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Defekt in umstrittenem belgischem Kernkraftwerk

Atomkraft Defekt in umstrittenem belgischem Kernkraftwerk

Wegen eines Lecks in einer Wasserleitung muss in Belgien ein Atomreaktor vom Netz genommen werden. Vor allem in Nordrhein-Westfalen ist die Aufregung groß.

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Hinter den Häusern der belgischen Ortschaft Doel zeichnen sich die Kühltürme des Atomkraftwerks ab.

Quelle: Julien Warnand/Archiv

Antwerpen. Die belgischen Atomreaktoren sorgen weiter für Ärger: Nur vier Tage nach dem Wiederhochfahren musste die umstrittene Anlage Doel 3 am ersten Weihnachtstag erneut vom Netz genommen werden.

Grund sei eine Reparatur im konventionellen Teil der Anlage, sagte eine Sprecherin des Betreibers Electrabel der Deutschen Presse-Agentur. Dort habe man an einer Heißwasserleitung eines Generators ein Leck entdeckt.

Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt stelle der Defekt keinerlei Gefahr dar, betonte die Sprecherin. Der Druckwasserreaktor musste ihren Angaben zufolge nicht heruntergefahren werden. Es wurde erwartet, dass er in Kürze wieder ans Netz gehen kann.

Der Reaktor ist rund 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bezeichnete die Sorgen deutscher Bürger als berechtigt. "Das ist ja Flickschusterei, was die da betreiben", sagte sie in der WDR-Nachrichtensendung "Die Aktuelle Stunde" (Freitag). Die Zahl der Zwischenfälle in belgischen Reaktoren stehe dafür, dass man sage: "Na ja, langsam aber sicher sind die Dinger wohl besser außer Betrieb zu nehmen."

Das bei Antwerpen gelegene Kraftwerk Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt waren worden. Nach einer Überprüfung teilte die Atomaufsichtsbehörde AFCN jüngst aber mit, dass das Problem keine Gefahr für die Sicherheit des Reaktors darstelle. Er wurde erst am 21. Dezember wieder hochgefahren.

Das jetzt entdeckte Leck wurde im nicht-nuklearen Teil des Atomkraftwerks entdeckt, wo sich die Turbinenanlage befindet. Der betroffene Wasserkreislauf enthalte keine radioaktiven Stoffe, sagte die Sprecherin.

In Deutschland wird der Betrieb von Doel 3 und des baugleichen Reaktors Tihange 2, der nur 70 Kilometer von Aachen entfernt ist, von Umweltschützern, aber auch von Teilen der Politik seit längerem sehr kritisch gesehen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert die Stilllegung der grenznahen Anlage Tihange. Bundesumweltministerin Hendricks schrieb erst am Heiligabend auf ihrer Facebook-Seite: "Wir sind besorgt, ob die erforderliche Reaktorsicherheit dieser Anlagen in vollem Umfang gewährleistet ist."

Nach Angaben von Hendricks wird Deutschland seine Bedenken Anfang Januar auch bei einem Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht äußern. Zugleich machte die SPD-Politikerin klar, dass die Bundesregierung keine Möglichkeiten habe, den Weiterbetrieb ausländischer Reaktoren zu verhindern.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer forderte Hendricks am Freitag dennoch auf, "ohne Wenn und Aber auf eine Abschaltung von Tihange und Doel zu dringen". Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sei "russisches Roulette für Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland", kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

dpa

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