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Nach einem Jahr Haft: Pistorius in den Hausarrest entlassen

Prozesse Nach einem Jahr Haft: Pistorius in den Hausarrest entlassen

Mit vier Schüssen hat Oscar Pistorius am Valentinstag 2013 seine Freundin getötet. Jetzt ist der einstige Sportstar in den Hausarrest entlassen worden. Nach einem Jahr Haft. Um allzu großen Medienrummel zu vermeiden, durfte er sogar schon einen Tag früher aus der Zelle.

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Nach einjähriger Haft wird der wegen Totschlags verurteilte Pistorius in den Hausarrest entlassen.

Quelle: Kevin Sutherland

Johannesburg. Einen Tag früher als angekündigt ist der südafrikanische Ex-Sportstar Oscar Pistorius nach knapp einjähriger Haft in den Hausarrest entlassen worden.

"Die Familie ist glücklich, dass Oscar nun zu Hause ist", sagte Sprecherin Anneliese Burgess nach der ersten Nacht des 28-Jährigen im Hause seines wohlhabenden Onkels Arnold.

Im Schutze der Nacht hatte er bereits am Montagabend um 19.30 Uhr von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt das Gefängnis verlassen, wie der Sprecher der Strafvollzugsbehörde, Manelisi Wolela, sagte. Auch die Familie wurde davon überrascht.

Seine Reststrafe verbüßt der unterhalb der Knie amputierte frühere Sprinter nun in der dreistöckigen Villa im Diplomatenviertel der Hauptstadt Pretoria ab. Sie ist umgeben von einer drei Meter hohen Mauer und wird zudem von zwei Wachmännern geschützt.

Burgess betonte in einer Pressekonferenz vor dem Haus des Onkels, Pistorius sei nun nicht frei - es sei lediglich die nächste Phase seiner Strafe. "Oscars Strafe wurde nicht verkürzt." Sie wollte keine Angaben machen, wie es dem Ex-Sportler geht. Auch die Auflagen während seines Hausarrests wollte sie vor dem großen Medienaufgebot am Eingang der Luxusvilla nicht kommentieren. Lorinda Berg, die frühere Leiterin der Strafbehörde und ausgebildete Psychologin, betonte: "Oscar Pistorius wird im Hausarrest kein freier Mann sein."

Pistorius muss nach seiner Entlassung in den Hausarrest in Psychotherapie bleiben. Er wird das Haus wahrscheinlich nur tagsüber verlassen dürfen, um Sozialdienst zu leisten oder zu arbeiten. Auch darf er keine Waffe besitzen und keinen Alkohol trinken.

Er hatte am Valentinstag 2013 seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür getötet. Pistorius sagte, dass er hinter der Tür einen Einbrecher vermutet und deshalb mit der großkalibrigen Pistole gefeuert habe, für die er keinen Waffenschein besaß.

Am 21. Oktober 2014 wurde er wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Fall hatte weltweit großes Medieninteresse ausgelöst. Viele Südafrikaner kritisierten das Urteil gegen den weißen Prominenten als zu milde - für Raubüberfälle gibt es mitunter bis zu 15 Jahre Haft.

Nach südafrikanischem Recht kann eine Gefängnisstrafe nach Ableisten eines bestimmten Minimums bei guter Führung in Hausarrest umgewandelt werden. Die Tore der Haftanstalt Kgosi Mampuru II in Pretoria sollten sich für Pistorius eigentlich erst am Dienstag öffnen.

Die Familie Steenkamp äußerte sich über eine Anwältin zurückhaltend. Es mache keinen Unterschied, ob Pistorius einen Tag früher oder später in den Hausarrest entlassen worden sei. Reeva sei nun mal tot und komme nicht zurück. Die Familie konzentriere sich nun auf ihre Stiftung, sagte Anwältin Tanya Koen. Die geplante Reeva-Steenkamp-Stiftung soll misshandelten Kindern und Frauen helfen.

Die Staatsanwaltschaft strebt allerdings eine härtere Strafe an. Über ihren Berufungsantrag wird am 3. November verhandelt. Sollte Pistorius zu einer längeren Haftstrafe verurteilt werden, müsste er unter Umständen wieder ins Gefängnis. Eine Haftentlassung von Pistorius war zunächst für August geplant, wurde aber im letzten Moment vom Justizminister blockiert.

Die Haftentlassung wurde in Südafrikas Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. "Wenn man Geld hat, kommt man selbst mit Mord davon", kritisierte etwa der Ladenbesitzer Jonas Moloi im überwiegend von schwarzen Südafrikanern bewohnten Ort Hamanskraal im Norden von Pretoria: "Der kleine Mann auf der Straße dagegen leidet, jedesmal."

Im Haus des Onkels im Diplomatenviertel Waterkloof im Süden Pretorias hatte Pistorius bereits während des Prozesses gegen ihn gelebt. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um eine 27-Zimmer-Villa mit Swimmingpool, Fitnessraum und Privatkino.

Pistorius wurden als Kind wegen eines Gendefekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Als Sprinter wurde er weltweit bekannt, als er mit seinen J-förmigen High-Tech-Prothesen aus elastischem Carbon bei den Paralympics Rekorde brach. Auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London machte er Furore. Seine Beziehung zu Reeva Steenkamp brachte ihn auch in die Klatschspalten der Zeitungen.

dpa

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