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Auf Hausbesuchstour mit der Dresdner SPD-Bundestagskandidatin Ines Vogel

Auf Hausbesuchstour mit der Dresdner SPD-Bundestagskandidatin Ines Vogel

Einen besonders intensiven Kontakt zum Wähler sucht im diesjährigen Bundestagswahlkampf die Dresdner SPD. Gemeinsam mit ihrem Team geht Direktkandidatin Ines Vogel auf Hausbesuchstour.

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Ines Vogel klingelt an einem Hauseingang.

Quelle: Stephan Hönigschmid

DNN-Online war mit dabei, als sie in der Johannstadt unterwegs war.

Treffpunkt ist an diesem Nachmittag die Ecke Pfotenhauer Straße/Neubertstraße. Bevor es jedoch mit dem Gang von Wohnungstür zu Wohnungstür losgehen kann, muss die Aktion genau geplant werden „Wir besprechen zunächst, wer welche Straßenzüge übernimmt“, sagt Ines Vogel. Zudem würden im Vorfeld immer Zweierteams gebildet, die gemeinsam auf Tour gingen. „Die Helfer fühlen sich sicherer, wenn sie nicht allein unterwegs sind“, so Vogel. Sie selbst und einige Stadträte träten aber auch allein vor die Wohnungen.

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Auch Jakob Lehmann (24) hat Freude am Wahlkampf. "Mir gefälllt die Hausbesuchstour, weil es etwas schönes Kleines ist. Man kommt mit den Menschen in der Umgebung in Kontakt, in der sie sich wohl fühlen."

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Ines Vogel hat nach eigenen Angaben an mehr als 1500 Wohnungstüren in ihrem Wahlkreis geklingelt und dabei überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Viele sind überrascht, dass ein Kandidat bei ihnen vorbeischaut und lassen sich gern auf ein kurzes Gespräch ein. Ablehnende Reaktionen gibt es nur selten“, sagt die 32-Jährige. Bei den Besuchen übergeben die Wahlkämpfer jeweils zwei Flyer: einen mit dem Kurzprogramm der SPD und einen, der die Kandidatin Ines Vogel vorstellt.

Trotz der Euphorie, die Ines Vogel und ihren Mitstreiter verbreiten, wird jedoch schnell klar, dass die Hausbesuche eine mühsame Form des Wahlkampfes sind. Als Vogel in der Neubertstraße im ersten Haus zahlreiche Klingeln drückt, meldet sich zunächst niemand. Kurz darauf hat sie zwar Glück und eine Frauenstimme ist über den Lautsprecher der Gegensprechanlage zu hören. Allerdings hat diese kein Interesse. Also heißt es weiterziehen zum Nachbarhaus. Und dort sieht es schon deutlich besser aus. In dem Altbau laufen nicht nur zahlreiche Kinder munter und quietschvergnügt durch das Treppenhaus, auch die Bewohner scheinen sehr aufgeschlossen zu sein.

Der erste, mit dem Ines Vogel ins Gespräch kommt, ist der 34-jährige Christian Korn. „Ich gehe eigentlich immer zur Wahl“, erzählt er und fügt an „Ansonsten halte ich mich aber aus der Politik raus und lasse mich von den Nachrichten berieseln.“ Eingemischt habe er sich nur, als das Thema Hafencity immer weiter hoch kochte. „Ich habe einen Brief an das Bauordnungsamt geschrieben, weil ich besorgt bin, dass es nach dem Bau der Hafencity zu wenig Grünflächen in diesem Bereich gibt“, betont der Maschinenbauer. Obwohl er sich sonst nicht politisch engagiere, halte er die Hausbesuchstour von Ines Vogel für eine gute Idee.

Ein Stockwerk weiter macht die SPD-Politikerin die Bekanntschaft von Johanna Boland. Wie sich herausstellt, ist diese zwar Australierin und kann daher nicht wählen gehen, dennoch möchte Ines Vogel wissen, was sie bewegt. „Kita-Plätze sind ein wichtiges Thema für mich. Ich habe drei Jahre gesucht, bevor ich für mein erstes Kind etwas gefunden habe“ berichtet die 31-Jährige, die demnächst ihr zweites Kind erwartet. Nachdem Ines Vogel auch Johanna Bohland einen Flyer überreicht hat, geht es auch schon weiter.

An der nächsten Tür wird sie ebenfalls freundlich begrüßt. „Die Hausbesuche sind eine gute Sache, weil man sich lokal sonst wenig informiert“, sagt der 34-jährige Stefan Liebernickel. Der Besuch könne einen Anstoß geben, sich im Internet die Positionen der Parteien anzusehen, sagt der Dolmetscher. Ein spezielles Thema, das ihm unter den Nägeln brennt, hat er aber nicht, „Ich bin kein Wutbürger. Ich gehe wählen, damit die Radikalen nicht zulegen können.“

Im nächsten Hauseingang heißt es wieder: Neues Spiel, neues Glück. Zunächst scheint es so, als ob niemand zu einem Gespräch bereit ist, bis sich an der Türsprechanlage die freundliche Stimme eines älteren Herren meldet. Obwohl Ines Vogel eigentlich nicht die Wohnungen der Menschen betritt, bittet der 73-jährige Reiner Pfaff sie, hineinzukommen. Im Wohnzimmer könne man doch viel besser sprechen, als an der Tür, sagt er. Bald darauf entwickelt sich eine muntere Unterhaltung.

Der frühere Konstrukteur berichtet, dass ihm vor allem Dinge wie Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit wichtig seien. „Ich finde es notwenig, dass jeder, der arbeitet, auch von seiner Arbeit leben kann.“ Als jedoch Ines Vogel über den Mindestlohn spricht, den die Partei flächendeckend einführen möchte, äußert er seine Zweifel.

„Ich weiß nicht, ob das funktionieren kann, weil es zwischen den verschiedenen Regionen in Deutschland große wirtschaftliche Unterschiede gibt“, so Pfaff. Seine Probleme hat der Senior zudem mit der Leiharbeit. „Ich finde es nicht gut, wenn Menschen verliehen werden können. Das mündet in modernem Sklavenhandel, weil die Löhne gedrückt werden.“

Obwohl die Leiharbeit unter dem SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführt wurde, stellt Vogel klar, dass die Partei die negativen Auswirkungen bekämpfen werde und dafür eintrete, dass die Leiharbeiter vergleichbar wie die Stammbelegschaft bezahlt werden. Zudem sollen sie sich in Zukunft auch in den Betriebsrat wählen lassen können. Ob Reiner Pfaff am Ende von Ines Vogels Positionen überzeug war, wurde zwar nicht klar. Dennoch hat er sich sichtbar über das nette Gespräch gefreut.

Im Hausflur trifft Vogel zum Abschluss noch ein griechischstämmiges Ehepaar, das die SPD schon deshalb sympathisch findet, weil es Angel Merkel absolut nicht leiden kann. „Merkel muss weg“, sagen die beiden unisono und berichten darüber, wie schlecht es ihren Angehörigen in Griechenlang geht. Allerdings wird Ines Vogel auf die Stimmen des Ehepaares wohl verzichten müssen, weil sie keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Danach hat sie ihr Hausbesuchspensum für diesen Tag geschafft und zieht ein positives Fazit: „Durch die Hausbesuche kann man die Menschen noch besser kennen lernen, als bei herkömmlichen Wahlkampfveranstaltungen“, freut sich die SPD-Kandidatin.

Stephan Hönigschmid

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