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Missbrauchsvideos in Prozess gegen Silvio S. gezeigt

Prozesse Missbrauchsvideos in Prozess gegen Silvio S. gezeigt

Für die Polizei ist der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. aus dem Nichts gekommen. Im Prozess muss sich das Gericht ein widerliches Handyvideo ansehen. Der Angeklagte hält sich die Ohren zu.

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Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Quelle: John MacDougall

Potsdam. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. sind minutenlange Videos vom Missbrauch des vierjährigen Mohamed kurz vor seinem gewaltsamen Tod gezeigt worden. Der Laptop mit Aufnahmen vom Handy des Angeklagten war nur für die unmittelbaren Prozessbeteiligten einsehbar.

Zu hören waren Atmen, Schnaufen, leises Flüstern und einzelne schwer verständliche Satzfetzen. Einer der Fetzen lässt sich nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Theodor Horstkötter als "Da haben wir den Kleinen. Lias nenn' ich ihn mal" deuten.

Dem Angeklagten wird neben dem Missbrauch und dem Mord an Mohamed auch der Mord an dem sechsjährigen Elias aus Potsdam vorgeworfen. Der 33 Jahre alte Silvio S. schien sich auf der Anklagebank während der Vorführung zeitweise die Ohren zuzuhalten, sein Kopf war mit häufig geschlossenen Augen auf die Tischplatte gerichtet.

Für die Ermittler im Fall Mohamed kam Silvio S. Ende Oktober 2015 als Tatverdächtiger völlig aus dem Nichts. Mutter und Ex-Schwager hatten nach Veröffentlichung neuer Bilder die Polizei angerufen, dass sie ihn erkannt hätten. Es seien bei der dann eingeleiteten Überprüfung in bundesweiten Datenbanken keinerlei einschlägige Treffer aufgetaucht, sagte der Leiter der Mordkommission aus.

"Es gab nur einen Verkehrsunfall – eine fahrlässige Körperverletzung, keine Straftaten im sexuellen Bereich", sagte der Beamte. Nach den Anrufen habe er sofort angeordnet, einen Beamten zu Silvio S. zu schicken, sagte der Ermittler. Denn Hinweise aus der Familie, gerade einer Mutter, seien besonders ernst zu nehmen. Silvio S. wurde kurz darauf festgenommen.

Mohamed war am 1. Oktober am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit verschwunden. Die Ermittler hatten ein Profil des Entführers entworfen und waren erst davon ausgegangen, dass ein solcher Täter eher im Nahbereich zuschlägt. Dementsprechend wurden 200 Menschen in Berlin persönlich besucht und überprüft, die wegen Sexualdelikten, pädophiler Vorfälle oder verdächtigem Ansprechen von Kindern erfasst waren. S. wohnte in einem brandenburgischen Dorf 90 Kilometer vom Lageso entfernt.

In seinem Auto wurde DNA von Mohamed gefunden – und Haare, die nach Experteneinschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit von Elias stammen. DNA von Elias wurde unter anderem an einem Kabelbinder im Haus von S. entdeckt. Im Prozess verweigert er bisher die Aussage. Er hat aber bei der Polizei ein Geständnis abgelegt. Das Urteil des Landgerichts Potsdam wird Ende Juli erwartet.

dpa

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