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Im Streifenwagen auf Facebook - Sachsens Polizei in sozialen Medien

„Sofa-Aktivisten“ Im Streifenwagen auf Facebook - Sachsens Polizei in sozialen Medien

Die Polizei Sachsen hat vor einem dreiviertel Jahr ein Social-Media-Team gegründet. Anfangs sollte damit um Nachwuchs geworben werden. Doch inzwischen stehen ganz andere Aufgaben an.

Die Polizei Sachsen hat vor einem Dreivierteljahr ein Social Media Team gegründet.

Quelle: dpa

Leipzig. Bei der Polizei heißen sie „Sofa-Aktivisten“ - Menschen, die gefühlt 24 Stunden in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. „Das ist vermutlich sogar ein Großteil“, sagt Olaf Hoppe, Koordinator des Social-Media-Teams der Polizei Sachsen. Doch das sind genau die Nutzer, die den Beamten am meisten Sorgen bereiten - vor allem bei den ständigen Demonstrationen wie im vorigen Jahr. Die Social-Media-Spezialisten der Polizei versuchen dann, zu moderieren, zu beschwichtigen, aufzuklären. Besonders deutlich wurde das bei den Ausschreitungen im Leipziger Stadtteil Connewitz im vergangenen Jahr. Hoppe war an jenem 12. Dezember mit draußen, als autonome Randalierer unterwegs waren. Steine flogen, Mülltonnen brannten. Die Polizei rückte mit mehreren Hundertschaften und mehreren Wasserwerfer aus - ganz real. In der digitalen Welt, auf Twitter und Facebook, begleiteten die Polizisten das Geschehen, riefen zu Gewaltlosigkeit und Besonnenheit auf. „Dennoch mussten wir uns auch dort wüste Beschimpfungen anhören“, erzählt Hoppe. „Solche Leute fängt man nur schwer ein - jegliche Diskussion ist fast zwecklos. Doch wir versuchen es.“ Die Arbeit am Computer sei teilweise emotional ähnlich aufreibend wie die draußen.  

„Die sozialen Medien verändern die Öffentlichkeit. Das macht auch die Polizei offener“, begründet Hoppe die Gründung des Social-Media-Teams. „Wir sind als Streifenwagen im Netz unterwegs und haben das Fenster unten.“ Allerdings würde das vierköpfige Team nicht als Polizeiwache funktionieren, die auch die Strafverfolgung aufnimmt. „Sonst halten sich die Leute bei uns eher zurück“, sagt Hoppe. Rund 34.000 Menschen folgen dem Auftritt inzwischen - Tendenz steigend. Viele verhalten sich ruhig. An normalen Tagen, ohne Demos, ist die Polizei auch im Netz eine Institution. Bei den Demonstrationen von Legida oder Pegida funktioniert das meist ebenfalls. Dann wird Twitter wie ein Funkkanal genutzt. 

„Es ist sehr, sehr positiv zu bewerten, dass die Polizei den Schritt in die sozialen Medien getan hat“, sagt der Kölner Buchautor und Social-Media-Berater Hendrik Unger. Doch die Arbeit stecke in Sachsen noch in den Kinderschuhen. Es finde kein richtiger Dialog mit den Nutzern statt. Daher sei die Reichweite noch nicht hoch. „Manchmal müsste es eben das Video von der Rettung des Hundewelpen sein, das es dann bis in die Abendnachrichten schafft“, erklärt der Fachmann. Mit einer Mischung aus Unterhaltung und Information sei etwa die Polizei in Irland sehr erfolgreich, sagt Unger. Auch die Kollegen in Berlin machten es vor. Dann könnten die anderen Ziele, wie etwa das Beschwichtigen bei Demos, die Imageförderung oder etwa eine fallspezifische Hilfe, besser erreicht werden.  

Über Möglichkeiten die Reichweite zu erhöhen, wird in Leipzig bereits nachgedacht. Im Büro bei der Bereitschaftspolizei bespricht Hoppe mit seinem Team, was gepostet wird. Dort soll es in naher Zukunft einen Rechner für Videoschnitt geben. Dann könne der User etwa ganz nah mit ran an eine Bombe, die entschärft werde. Dabei geht es auch um die Transparenz der Behörde. „Wir sind in der höchsten Einsatzbelastung, die wir jemals hatten. Da brauchen wir eine Darstellung, was wir täglich leisten“, sagt Hoppe. Entstanden ist das Team nachdem im Mai 2014 die Facebook-Seite „Polizei Sachsen - deine Karriere“ online ging. Im Februar 2015 startete die Seite „Polizei Sachsen“. An vielen Tagen sei das Team mit Freude dabei, an solchen Tagen wie dem in Connewitz, „geht es einem auch selbst emotional nah“, sagt Hoppe. 

Die Öffentlichkeit findet nicht mehr nur auf der Straße und über die klassischen Medien statt, sondern inzwischen auch von vielen Sofas aus - im Netz. Da soll auch die Polizei präsent sein. „Insgesamt ist es ein spannender Prozess, auch wenn wir selbst noch nicht wissen, wo es hingeht“, sagt Hoppe.

Von Matthias Pöls, dpa

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