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Schöne Bescherung in Plauen: Stadt wirft den Weihnachtsmann raus

Schöne Bescherung in Plauen: Stadt wirft den Weihnachtsmann raus

Im Vogtland ist das schier Unmögliche geschehen: Der Weihnachtsmann wurde rausgeworfen. Offiziell heißt es: aus Altersgründen. Der gefeuerte Weihnachtsmann selbst vermutet allerdings ganz andere Motive hinter der Entscheidung.

Plauen/Dresden . Denn sein Stellvertreter im vergangenen Jahr war offenbar angetrunken.

Von Roland Herold

Gerd Köhler (65) gibt seit 18 Jahren in Plauen den Weihnachtsmann. Nun versteht er die Welt nicht mehr. "Peinlich, mies, taktlos" sei die Entscheidung seiner Heimatstadt gewesen, ihn zu entlassen, diktiert er Journalisten in den Block. Im Rathaus habe man ihm nur gesagt, es gehe um einen Generationswechsel und der Weihnachtsmarkt müsse aufgepeppt werden. "Wortwörtlich hieß es: Wir brauchen auf dem Weihnachtsmarkt ein neues Gesicht", erinnert sich Köhler im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung.

Doch ein waschechter Vogtländer verliert auch in solchen Situationen nicht seinen Humor. Was kümmere es die vogtländische Fichte, wenn sich eine Thüringer Wildsau an ihr reibt, lässt Köhler verbreiten. Die Thüringer Wildsau - das ist Baubürgermeister Manfred Eberwein (SPD). Pikanterweise selbst kurz vor dem 65. Geburtstag. Eberwein hatte Köhler schon im Mai einbestellt, um ihm zu erklären, dass er künftig auf die 650-Euro-Pauschale verzichten müsse. Nach Monaten des Schweigens packt Köhler nun aus.

Womöglich aber könnte die Ablösung des Weihnachtsmannes auch noch ganz andere Gründe haben. Im vergangenen Jahr nämlich kam es in der Vorweihnachtszeit zu einem Eklat. Köhler, der hauptberuflich ein Reisebüro betreibt und damals eine Rentner-Gruppe zum Kaffee-Kränzchen fuhr, hatte vorsorglich einen Stellvertreter zum Weihnachtsmarkt geschickt, für den Fall einer Verspätung. Die Qualifikation der zehn Jahre jüngeren Aushilfe für das hehre Amt bestand allerdings offenbar nur darin, dass er - genau wie Köhler - über einen Naturbart verfügte. Als der Stellvertreter dann für die Vorschulgruppe eines Kinderhauses auf die Bühne sollte, taumelte er nur mit äußerster Mühe nach oben und verschenkte danach mit schwerer Zunge Schokoladenweihnachtsmänner. Ein Moment, in dem das Weltbild der Kinder tiefe Risse bekam - und einige Erwachsene lachten. Andere beschwerten sich wutschnaubend im Rathaus. "Möglicherweise habe ich ihn ein wenig überschätzt", sagt Köhler heute über seinen Stellvertreter.

Im Rathaus selbst war man bereits alarmiert. Eine Mitarbeiterin hatte dem denkwürdigen Auftritt beigewohnt und bei dieser Gelegenheit bemerkt, dass der Ersatz-Weihnachtsmann eine heftige Fahne hatte. Sie zog die Reißleine und schickte den Unglücksraben nach Hause. Der machte noch einen letzten Versuch der Rechtfertigung: Heftige Gelenkschmerzen hätten den Einsatz alkoholhaltiger Tropfen unvermeidbar gemacht. Vor Journalisten zog er zum Beweis eine Flasche aus der Tasche. Sie enthielt Augentropfen.

Köhler aber wurde zum Rapport ins Rathaus bestellt und musste schwören, dass so etwas nie wieder vorkomme. "Möglicherweise war das der Grund für meinen späteren Rauswurf", sinniert Köhler heute. Er selbst kennt seine Berufsrisiken nur zu gut. In seiner aktiven Zeit sei er immer wieder zum Punsch eingeladen worden, habe aber stets tapfer und hartnäckig widerstanden.

Nun brennt im Vogtland buchstäblich der Weihnachtsbaum. Trotzdem will sich Köhler nicht mit seiner Stadt streiten. Spitzbübisch sagt er: "Das sollen die Plauener selbst entscheiden." Doch ein tiefer Riss geht durch 66 000 Einwohner der Vogtlandmetropole. Während die einen im Online-Forum der ortsansässigen Freien Presse klagen, die Art und Weise, wie der alte Weihnachtsmann gehen musste, sei nicht schön gewesen, schreibt User anwe46 andererseits despektierlich: "Viele werden froh sein nicht mehr einem mit vielen schmuddligen Nuckeln behängten "Weihnachtsmann" begegnen zu müssen."

Baubürgermeister Eberwein hat so oder so die Bescherung. Die vogtländische Senioren-Union distanziert sich bereits. Ein Stadtrat der Linken hat einen offenen Brief verfasst. Und die Journalisten nerven immer wieder mit ihren Anfragen.

Eberweins Sekretärin lässt am Telefon nach kurzer Rückfrage ausrichten, dass ihr Chef eigentlich gar nicht im Büro sei und dieses am gleichen Tag auch definitiv nicht mehr betreten werde. Auf die Frage, ob er denn kein Handy habe, kontert sie im schönsten Vogtländisch: "Doch scho, aber de Nummer geb' ich net raus!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2012

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