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Drei Verletzte bei Brand in Asylheim in Radebeul - Ursache unklar

Großeinsatz Drei Verletzte bei Brand in Asylheim in Radebeul - Ursache unklar

Bei einem Feuer in einer Asylunterkunft im sächsischen Radebeul sind drei Menschen verletzt worden. Der Brand war in der Nacht in einem Zimmer in der zweiten Etage des Hauses ausgebrochen, wie die Polizei in Dresden am Donnerstag mitteilte. Im Raum habe sich zu dem Zeitpunkt niemand befunden.

Das Dach musste aufgerissen werden, um die Flammen zu löschen und das Aufflackern neuer Schwelbrände zu verhindern.

Quelle: Roland Halkasch

Radebeul. Bei einem Feuer in einer Asylunterkunft im sächsischen Radebeul sind drei Menschen verletzt worden. Der Brand war in der Nacht in einem Zimmer in der zweiten Etage des Hauses ausgebrochen, wie die Polizei in Dresden am Donnerstag mitteilte. Im Raum habe sich zu dem Zeitpunkt niemand befunden. Die Flammen griffen auch auf andere Zimmer über.

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Bei einem Feuer in einer Asylunterkunft im sächsischen Radebeul sind drei Menschen verletzt worden.

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Ein Wachmann und ein Asylbewerber wurden mit Verdacht auf Rauchvergiftungen behandelt. Eine weitere Person erlitt Schnittverletzungen. Nach Angaben der Feuerwehr, die mit etwa 85 Brandschützern aus Radebeul und umliegenden Ortschaften im Einsatz war, befanden sich nur 60 der eigentlich 122 im Heim gemeldeten Personen in der Unterkunft. Diese wurden vorübergehend in Zelten untergebracht, ehe sie noch in der Nacht in die Asyl-Erstaufnahme in Meißen-Bohnitzsch einquartiert wurden. Auf einen Angriff von außen deute bisher nichts hin, hieß es von der Polizei zu dem Feuer.

„Ich vermute einen technischen Defekt“, sagt Martin Oehmichen vom Verein Buntes Radebeul, der in der Unterkunft seit Jahren Deutschunterricht und eine Reihe anderer Projekte organisiert. Nach Aussagen einiger Heimbewohner hat es in den letzten Wochen Probleme mit der Heizung gegeben. Sie berichteten davon, dass die Heizkörper nach Mitternacht keine Wärme mehr abstrahlten. In der Folge behalfen sich die Heimbewohner, bei denen es sich in der Hauptsache um Männer aus nordafrikanischen Ländern handelt, mit mobilen Heizgeräten, die nicht immer einen vertrauenswürdigen Eindruck machten. „Die Geschichte mit der Heizungsabschaltung habe ich auch gehört“, sagt Oehmichen. Er könne aber nur bestätigen, dass zwischenzeitlich die Heizung nicht funktioniert habe. „Es gibt schon einige krude Gerätschaften, die in einigen Räumen stehen“, sagt Oehmichen zu den mobilen Heizgeräten. Hat einer dieser Heizstrahler den Brand ausgelöst? Für Heimbetreiber Wilfried Pohl, Geschäftsführer der Immobilienbetreuungs- Tourismus und Beherbergungsgesellschaft Dresden GmbH (ITB) sind das alles „Spekulationen“. Er sagt zu der Sache nur so viel: „Die Heizung hat funktioniert, es war letzte Woche erst ein Monteur da.“ Für Klarheit werden erst die Brandursachenermittler sorgen können, die sich am Freitag die Unterkunft ansehen können. Erst nach der Begehung durch die Amtspersonen könne sich Pohl selbst ein Bild vom Schaden machen, sagt der Geschäftsführer. Deshalb gibt es auch zur Schadenshöhe noch keine Angaben.

