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Lieferroboter und Paketdrohnen: Die schöne neue Zustellwelt

Handel Lieferroboter und Paketdrohnen: Die schöne neue Zustellwelt

Einzelhändler und Lieferdienste testen neue Liefermöglichkeiten für die "letzte Meile" zum Kunden. Doch ob sich die High-Tech-Lösungen am Ende wirklich durchsetzen, ist ungewiss. Die meisten Kunden vertrauen bei der Paketannahme noch immer am liebsten dem Nachbarn.

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Daniela Kirchner von dem Paketlieferanten Hermes belädt einen von der Firma Starships Technologies entwickelter Roboter.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Düsseldorf. Ein ungewöhnliches Bild wird sich in wenigen Wochen Passanten in Hamburg und Düsseldorf bieten. In zwei Pilotversuchen sollen dort neuartige Lieferroboter über die Bürgersteige rollen und Kunden des Paketdienstes Hermes und der Elektronikkette Media Markt bestellte Sendungen direkt bis zur Haustür bringen.

Eine der Fragen die bei dem Projekt geklärt werden soll: "Wie reagieren die Menschen?" Mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Stundenkilometern sollen die kleinen, vom estländischen Unternehmen Starship Technologies entworfenen Roboter auf sechs Rädern weitgehend selbstständig über die Bürgersteige wieseln.

Neun Kameras erleichtern ihnen dabei die Orientierung und sollen Zusammenstöße mit Fußgängern und Laternenmasten verhindern. Ganz auf sich gestellt sind die Roboter aber nicht: Im Hintergrund wacht ein Aufseher, der bei Problemen eingreifen und sich bei Bedarf sogar mit den Kunden und Passanten unterhalten kann.

Die Hoffnung des Handelsriesen Metro, zu dem Media Markt gehört: Die Roboter sollen schon bald eine schnelle und gleichzeitig preiswerte Belieferung der Kunden "in nahezu Echtzeit" ermöglichen. Auch Starship-Vorstandschef Ahti Heinla betont, Ziel sein ein besserer Kundenservice verbunden mit einem geringem Kostenaufwand.

"Der Einsatz von Robotern kann die Zustellung von Päckchen und Paketen speziell im städtischen Raum nachhaltig revolutionieren", meint auch Hermes Deutschland-Chef Frank Rausch. Ein solches Serviceangebot könne in der alternden Gesellschaft auch für die Zustellung von Medikamenten oder Lebensmitteln genutzt werden.

Andere Konzerne - wie der Internetriese Amazon oder die Deutsche Post - setzen auf Paketdrohnen, die die Lieferungen auf dem Luftweg zum Kunden bringen sollen. Zu Jahresbeginn flog eine Post-Drohne drei Monate im oberbayerischen Reit im Winkl immer wieder die acht Kilometer lange Strecke vom Tal bis zur Alm auf 1200 Meter Höhe und lieferte dabei insgesamt 130 Pakete ab. Mit der Drohne hofft die Post, die Belieferung in dünn besiedelten Gebieten auf Inseln oder Bergen verbessern zu können. Auch Amazon will im kommenden Jahr eine Feldversuch mit Lieferdrohnen in Großbritannien starten.

Ob soviel High-Tech wirklich der Königsweg ist, um die Belieferung in Zukunft kundenfreundlicher zu gestalten, ist allerdings umstritten. Der Logistik-Experte Herbert Kotzab von der Universität Bremen jedenfalls rechnet so schnell nicht mit Schwärmen von Paketdrohnen am deutschen Himmel. "Bei besonderen Einzelfällen - etwa bei wichtigen Ersatzteilen oder bei Organspenden - ist Transport mithilfe von Drohnen denkbar. Aber für die breite Masse kann ich mir das in den nächsten fünf Jahren nicht vorstellen", sagt er. Es fehle schon an der notwendigen Infrastruktur und geeigneten Kontrollmechanismen.

Auch was die Zukunft der Lieferroboter angeht, ist er eher skeptisch: "Das sind sehr schöne Überlegungen, die aber den Alltagstest wohl nicht überstehen würden", sagt er. Viele Kunden würden schlicht Probleme mit der Technik haben. Das sieht der Hermes-Chef natürlich anders: "Ich habe die stille Hoffnung, dass die Roboter die neuen Tamagotchis des Sidewalks werden."

Tatsächlich steht nach einer repräsentativen Umfrage des Beratungsunternehmens PWC die Mehrzahl der Bundesbürger derartigen Innovationen eher skeptisch gegenüber. Nicht einmal jeder Dritte kann sich demnach eine Zustellung per Flugdrohne vorstellen. Drei Viertel der Befragten finden, diese Art der Luftpost berge ein hohes Unfall- und Schadensrisiko.

Viel lieber würden sie das Zustellproblem auf eine eher altmodische Weise lösen und sich ihre Pakete ganz einfach an den Arbeitsplatz schicken lassen - wenn der Arbeitgeber dies nur erlauben würde. Wo das nicht der Fall ist, bauen die die meisten beim Thema Paketannahme weiter auf ein altbewährtes Rezept: Bei ihnen nimmt der Nachbar die Pakete an.

dpa

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