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Die DNN-Krisenkolumne aus Athen mit Marina Kormbaki

Die DNN-Krisenkolumne aus Athen mit Marina Kormbaki

Staatsbankrott, Regierungslosigkeit, Grexit - an Schauerszenarien herrscht kein Mangel an diesem Dienstagvormittag in Athen. Die Morgenprogramme der Fernsehsender übertreffen einander mit ihren finsteren Prophezeiungen.

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Marina Kormbaki berichtet aus Griechenland.

Quelle: LVZ Archiv

Die oft blonden Moderatorinnen schlagen Alarmtöne an, die oft betagten männlichen Experten im Studio machen die Schuldigen aus: Regierung, Opposition, das Ausland - auch Versagern herrscht demnach wohl kein Mangel. Doch alle Alarmstimmung verfliegt, sobald man auf die Straße tritt.

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Unsicherheit: In Griechenland haben die Banken geschlossen, die Menschen können nur noch Mini-Beträge abheben. Foto:Fotis Plegas G.

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Eine seltsame Stille liegt über dem Stadtzentrum Athens. Am Omonia-Platz, wo üblicherweise das Knattern der Motoren jedes gesprochene Wort schluckt, fließt der Kreisverkehr locker, fast leise dahin. In der Metro findet jeder Fahrgast einen Sitzplatz, so wenig Leute sind unterwegs - dabei ist doch jetzt das Bus- und Bahnfahren für jeden in der Stadt umsonst; eine Maßnahme, mit der die Regierung die Geldnot vieler Griechen lindern will. Erst wenn die Banken wieder regulär öffnen, sollen auch an den Ticketschaltern wieder Leute sitzen. Also nächste Woche, vielleicht.

Die Athener wirken erstaunlich gelassen an diesem Morgen, und Aristoteles Koklas ist da keine Ausnahme. Die Reporterin aus Deutschland betritt seinen Frisörsalon im Innenstadtbezirk Keramikos; für ihn kein Grund, die Schere aus der Hand zu legen. Es gebe doch jetzt nicht viel zu sagen, grummelt der alte Mann, ich solle nächsten Montag wiederkommen, am Tag nach der Volksabstimmung. Also gut, wir wechseln das Thema. Koklas erzählt, wie er vor 50 Jahren aus einem Dort auf der Peloponnes nach Athen kam und seinen Salon eröffnete. Wir arbeiten heraus, dass ein Teil meiner Familie aus seiner Heimatregion stammt, und plötzlich hat Koklas doch sehr viel zu erzählen über den Aufstieg und Fall des EU-Lands Griechenland, über "die goldenen achtziger Jahre" unter Giorgos Papandreoeu und über die "Misere von heute". Er sagt: "Ich kenne die Drachme nur zu gut. Ich will sie nicht wiederhaben."

Vor Koklas' Laden diskutieren lautstark zwei junge Männer, sie sind auf dem Weg zur Uni. "Ne", sagt der eine, "ochi" der andere. Ja oder Nein. Es geht natürlich um die Volksabstimmung am Sonntag zu den Vorschlägen von Athens Geldgebern. "Ein Nein zu den Forderungen würde uns zum Entwicklungsland machen", sagt der eine. "Das sind wir doch längst", sagt der andere. Ihr Disput wird sich wohl noch über Tage hinziehen.

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Unsicherheit: In Griechenland haben die Banken geschlossen, die Menschen können nur noch Mini-Beträge abheben. Foto:Fotis Plegas G.

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Marina Kormbaki

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LVZ-Themenseite "Griechische Woche"

von Marina Kormbaki

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