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CDU-Kandidat Arnold Vaatz auf Wahlkampf-Tour: Besuch beim Mittelständler

CDU-Kandidat Arnold Vaatz auf Wahlkampf-Tour: Besuch beim Mittelständler

Seit 1998 sitzt Arnold Vaatz für die CDU im Deutschen Bundestag. Als direkt gewählter Dresdner Abgeordneter ist die Arbeit im Wahlkreis für ihn von entscheidender Bedeutung.

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Quelle: Stephan Hönigschmid

DNN-Online hat ihn im Wahlkampf bei einem Unternehmensbesuch begleitet.

Der Arbeitstag beginnt für Arnold Vaatz an diesem Mittwoch kurz nach 8.30 Uhr. Ein Mitarbeiter holt ihn in seinem Wohnhaus in Cossebaude ab und fährt ihn zunächst ins CDU-Büro in der Rähnitzgasse. Auf dem Weg dort hin analysiert Vaatz genau seine Wahlplakate am Wegesrand. So registriert er die Stellen, an denen noch welche fehlen, und solche, wo Plakate heruntergerissen worden sind.

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Jedes Detail der Baustelle interessierte den CDU-Politiker.

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Etwa 2000 Plakate und 20 Großflächenplakate hat er im gesamten Wahlkreis aufhängen lassen. Verärgert ist er an diesem Tag, dass bestimmte Aufkleber für die Plakate zu spät eingetroffen sind. Diese sollen mit dem Slogan „Brücken verbinden. Demokratie siegt.“ noch einmal auf seinen Kampf für die Waldschlößchenbrücke hinweisen. Darauf angesprochen sagt er: „Natürlich möchte ich damit werben. Schließlich habe ich 19 Jahre für die Brücke gekämpft.“ Heute seien ja auf einmal alle für das Bauwerk und diejenigen, die sich jahrelang dafür eingesetzt hätten, würden schnell vergessen werden, ärgert sich Vaatz.

Ganz egal, ob man diese Meinung teilt oder nicht, eines ist bereits nach wenigen Minuten klar: Vaatz nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch mit einem Journalisten im Gepäck sagt er gradlinig, was er denkt. An diesem sonnigen Morgen im Spätsommer steht ein Besuch in einem Gartenbauunternehmen in Dresden-Weißig auf dem Programm. Weil er jedoch abends in der Synagoge an einer Diskussionsveranstaltung des Dresdner Ausländerrates gemeinsam mit anderen Bundestagskandidaten teilnimmt, lässt er sich im Büro noch von seinem Mitarbeiter über die Positionen der CDU in puncto Integrationspolitik informieren.

„Die werden dort wieder sagen, dass wir eine ausländerfeindliche Politik machen und gegen Einwanderung hetzen. Das ist zwar Unsinn, aber das sind eben die vorherrschenden Klischees“, sagt der 58-Jährige. Dann muss er auch schon weiter zur geplanten Unternehmensbesichtigung. Diese ist nicht willkürlich gewählt, sondern hat einen bestimmten Grund. Der Bundesverband Dienstleistungswirtschaft hat bei Vaatz angefragt, ob er bei der Aktion „Praxis für Politik“ mitmacht. Der CDU-Fraktionsvize war einverstanden und kreuzte bei den Präferenzen Baumschulen und Garten- und Landschaftsbau an. Auf diese Weise kam er zu der seit 1992 bestehenden Firma Garten- und Landschaftsbau Hansel in Weißig.

Arbeiten muss Vaatz dann aber doch nicht. Gleichwohl betont sein Mitarbeiter, dass er auch schon in Betrieben aktiv im Einsatz war und beispielsweise als Schornsteinfeger oder Fahrer eines Geldtransports gearbeitet habe. Diesmal bleibt es beim Unternehmensbesuch. Obwohl Vaatz stets einen authentischen Eindruck macht, scheint er beim Termin dennoch einen Schalter umzulegen.