So viel ist Pohl aber schon jetzt klar: „Das Heim ist vorerst nicht bewohnbar.“ Das hat vor allem mit der Bauweise des ehemaligen Arbeiterwohnheims zu tun. Die Feuerwehrleute mussten das Dach an mehreren Stellen aufschneiden, um ein Aufflammen von Schwelbränden zu verhindern. Die Löscharbeiten zogen sich deshalb bis weit in den Donnerstagnachmittag hin, nachdem die Einsatzkräfte bereits gegen 8.30 Uhr eine erste Entwarnung gegeben hatten. Selbst da waren sie schon acht Stunden im Einsatz. Wegen der langwierigen Löscharbeiten werden neben den Brandschäden und der Verrußung im Obergeschoss überall im Gebäude Wasserschäden vermutet.

Für die Heimbewohner ist eine Rückkehr also nicht möglich. Sie sollen aber auch nicht im ehemaligen Studentenwohnheim der Meißner Verwaltungsfachhochschule in Bohnitzsch bleiben. Zwar wäre dort Platz, weil von 720 verfügbaren nur 319 Plätze belegt sind, wie die Landesdirektion Sachsen (LDS) informierte. Im Landratsamt bemüht man sich aber, die 68 betroffenen Asylbewerber – die LDS spricht von 71 – schnell wieder aus der Erstaufnahme in Asylunterkünfte im Landkreis zu bringen. „Die Bewohner haben ja einen anderen Status als die Menschen in der Erstaufnahme, das stiftet nur Unfrieden, wenn man sie beisammen lässt“, begründet Sprecherin Kerstin Thöns.

Den Verein Buntes Radebeul stellt das vor größere Probleme. Wenn die Asylbewerber über den gesamten Landkreis verteilt sind, lässt sich eine Betreuung schwerlich organisieren. In Radebeul verbleiben ohne die Gemeinschaftsunterkunft nur knapp 40 Asylbewerber, die in Wohnungen untergebracht sind. Man nehme Spenden von Kleidung und Hygieneartikeln an, um den Evakuierten über die nächste Zeit zu helfen, sagt Martin Oehmichen. Alles weitere müsse man sehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es in der Radebeuler Unterkunft gebrannt hat. Vor ein paar Jahren, so genau kann sich ITB-Geschäftsführer Pohl nicht erinnern, habe es schon mal einen Zimmerbrand gegeben. Auch andere ITB-Heime gingen schon in Flammen auf, so in Schmiedeberg in vergangenem Jahr, wo die Polizei von Brandstiftung ausgeht, nachdem in der Nacht zum 20. April an zwei Stellen gleichzeitig Flammen schlugen. Im Oktober hatte es in der gleichen Unterkunft einen Zimmerbrand gegeben.

„Natürlich sind manche der Asylbewerber frustriert, weil sie eine schlechte Perspektive haben. Es ist auch nachts laut und manche trinken auch Alkohol“, sagt Martin Oehmichen zu angeblich schwer erträglichen Zuständen im Heim, die manche indirekt als Ursache für den Brand vermuten. Die Unterkunft hatte vom damaligen Ausländerbeauftragten Martin Gillo mehrfach schlechte Bewertungen beim Asyl-Tüv bekommen und damit neben einer ebenfalls vom ITB betriebenen Heim in Weinböhla für Negativschlagzeilen gesorgt. Das wäre auch ein Erklärungsansatz dafür, warum in der Brandnacht fast die Hälfte derer, die einen Platz in der Unterkunft hatten, nicht vor Ort waren. Pohl hatte zuletzt jedoch viel investiert, in neue Sanitäranlagen etwa. „Dennoch ist es kein Hotel“, sagt Landkreissprecherin Thöns. Im Landratsamt habe Pohl, der wegen der schlechten Bewertung von ihm betriebener Heime und wegen seiner Stasivergangenheit immer wieder Kritik ausgesetzt ist, einen guten Ruf als zuverlässiger Heimbetreiber. „120 Menschen auf einen Haufen gibt immer Probleme, die sind im Radebeuler Asylbewerberheim aber nicht größer als in jedem Studentenwohnheim“, sagt Oehmichen.

Von Uwe Hofmann mit dpa

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Das Feuer im Asylbewerberheim in Radebeul ist nicht vorsätzlich gelegt worden. Das haben erste Ermittlungen zur Brandursache ergeben. Die Bewohner des Heims haben wahrscheinlich die Leistungsfähigkeit der Stromversorgung überschätzt.

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