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Ärzteverbände: Zahl der Schönheits-Operationen steigt

Medizin Ärzteverbände: Zahl der Schönheits-Operationen steigt

Immer mehr Deutsche lassen sich operieren, um ihr Aussehen zu verbessern. Eine Schönheitsoperation werde zunehmend zur Selbstverständlichkeit, verkündet ein Verband ästhetisch-plastischer Chirurgen. Eine Ministerin warnt vor der "Kosmetik mit dem Skalpell".

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Ein Chirurg bereitet eine Schönheits-OP vor. Schönheitsoperationen werden nach Angaben der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) immer häufiger.

Quelle: Oliver Berg/Archiv

Hamburg. Die Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland ist nach Daten zweier Fachgesellschaften 2015 um rund neun Prozent gestiegen. Allein diese beiden Ärzteverbände zählten 43 287 ästhetisch-plastische Eingriffe, nach 39 723 im Jahr 2014.

Die Gesamtzahl der Schönheitsoperationen dürfte etwa doppelt so hoch sein, sagte der Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC), Magnus Noah, bei der Frühjahrstagung der Organisation in Hamburg. Die Zahlen beruhen auf einer Mitgliederbefragung der VDÄPC und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). In den beiden Gesellschaften sind nur ästhetisch-chirurgische Fachärzte organisiert.

Der Männeranteil an den Operationen liegt demnach unverändert bei zwölf Prozent. Bei Frauen sei 2015 der häufigste Eingriff die Brustvergrößerung (5869) gewesen, gefolgt von der Fettabsaugung (4938) und der Oberlidstraffung (4231). Mit deutlichem Abstand folgen Nasenoperationen (2461) und Eingriffe zur Bauchstraffung (2187).

Männer ließen sich vor allem vergrößerte Brüste entfernen (1081), Fett absaugen (945) oder Oberlider straffen (910). Auch die Haarverpflanzung werde immer beliebter, sagte Noah. Die Ärzte beider Gesellschaften registrierten 508 solche Behandlungen.

"Unsere Zahlen zeigen, dass die ästhetisch-plastische Chirurgie inzwischen auch in Deutschland - ähnlich wie in den USA - zunehmend zur Selbstverständlichkeit wird", sagte Noah. Weltweit werde die Zahl solcher Operationen auf 1,4 Millionen jährlich geschätzt, sagte Kongresspräsident Detlev Hebebrand.

Bei einem der häufigsten Eingriffe, der Brustvergrößerung, komme es besonders oft zu Komplikationen. Zusammenfassende Studien zeigten ein Komplikationsrisiko zwischen 2 und 49 Prozent weltweit, sagte Hebebrand. Genauere Zahlen, auch für Deutschland, gebe es nicht. Korrektureingriffe gebe es vor allem wegen Gewebeverhärtungen, Verrutschen des Silikonkissens oder der Unzufriedenheit der Patientinnen mit der Form der Brust.

Vor sechs Jahren hatte ein Skandal um Brustimplantate aus Billig-Silikon für Aufsehen gesorgt. Die nicht für Medizinprodukte zugelassenen Implantate eines französischen Herstellers (PIP) erwiesen sich als reißanfälliger als andere Silikonkissen. Allein in Deutschland waren mehr als 5000 Frauen betroffen.

Infolge der Reform des Medizinproduktegesetzes bauen die Gesellschaften der Schönheitschirurgen jetzt ein Implantatregister auf, in dem die eingesetzten Silikonkissen genau dokumentiert werden sollen. Es wird seit zwei Wochen erprobt. Die Daten sollen auch dabei helfen, die Leitlinien für Schönheitschirurgen zu verbessern.

Der Münchner Patientenanwalt Christian Zierhut, der betroffene Frauen im PIP-Skandal vertreten hatte, forderte eine Verschärfung des Medizinproduktegesetzes auch auf EU-Ebene. Er verwies auf eine Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft vor einigen Jahren, wonach es bei durchschnittlich jeder fünften Schönheitsoperation zu Komplikationen komme. Nach Ansicht von Zierhut sollte es auch ein für Patienten zugängliches Register geben, aus dem die Komplikationshäufigkeit von konkreten Produkten hervorgeht.

Kritisch zur steigenden Zahl der Schönheitsoperationen äußerte sich die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Reine Schönheitschirurgie sollte sehr gut überlegt sein. "Kosmetik mit dem Skalpell birgt immer Risiken, und das Resultat entspricht nicht unbedingt den eigenen Wunschvorstellungen", meinte Steffens. Und fügte hinzu: "Natürlich schön ist am gesündesten."

dpa

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