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Töten als letzte Option: Was Zoos bei überfüllten Gehegen tun

Tiere Töten als letzte Option: Was Zoos bei überfüllten Gehegen tun

Zoos sollen für gesunde, sich selbst erhaltende Tierbestände sorgen. Zucht kann man allerdings nicht immer beliebig steuern. Wenn es zu viele Tiere gibt, bleibt manchmal nur eine Möglichkeit.

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Im Jahr 2014 war die Entrüstung groß, als Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo getötet und an die Löwen verfüttert wurde.

Quelle: Kasper Palsnov/Archiv

München. In einigen deutschen Zoos werden in Ausnahmefällen gesunde Tiere getötet - etwa bei akutem Platzmangel. Manchmal sei keine artgerechte Haltung möglich und die Tiere könnten nicht an andere Einrichtungen vermittelt werden, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Tiere wie Giraffen oder Affen sind davon in der Regel allerdings nicht betroffen - aber Huf- und Nagetiere. Im Nürnberger Zoo wurden etwa im vergangenen Jahr 27 Tiere aus Gründen des Populationsmanagements getötet und verfüttert. Andere Zoos nennen keine Zahlen. Grundsätzlich gilt das Töten als letzte Möglichkeit.

Im Jahr 2014 war die Entrüstung groß, als Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo getötet und an die Löwen verfüttert wurde. Marius musste sterben, weil es im Giraffengehege zu eng geworden war.

Ziele des Populationsmanagements sind laut Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) "gesunde, sich selbst erhaltende Tierbestände (Populationen), die auch als Reservepopulationen für ihre im Freiland bedrohten Artgenossen dienen können". Auch bei wissenschaftlich organisierten Programmen könne jedoch "nicht immer für jede einzelne Tierart sichergestellt werden, dass die gewollte Anzahl beziehungsweise das gewollte Geschlecht nachgezogener Tiere entsteht", heißt es in Leitlinien des VdZ.

Zucht könne man nicht wie einen Lichtschalter an- und ausschalten, sagte Dag Encke, Direktor des Nürnberger Zoos. In seiner Einrichtung wurden im vergangenen Jahr etwa Huf- und Nagetiere sowie Fische und Vögel getötet und verfüttert. Eine bundesweite Statistik gibt es nicht.

Neben der Verhütung nennt der VdZ unter anderem die Abgabe von Tieren an andere Einrichtungen mit ausgebildetem Personal sowie schmerzfreies Töten als Möglichkeiten der Bestandsbegrenzung. "Überzählige Tiere dürfen getötet werden, wenn nach sorgfältiger Prüfung eine Haltung, die eine angemessene Lebensqualität bietet, nicht gewährleistet werden kann. Die Tötung der Tiere muss angst- und schmerzfrei erfolgen." Encke spricht von der "allerletzten Option".

Sterilisation, Kastration, Hormonspritzen oder die Trennung nach Geschlechtern: Derlei Maßnahmen werden in allen Zoos ergriffen, um Tierbestände zu planen. Im Hamburger Tierpark Hagenbeck werden außerdem Futtertiere - etwa für die Löwen - laut Sprecherin zum Teil lebend gekauft und bei Bedarf von den Tierpflegern getötet.

Der Münchner Tierpark Hellabrunn tötet nach eigenen Angaben aus Gründen des Populationsmanagements keine Tiere. Dort werde so gezüchtet, "dass gesichert ist, dass diese Tiere bei uns weiterhin gehalten werden können oder in einen anderen Zoo abgegeben werden können", sagte Zoodirektor Rasem Baban. Der Zoo Berlin setzt nach eigenr Darstellung auf vorübergehende Separation von geschlechtsreifen Tieren oder auf empfängnisverhütende Medikamente.

Der Tierpark Straubing sieht sich aufgrund seiner Lage im Vorteil. Da Straubing in einer landwirtschaftlich geprägten Region liege, sei die Abgabe von Haustieren wie Rindern, Schafen oder Ziegen an Privathalter "in den vergangenen Jahren relativ unproblematisch" gewesen, sagte Direktor Wolfgang Peter. Aus Platzgründen sei noch kein gesundes Wildtier getötet worden. Dennoch wurden 2015 ein Wisent, eine Zwergziege sowie ein Kamerunschaf aus Gründen des Populationsmanagements geschlachtet und verfüttert. Sie konnten nicht an Privathalter oder andere Zoos abgegeben werden.

Einig sind sich die Einrichtungen darin, dass Tiere wie Affen, Bären, Elefanten oder Meeressäuger nicht getötet werden sollten, solange kein schwerwiegender Grund wie eine Krankheit vorliegt. "Ergibt sich eine Notwendigkeit, Tiere aus diesen Gruppen zu töten, weil keine andere tierschutzgerechte Lösung gefunden werden kann, wird eine Ethikkommission einberufen", sagte Encke. Alle Optionen würden sorgfältig abgewogen.

dpa

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