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Appetithappen gegen den Arbeitsfrust: Gastgewerbe reagiert auf Personalnot

Appetithappen gegen den Arbeitsfrust: Gastgewerbe reagiert auf Personalnot

Größer könnte der Widerspruch kaum sein. Sachsens Tourismusbranche hat 2014 mit 7,4 Millionen Gästen den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erzielt. Andererseits aber bleibt mittlerweile mehr als jede zweite Stelle im Gastgewerbe unbesetzt.

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Julia Schrimpf aus dem Restaurant Wasserfall in Leipzig: Wenn das Personal motiviert ist, überträgt sich das auch auf die Gäste.

Quelle: Andre Kempner

Die Arbeitskräfte- und erst recht die Fachkräftesituation ist alles andere als rosig.

Dazu kommt, dass Mindestlohn und Mindestarbeitszeit für viele Betriebe weitere Belastungen bedeuten. Und das immer noch schlechte Image der Branche, wie Andreas Lämmel, Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen, gestern in Chemnitz freimütig einräumte. "Das resultiert noch aus der Zeit, in der es so viele Lehrlinge gab, dass man sie als billige Arbeitskräfte einsetzen konnte. Die ist nun aufgrund des demografischen Wandels aber endgültig vorbei." Die mangelnde Anzahl an Bewerbern, aber auch deren oftmals fehlende Qualifikation, treibt den Betrieben, von denen 80 Prozent Kleinunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern sind, mittlerweile den Schweiß auf die Stirn.

287 Betriebe in Service-Initiative

Vor diesem Hintergrund haben Touristiker und Gastronomen nun eine neue Stellschraube entdeckt: das Betriebsklima. "Der Schlüssel zum begeisterten Gast ist ein begeisterter Mitarbeiter", ist sich Lämmel sicher. Schließlich sei die Servicequalität der Betriebe - in Sachsen arbeiten rund 200 000 Menschen im Tourismus - nachhaltig abhängig von deren Leistung und Motivation. "Werden dabei Abstriche gemacht, spürt das auch der Kunde." Mittlerweile haben sich 287 Betriebe im Freistaat einer Initiative ServiceQualität Deutschland angeschlossen, die genau das erreichen will.

"Wenn man Mitarbeiter befragt, dann ist das für sie ein ganz entscheidendes Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl", weiß Jens Ellinger, Besitzer des Ferienparks Oberwiesenthal. Er nimmt sich deshalb nicht nur Zeit für Mitarbeitergespräche, sondern fährt mit ihnen auch schon einmal in die Münchner Allianz Arena, um zu zeigen, wie ein Catering funktioniert, das in drei Stunden 60 000 Fans zufrieden stellen muss. Resultat: Aus den 16 Mitarbeitern, mit denen Ellinger 2007 begann, sind mittlerweile 35 geworden. Die Devise "Qualität schlägt Preis" zahlt sich offenbar aus. Wenn das Klima stimmt, hat er erfahren, blieben nach der Lehre auch gute Fachkräfte. Mehr noch: Bei Ellinger bewerben sich auch unzufriedene Mitarbeiter aus anderen Betrieben.

Zweifel an besserer Bezahlung

Der Ferienpark Oberwiesenthal ist zum Glück kein Einzelfall. So belohnt der Berggasthof Beckenbergbaude in Eibau fleißige Mitarbeiter mit Gutscheinen bei der Konkurrenz, damit sie sich an einem schönen Abend auch das ein oder andere abschauen können. Inhaber André Meyer: "Und das Beste: Es macht allen Spaß." Die Mannschaft des Hotelrestaurants Goldenes Fass in Meißen wiederum besucht ihre Partnerbetriebe, um zu sehen, wo die zu verarbeitenden Lebensmittel herkommen.

Wäre es aber nicht einfacher, Mitarbeiter einfach besser zu bezahlen? "Dann müssten zwangsläufig die Preise weiter steigen", gibt Lämmel zu bedenken. Betriebsklima, persönliche Handlungsspielräume, Weiterqualifizierung und Arbeitszeitgestaltung seien ohnehin oftmals wichtiger als eine höhere Bezahlung, hat Ellinger erfahren.

Wichtig wäre aber wohl auch, dass die Politik richtige Zeichen setzt. Lämmel, selbst CDU-Bundestagsmitglied, kritisiert, dass es bei der Bundesagentur immer noch ganze Abteilungen gibt, die touristisches Fachpersonal für Kreuzfahrtschiffe rekrutieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.04.2015

Roland Herold

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