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Kaputt und überladen: Bundesamt für Güterverkehr stoppt gefährliche Transporter

Kaputt und überladen: Bundesamt für Güterverkehr stoppt gefährliche Transporter

Runter vom Gas, heißt es gestern Vormittag auf der Autobahn 38 bei Leipzig. Im gemächlichen Tempo rollt die Karawane auf Steffen Döring zu.

Leipzig.

Mit seiner weißen Mütze, Uniform und Kelle sieht er aus wie ein Polizist, ist aber keiner. Die einen winkt er vorbei, andere lotst er auf den großen Parkplatz kurz vor der A 14, wo schon ein gutes Dutzend andere Frauen und Männer in Warnwesten und Uniform warten. Uwe Kolb ist einer von ihnen. "Guten Tag, Bundesamt für Güterverkehr. Fahrzeugscheine, Führerschein und digitale Kontrollkarte bitte!" Der junge Mann hinterm Lenkrad händigt alles bereitwillig aus und sieht geduldig zu, wie seinem Cockpit noch jede Menge digitaler Daten abgesaugt werden, die zum Beispiel Lenk- und Ruhezeiten, Geschwindigkeiten und Aufenthaltsländer der zurückliegenden 28 Tage enthalten. Als sich der 22-jährige Fahrer aus Bayern und der doppelt so alte Kontrolleur aus Sachsen wenig später im mobilen Büro gegenübersitzen, werden die Daten durch mehrere Computerprogramme gejagt. "Alles in Ordnung, keinerlei Verstöße", lautet Kolbs Fazit.

Andere Berufskraftfahrer haben weniger Glück: Ein Pole muss an seinem 30 Tonnen schweren Tanklastzug einen verschlissenen Reifen wechseln. Er wuchtet, keucht und schwitzt. Warum er keinen Werkstattwagen ruft? "Muss alles selber blechen. Chef zahlt nix!"

Das sei typisch für osteuropäische Firmen, sagt André Büchner, der die Straßenkontrollen in Mitteldeutschland leitet. "Die schicken ihre Fahrer oft mit schlecht gewarteten Fahrzeugen los. Wenn die Mängel auffliegen, wollen sie damit nichts zu tun haben."

Ein Sachse hat seine Kontrollkarte aus dem Gerät gezogen, um die Lenkzeiten um ein paar Stunden ausdehnen zu können. Dafür droht ihm ebenso ein sattes Bußgeld wie einem Rumänen, dessen schlampig geladene Stoffballen schon seitlich durch die Plane rutschen.

Rund 66 000 Fahrzeuge kontrolliert das Bundesamt jedes Jahr, arbeitet dabei mit Zoll, Polizei und anderen Behörden zusammen. "Nicht als Schikane, sondern im Dienste der Sicherheit und Chancengleichheit", erklärt Büchner. Unternehmen, die auf Kosten anderer Zeit und Geld sparen wollen, müssten an ihre Pflichten erinnert werden. "Sonst macht bald jeder, was er will."

Jedes zweite der 54 gestern kontrollierten Fahrzeuge wurde von den Güterverkehrswächtern beanstandet, sieben von ihnen musste die Weiterfahrt untersagt werden. So wie einem polnischen LKW, der Baumaschinen geladen hatte. Mehrere Radbolzen waren abgeschert. "Noch ein paar Kilometer, und er hätte mindestens ein Rad verloren", schätzt Technik-Experte Kolb. Noch mehr staunen die Kontrolleure, als die mobile Waage ein Drittel Übergewicht, für den Anhänger sogar 50 Prozent Überladung anzeigt. Dem rollenden Kamikaze wird die Weiterfahrt verweigert, der Fahrer muss eine satte Kaution hinterlegen. Denn zu viel Sparsamkeit, noch dazu an der falschen Stelle, muss bestraft werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.08.2013

Winfried Mahr

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