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Europa verstärkt Erdbeobachtung: Vierter Satellit im All

Wissenschaft Europa verstärkt Erdbeobachtung: Vierter Satellit im All

Nach drei Verschiebungen ist es geglückt: Europas Raumfahrtagentur Esa hat wieder einen Erdbeobachtungssatelliten ins All geschossen. Das "Copernicus"-Programm zählt zu den ambitioniertesten Projekten.

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«Sentinel» soll aus rund 700 Kilometern Höhe auch durch Wolken und Regen hindurch mit einem Radargerät Tag und Nacht die Erdoberfläche beobachten. Foto: S Martin

Kourou/Darmstadt. Ein weiterer "Wächter": Für das ehrgeizige Erdbeobachtungsprogramm "Copernicus" hat die europäische Raumfahrtagentur Esa den vierten Satelliten innerhalb von zwei Jahren ins All geschossen.

"Sentinel-1B" hob am späten Montagabend (23.02 Uhr)an Bord einer Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Mit an Bord der Rakete war außerdem die französische Kleinsatellitenmission "Microscope".

Der Countdown hatte drei Mal abgeblasen werden müssen. Zunächst verhinderte starker Wind den Start, beim dritten Anlauf musste die Rakete wegen technischer Probleme auf dem Boden bleiben.

Die 12 Meter lange Radarantenne und die beiden Solarpaneele des Satelliten waren beim Start zusammengefaltet. Eine knappe halbe Stunde später wurde der "Sentinel" (englisch für "Wächter") auf seiner Umlaufbahn ausgesetzt.

Der 2,3 Tonnen schwere "Sentinel"-Satellit soll rund um die Uhr aus rund 700 Kilometern Höhe mit einem Radargerät die Erdoberfläche abtasten. Gebraucht werden diese Informationen bei Notfällen und bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdbeben.

Der Satellit soll zudem vor Eisbergen und Ölteppichen warnen und der Schifffahrt Daten über Wind, Wellen und Strömung bereitstellen. Der "Sentinel-1B" ergänzt als Zwillingssatellit "Sentinel-1A", mit dem das "Copernicus"-Programm im April 2014 startete.

Mit der französischen Kleinsatellitenmission "Microscope" wollen Wissenschaftler laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine der grundlegenden Annahmen der Relativitätstheorie von Albert Einstein überprüfen: das Prinzip, dass im Vakuum alle Massen gleich schnell fallen. In rund 700 Kilometern Höhe befänden sich Satellit und Experiment in Schwerelosigkeit, also im freien Fall.

Das Herzstück von "Microscope" ist eine Anlage, die zwei Beschleunigungsmesser enthält. Darin befinden sich nach DLR-Angaben jeweils zwei zylinderförmige Testmassen. Es soll geprüft werden, ob die beiden Massen im freien Fall unterschiedlich stark beschleunigt werden.

"Der Start von Sentinel-1B ist insofern ein wichtiger Meilenstein, als hiermit die erste "Copernicus"-Konstellation vervollständigt wird", sagte Esa-Generaldirektor Jan Wörner. "Die beiden Satelliten, die unsere Erde um 180 Grad versetzt umkreisen, werden die Erfassung von Daten und deren Bereitstellung für Dienste deutlich verbessern und markieren somit einen Wendepunkt in unserem bisherigen Umweltmanagement."

Rolf Densing, Chef des Esa-Satellitenkontrollzentrums Esoc, in Darmstadt kündigte an: "Alle sechs Tage wird die Erde vermessen sein." 

Die Daten können Behörden, Unternehmen, Institutionen, Umweltämter und auch Privatleute nutzen. "Sentinel-1B" ist auf sieben Jahre ausgelegt. "Wir haben aber auch häufig Satelliten, die die zehn Jahre überschreiten", sagte Robert Meisner von der Esa im italienischen Frascati.

Im All sind auch noch "Sentinel-2A" und "Sentinel-3A". In diesem Jahr sollen noch zwei weitere Erdbeobachtungssatelliten starten. Ein letzter Start ist für voraussichtlich 2020 geplant.

Gebaut hat das Radargerät des "Sentinel" das Unternehmen Airbus Defence and Space. "Mit dem "Copernicus"-Programm wollen wir eine globale Land- und Erdbeobachtung machen", sagte der bei Airbus für Erdbeobachtung, Navigation und Wissenschaft verantwortliche Leiter Michael Menking.

dpa

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