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Aufgepäppelte Heuler sind bald fit für die Freiheit

Tiere Aufgepäppelte Heuler sind bald fit für die Freiheit

Ein Selfie mit Robbenbaby? Keine gute Idee, warnen Experten. Die Heuler brauchen vor allem Ruhe. Doch immer wieder stören Menschen die Jungtiere.

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Bald fit genug für die Freiheit: Zwei junge Seehunde ziehen in der Seehundaufzucht- und Pflegestation an einem Hering.

Quelle: Ingo Wagner

Norden-Norddeich. Der Seehund-Nachwuchs hatte es an der niedersächsischen Küste 2016 wieder schwer: Schlechtes Wetter mit Gewittern und Störungen durch Menschen haben viele Jungtiere von den Müttern getrennt.

130 Heuler hat die Seehundstation Norden-Norddeich in dieser Saison bisher aufgenommen und aufgepäppelt. Die meisten von ihnen sind inzwischen wieder so kräftig, dass sie im August im Wattenmeer ausgewildert werden können. "Wer jetzt noch einzelne Jungtiere in freier Wildbahn sieht, sollte sie in Ruhe lassen", sagt Stationsleiter Peter Lienau. Die selbstständigen Tiere seien weder auf ihre Mütter noch auf menschliche Hilfe angewiesen.

Störungen gibt es genug für den Seehund-Nachwuchs, der jetzt vor allem Ruhe braucht. 300 Meter sollten Spaziergänger von den Tieren Abstand halten, doch es gibt immer wieder dreiste Verstöße, berichtet Lienau: "Einmal hat ein Lehrer seine Schüler aufgefordert, mit Gegenständen zu werfen, um die Bewegungsabläufe der flüchtenden Tiere zu studieren." In einem anderen Fall habe ein Spaziergänger seine Hunde auf ruhende Seehunde auf einer Sandbank gehetzt. Für Unruhe sorgen zudem Touristen, die Selfies vor Seehund-Jungen machen oder Kinder, die die Tiere streicheln wollen.

Segel- und Motorboote, Surfer, Flugzeuge und Watt-Spaziergänger hat Lienau als häufige Störungsquellen ausgemacht. Hinzu kommen unerfahrene Kajakfahrer, die im Juni während der Wurfzeit zu nahe an Seehundbänke und in die Priele fahren. "Der größte Horror für alle Wildtiere sind Silvester-Feuerwerke mit Knall- und Blitzeffekten", sagt Lienau. Auch das am Sonntag geplante Feuerwerk auf der Insel Langeoog sei eine massive Störung und lasse sich nicht mit Naturereignissen wie Gewitter vergleichen.

Nur geschwächte und vereinzelte Jungtiere von Badestränden und Festlandsdeichen werden in den Seehundstationen im ostfriesischen Norden-Norddeich und im nordfriesischen Friedrichskoog aufgenommen. Jetzt nach gut 60 Tagen mit menschlicher Betreuung ist der Nachwuchs fit für die Freiheit und muss dann nur noch die Jagd auf Fische üben. "Das ist aber angeboren und klappt sofort, wenn wir die jungen Seehunde in der Nordsee aussetzen", sagt Tierpfleger Tim Fetting. "Einmal ist ein Seehund beim Aussetzen gleich nach dem ersten Sprung ins Wasser mit einem Plattfisch im Maul wieder aufgetaucht."

Jetzt in den Sommerferien strömen Scharen von Urlaubern in die Seehundstationen und informieren sich über die Tiere, ihren Schutz und welche Störungen ihnen drohen. "So erreichen wir Tausende Menschen, die für das Thema sensibilisiert werden", sagte Lienau. Die meisten Besucher würden auch gern selbst einen kleinen Seehund pflegen, hat Fetting erfahren: "Doch man tut den Tieren keinen Gefallen, wenn wir sie vermenschlichen."

dpa

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