Der gerade noch grummelnde Politiker, der bestimmte Umweltverbände für Infrastrukturverhinderer hält und in Rage gerät, wenn er über die kleine Hufeisennase nachdenkt, die den Bau der Waldschlößchenbrücke verzögert hat, ist plötzlich glänzend aufgelegt und scherzt mit Geschäftsführer Manfred Hansel, dass es eigentlich günstiger gewesen wäre, wenn seine Frau den Termin übernommen hätte, weil die sich doch viel besser im Garten auskennt, als er.

Noch mehr in Schwung kommt er, als er kurz nach einem Rundgang durch die Unternehmenszentrale den Garten eines Musterhauses der Firma Hansel in Dresden-Pappritz besichtigt, für dessen Gestaltung sie 2003 einen Preis gewonnen hat. Als Vaatz hört, dass es beim Anlegen des Gartens einen einjährigen Baustopp gab, weil auf der Geländekarte eine angrenzende Magerwiese eingezeichnet war, die aber in Wirklichkeit gar nicht existierte, wird er hellhörig. „Sicherlich haben sie danach das gleiche Projekt eingereicht, wie am Anfang?“, fragt er Manfred Hansel und fügt hinzu „Manches Konzept muss man eben wie Zahnpasta durch die Gehirnwindungen der Beamten drücken“, ist sich Vaatz sicher.

Zwischendurch glänzt er mit einem breiten Fachwissen über die Geschichte des Gartenbaus, vor allem Barockgärten scheinen es ihm angetan zu haben. Doch dann wird es kurz ernst. Anhand einer Trockenmauer erklärt Manfred Hansel, dass seine 30 Mitarbeiter schwere körperliche Arbeit zu leisten hätten und deshalb nur in den seltensten Fällen bis 67 arbeiten könnten. Mit 60 sei spätestens Schluss, betont der Unternehmer. Darauf entgegnet Vaatz: „Auch mit 60 kann man noch einen weniger anstrengenden Anschlussjob finden.“ Er selbst kenne zum Beispiel jemanden, der lange im Bergwerk gearbeitet hat und dann nach der Wende als Gemeindarbeiter auf dem Friedhof tätig war. Man müsse diese Möglichkeiten schaffen, fordert der 58-Jährige.

Später besichtigt der Politiker noch eine Baustelle der Gartenbaufirma auf einem Villengrundstück in Wachwitz. Auf der Fahrt dort hin merkt man deutlich, dass Arnold Vaatz fast jeden Winkel seines Wahlkreises genau kennt. Sei es ein kleines Waldstück im Schönfelder Hochland, wo er einmal Pilze suchen war, oder das Domizil eines bekannten Pferdehofes, dessen Besitzer der Politiker 2002 während der Flut geholfen hat. Überall fallen ihm sofort die Namen der Menschen und ihre Lebensgeschichte ein.

In der Zeit bis zur Bundestagswahl werden an zahlreichen Wahlkampfständen sicherlich weitere Schicksale und Lebenswege hinzukommen, von denen Vaatz erfährt. „Für mich ist das wichtig, um den Puls der Öffentlichkeit zu spüren. Allerdings habe ich auch eine eigene Meinung und verteidige diese auch“, sagt der 58-Jährige, dessen Wahlkampf nach Angaben seines Büros zwischen 20.000 und 40.000 Euro kostet.

Obwohl der Wahlkreis von Arnold Vaatz als sichereres CDU-Terrain gilt, findet er den Vorwurf eines langweiligen Wahlkampfes unangebracht. „Das ist doch kein Fußballspiel, das der Unterhaltung dient“, betont er und ergänzt „Wie in der Vergangenheit erklären wir unsere Positionen und verteidigen sie. Und wenn wir nicht angegriffen werden, gibt es eben keinen Kampf.“

Stephan Hönigschmid

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