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Brandenburger Kälberkiller: Sind Kolkraben die Täter?

Agrar Brandenburger Kälberkiller: Sind Kolkraben die Täter?

Es sind Szenen wie aus einem Hitchcock-Thriller: Tote Kälbchen auf einer Weide. Junge Kolkraben sollen für das Treiben verantwortlich sein. Ein Verhaltensbiologe sagt: Quatsch!

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Zwei Kolkraben hocken auf einem toten Reh - sind sie auch für die toten Kälbchen in Brandenburg verantwortlich?

Quelle: Patrick Pleul/Archiv

Perleberg. Die Verdächtigen sitzen auf nahen Bäumen und tun so, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten: Kolkraben bereiten derzeit Landwirten im Norden Brandenburgs Kopfzerbrechen. Die Bauern sagen, dass die schwarzen Vögel Kuhherden auf Weiden attackieren.

Sie hätten es vor allem auf wehrlose und neugeborene Kälbchen abgesehen. Fest steht: Es sind erste Todesopfer zu beklagen.

"Vier meiner Kälber sind bereits verendet, andere verletzt", sagt Olaf Strese, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Kletzke (Prignitz). Andere Verursacher wie Füchse oder Greifvögel kommen für ihn nicht in Frage. "Ich beobachte immer wieder, wie sich junge Kolkraben der Herde nähern und zwischen den Tieren aufmerksam herumlaufen", sagt er. Sie hätten genau im Blick, wenn eine Kuh kalbe. In diesem Moment griffen sie ihr Opfer offenbar an, berichtet er.

Der Verhaltensbiologe Dieter Wallschläger sieht die Rabenvögel zu Unrecht verdächtigt. "Kolkraben sind gar nicht in der Lage, ein lebendes Kalb anzugreifen", betont er. Über Jahrzehnte hat der emeritierte Professor an der Potsdamer Universität diese Vögel und ihr Zusammenleben mit Weidetieren in der Region untersucht.

Nach den Worten von Bauer Strese endet dieses Zusammenleben oft tödlich. Er hat aufgerissene Kälberkörper gesehen, mit freiliegenden Därmen und Innereien sowie herausgepickten Augen. Teilweise seien nur noch die Knochen vorhanden gewesen, erzählt er. Auf seinen beiden Weiden seien etwa ein Dutzend Vögel unterwegs.

Für die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Christine Stettin ist das Treiben der Kolkraben ein seit Jahren in der Region bekanntes Problem - vor allem "Junggesellen" seien auf Raubzug. "Wir wollen, dass sie abhauen", sagt Stettin bestimmt. Auf Schäden blieben die Landwirte sitzen. Sie kenne aus dieser Saison Vorfälle aus fünf Betrieben und bezifferte die Verluste auf insgesamt 3000 bis 4000 Euro.

"Es gibt nur eine Möglichkeit: Vögel müssen entnommen werden", betont Stettin, die auch Jägerin ist. Entnehmen, das heißt bejagen. Eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss einiger der geschützten Vögel sei gestellt worden.

Beim Agrarministerium in Potsdam ist das Problem bekannt, wie ein Sprecher sagt. Geprüft werden viele Möglichkeiten, auch die Vertreibung mit automatischen Schussanlagen wie in Obstplantagen. Der Lärm soll die Raben verscheuchen.

Kolkraben-Kenner Wallschläger geht davon aus, dass die Vögel nur an Tiere gehen, die schon tot sind. "Es gibt keinen Beweis, dass sie lebende Tiere töten", betont Wallschläger. Sie werden aus seinen Erfahrungen völlig zu Unrecht verdächtigt. "Ihre Schnäbel schaffen es gar nicht durch das Fell einer Kuh hindurch." Sie warteten lediglich auf Tot- oder Nachgeburten, die sie gerne fressen.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) bezeichnet solche "wiederkehrenden Geschichten" von Lämmer- und Kälberkillern unter diesen Vögeln als falsch. Die Raben könnten höchstens Herden zur Geburtszeit stören sowie kranke oder verletzte Tiere angreifen.

"Kolkraben sind sehr intelligent und gelehrig", sagt Wallschläger über die Vögel mit dem glänzendem schwarzen Gefieder. Sie spielten gern und würden schnell erkennen, wo es für sie leckeres Futter gibt. Sie zwicken beispielsweise schlafenden Kälbern in den Schwanz, die dann aufstehen, wie er sagt. "Dann fällt Kot und der schmeckt den Kolkraben besonders gut", berichtet er.

Bald ziehen die Kolkraben aber ohnehin weiter: Spätestens wenn im Mai die letzten Kälbchen geboren wurden.

dpa

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