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"Instant Articles" umstritten - digitale Kioske warten auf Profit

Medien "Instant Articles" umstritten - digitale Kioske warten auf Profit

Es lebe der digitale Zeitungskiosk. Doch welcher ist der vielversprechendste? Liegt die Zukunft im neuen Facebook-Projekt "Instant Articles" oder vielleicht in Startups wie Blendle und Readly?

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Die Einführung des neuen Facebook-Angebots «Instant Articles» ist unter Zeitungsmachern umstritten.

Quelle: Lukas Schulze

München. Die Einführung des neuen Facebook-Angebots "Instant Articles" ist unter Zeitungsmachern umstritten. "Unsere Haltung ist dazu: Es gibt etwas zu spielen, lass es uns ausprobieren", sagte Jochen Wegner, Chefredakteur von "Zeit Online", beim sogenannten Content-Gipel der Medientage München.

Beim Anklicken der "Instant Articles" auf Facebook wird der User neuerdings ohne Wartezeit auf den Zeitungsbericht gelenkt - muss dabei allerdings Werbung in Kauf nehmen.

Unter Wegners Branchenkollegen wird das Facebook-Vorgehen zum Teil deutlich kritischer gesehen. "Wir versuchen gerade, unsere Pay-Modelle am Markt zu installieren", sagte Lutz Knappmann, stellvertretender Chefredakteur von Süddeutsche.de. "Wenn wir jetzt bei "Instant Articles" dabei wären, würden wir zu einem werbefinanzierten Modell zurückkehren." Beides gehe nicht.

Eine klare Absage erteilte Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin der Wiener Zeitung "Der Standard", dem Projekt: "Unsere Marke ist stark genug. Wir verdienen mit Online-Werbung Geld und werden das Tier, das uns bedroht, nicht noch füttern."

Mit der Frage, wie journalistischer Inhalt im digitalen Wandel dem Kunden so schmackhaft gemacht werden kann, dass er auch dafür im Netz bezahlt, haben sich zum Beispiel die Startup-Unternehmen Readly und Blendle befasst. Blendle, eine Firma aus Holland, an der sich auch die "New York Times" und das Verlagshaus Axel Springer beteiligt haben, bietet dem Kunden Artikel zum Einzelabruf für Cent-Beträge - ein Rückgaberecht steht ihm auch offen, die Einnahmen gingen zu 70 Prozent an das veröffentlichende Medium.

Blendle-Gründer Marten Blankestejn sagte auf einem Paid-Content-Podium in München, die Firma sei noch nicht rentabel und plane daher längerfristig. Aber wichtig: Die Leser seien zu mehr als die Hälfte jünger als 35 - das wiederum seien diejenigen, die die gedruckte Zeitung kaum in die Hand nähmen.

Der digitale Kiosk Readly, der zunächst in Schweden auf den Markt kam, ist seit einem Jahr in Deutschland präsent und bietet unter anderem 185 deutsche Zeitschriftentitel zu einer Flatrate von 9,99 Euro. Was bringt das den Magazinen? "Wir haben bereits jetzt die sechste deutsche Zeitschrift, die von sich sagt, sie verdiene mit uns mehr Geld als mit der gedruckten Ausgabe am Kiosk", sagte Readly-Deutschland-Geschäftsführer Philipp Graf Montgelas.

Statistisch gesehen bleibt auf der Plattform jeder Leser 23 Minuten lang bei einem Magazin und liest zu 27,4 Prozent alle Seiten. Auch Readly überweist 70 Prozent an die Verlage, die sich je nach Leseverhalten die sechs Euro Einnahmen nach Abzug der Umsatzsteuer teilen müssen. Ungünstig ist zum Beispiel, dass manche Ärzte in ihren Wartezimmern Ipads auslegen und die Patienten Dutzende Magazine anklicken, was die Einnahmen der einzelnen Zeitschriften drückt.

Hoffnung macht der gesamten Branche: Das Zeitbudget, das jeder einzelne für die Nutzung von Medieninhalten aufbringt, wächst ständig. Zwischen 1998 und 2013 nahm der Konsum von 366 Minuten auf 486 Minuten pro Kopf der erwachsenen Bevölkerung zu, wie das Forschungsinstitut Goldmedia in Berlin errechnete. Tendenz weiter steigend.

Das klassische lineare Fernsehen bildet nach wie vor den Schwerpunkt, auch wenn die tägliche Sehdauer 2015 im Vergleich zu 2014 um rund zehn Minuten auf 212 Minuten abnehmen dürfte. Unter den jüngsten zwischen 14 und 23 Jahren rangiert das TV nur noch ganz knapp vor Youtube und mit deutlicherem Abstand vor den Video-On-Demand-Diensten.

Deren Service werde aber deutlich zunehmen, prognostiziert Goldmedia. Leisten sich dieses Jahr die Deutschen noch Videos on Demand im Gesamtwert von knapp 250 Millionen Euro, so werde sich dieser Betrag bis 2021 etwa verdreifachen. Klassische TV-Erzählweisen bleiben dabei keineswegs außen vor. 73 Prozent der 1128 von Goldmedia befragten Personen geben an, eine Lieblingsserie zu haben, unter den jüngeren bis 23 sind es sogar 87,5 Prozent.

dpa

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