sachsen-Anhalt absolvieren 170 ausländische Jugendliche im Rahmen des Programms eine Lehre. In Brandenburg sind es knapp 500. In diesem Jahr kommen 260 neu hinzu.

Lars Meiswinkel, Inhaber der Wittenberger Cateringfirma Lucullus, freut sich über seine "bunte Truppe". "Sie sind fachlich gut. Wir brauchen händeringend Nachwuchs", sagt er. Durch das IHK-Projekt kamen vor gut einem Jahr 30 Spanier nach Brandenburg. Zu ihrem Lehrlingsgeld wird noch ein Taschengeld von etwa 250 Euro beigesteuert. Die Firmen helfen meist bei der Wohnungssuche und Ausstattung.

Gut die Hälfte der im Vorjahr angereisten Spanier blieb. Manche hatten zu großes Heimweh, andere stellten sich den Beruf anders vor. "Koch war nichts für mich", sagt beispielsweise der aus Barcelona stammende Xavier Alegre (27). Er hat nun das erste Lehrjahr als Fachkraft für Schutz und Sicherheit beendet. Zwei Jahre stehen noch vor ihm.

Über die Potsdamer Handwerkskammer konnten sich in einem Praktikum gerade 25 Spanier und mögliche Arbeitgeber beschnuppern. Peter Janeck, Geschäftsführer Elektro-Service Brandenburg, lernte zwei Kandidaten kennen. "Ich denke, wir werden die Lehrverträge unterschreiben", sagt er. Es zeigt sich aber, welche Hürde auf jeden Fall zu nehmen ist: schnell Deutsch zu lernen.

Bei Kochlehrling Dario hapert es noch, bedauert dessen Chef Meiswinkel. In der Küche ist der Spanier dagegen in seinem Element: Gemüse schnibbeln, Soßen zubereiten, aber auch Töpfe schrubben. In der Berufsschule muss er aber auch dem theoretischen Unterricht folgen. Die zierliche Ungarin Szilvia schaut meist deutsches Fernsehen, um die Sprache zu lernen. Ob sie in der Prignitz bleibt, weiß die junge Frau noch nicht. Ihr Landsmann Tamas Bota, erstes Lehrjahr Restaurantfachkraft, hat feste Pläne: Er sieht sich irgendwo in der Welt als Barmixer hinter dem Tresen.

Dario ist noch unentschieden - wegen des kleinen Sohnes in der Heimat. Aber er hat auch einen persönlichen "Fünf-Jahres-Plan" und hofft auf eine neue Liebe, wie er sagt. In Wittenberge kommt schon öfter sein deutsches Lieblingsgericht auf seinen Tisch: Kartoffelsalat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2015

Gudrun Janicke

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