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Pistorius droht in Berufungsverfahren längere Haftstrafe

Justiz Pistorius droht in Berufungsverfahren längere Haftstrafe

Für den früheren Sprint-Star Oscar Pistorius beginnen bange Wochen. Die Staatsanwaltschaft fordert im Berufungsverfahren eine deutlich längere Haftstrafe. Die Richter lassen Kritik am relativ milden Urteil der ersten Instanz erkennen.

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Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der 28-jährige wegen Totschlags zu mindestens 15 Jahren Haft verurteilt werden.

Quelle: Siphiwe Sibeko

Bloemfontein (dpa) - Viermal feuerte der frühere Sprint-Star Oscar Pistorius mit großem Kaliber durch die Toilettentür: Diese tödlichen Schüsse auf seine damalige Freundin könnten dem 28-Jährigen nun eine deutlich längere Haftstrafe einbringen.

Zwei Richter des Berufungsgerichts sagten am Dienstag, bei dem Verfahren in erster Instanz seien wichtige Beweise nicht berücksichtigt worden. Pistorius habe den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen. "Es wäre ein Wunder, wenn jemand die Schüsse in der engen Toilette überlebt hätte", sagte Richter Eric Leach.

Staatsanwalt Gerrie Nel forderte in der Berufungsverhandlung in der südafrikanischen Stadt Bloemfontein eine Verurteilung wegen Totschlags zu mindestens 15 Jahren Haft. Pistorius wurde im vergangenen Jahr nach den Schüssen auf Reeva Steenkamp wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der unterhalb der Knie amputierte frühere Sprinter nahm nicht an der eintägigen Berufungsverhandlung teil.

Die fünf Richter hörten am Dienstag keine neuen Zeugen an. Das Gericht prüft lediglich die Akten der ersten Instanz. Zudem nahmen Staatsanwalt und Verteidigung Stellung und wurden von den Richtern befragt. Ein Urteil wird möglicherweise schon in wenigen Tagen, spätestens aber in den nächsten Wochen erwartet.

Staatsanwalt Nel sagte, im Verfahren der ersten Instanz seien viele Beweise ignoriert worden. Diese aber machten "die Version des Angeklagten unmöglich", betonte Nel. Die Verteidigung wies die Ausführungen der Staatsanwaltschaft zurück. Die Anwälte wollen an der Verurteilung aus erster Instanz festhalten.

Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 in seinem Haus mit vier Schüssen getötet. Vor Gericht sagte er, er habe in der Toilette einen Einbrecher vermutet. Pistorius wurde im vergangenen Monat nach einem Jahr Haft in den Hausarrest entlassen. Nun sitzt er den Rest seiner Strafe unter Auflagen in der Villa seines Onkel Arnold in Pretorias Diplomatenviertel Waterkloof ab.

Reevas Mutter June Steenkamp nahm am Dienstag als Zuschauerin an der Berufungsverhandlung teil. Die Familie Steenkamp hatte die Entlassung von Pistorius in den Hausarrest als verfrüht abgelehnt. Sollte die Staatsanwaltschaft in Bloemfontein Erfolg haben und Pistorius zu einer längeren Haftstrafe verurteilt werden, müsste er wieder in Pretorias Gefängnis Kgosi Mampuru II zurückkehren.

Die Verurteilung zu nur fünf Jahren Haft hat in Südafrika Unmut erregt. Viele Südafrikaner sahen in dem relativ milden Urteil - für manche Raubüberfälle etwa gibt es Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren - eine Vorzugsbehandlung des wohlhabenden weißen Athleten.

Pistorius wurden infolge eines Gendefekts als Kind beide Unterschenkel amputiert. Als Sprinter wurde er jedoch weltweit bekannt, als er mit seinen J-förmigen High-Tech-Prothesen aus elastischem Carbon bei den Paralympics Rekorde brach. 2012 startete Pistorius als erster beinamputierter Sportler bei den Olympischen Spielen. Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 Meter und kam als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er Doppel-Gold.

Der zähe Sportler wurde in Südafrika schnell ein Nationalheld. Seine Beziehung zum aufsteigenden Model Steenkamp sicherte ihm auch regelmäßige Berichterstattung in den örtlichen bunten Blättern. Die tödlichen Schüsse bereiteten seiner Karriere jedoch ein jähes Ende.

dpa

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