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Dessau: Sex-Mord an Chinesin aufgeklärt – viele Fragen bleiben aber offen

Haftbefehl gegen 20-Jährige erlassen Dessau: Sex-Mord an Chinesin aufgeklärt – viele Fragen bleiben aber offen

Entsetzen, aber auch Aufatmen in Dessau: Nicht einmal zwei Wochen nach dem Mord an der Studentin Yangjie Li (25) hat die Polizei offenbar die Täter gefasst. Der bisherige Stand der Ermittlungen lässt nicht nur auf ein brutales Verbrechen schließen, sondern auch noch viele Fragen offen.

Polizisten suchen am 13.05.2016 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) nach Spuren. Die Leiche der jungen Frau war in einem Gebüsch inmitten der Bauhausstadt gefunden worden.

Quelle: dpa

Dessau-Roßlau. Entsetzen, aber auch Aufatmen in Dessau: Nicht einmal zwei Wochen nach dem Mord an der Studentin Yangjie Li (25) in der sachsen-anhaltischen Stadt hat die Polizei offenbar die Täter gefasst. Allerdings lässt der bisherige Stand der Ermittlungen nicht nur auf ein brutales Verbrechen schließen, sondern auch noch viele Fragen offen. Die Chinesin, die an der Hochschule Anhalt Architektur studiert hatte, starb laut dem Ergebnis der Obduktion an schweren Verletzungen am Kopf. Ihr Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

„Es hat sich bestätigt, dass es sich hier um ein Sexualdelikt gehandelt hat“, sagte gestern der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann auf einer Pressekonferenz. Die Staatsanwaltschaft habe beim Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen Mordes gegen ein junges Pärchen beantragt – er wurde am Abend auch erlassen. Dann geht Bittmann ins Detail: Der mutmaßliche Täter (20) sei am vorigen Sonntag bei seiner Mutter, einer Polizistin, gewesen. „Einer Person, die nach alldem, was wir wissen, sehr seriös ist“, so der Oberstaatsanwalt. Und die Einfluss auf den Sohn habe. Was genau die Mutter gesagt hat, bleibt allerdings offen.

Einen Tag später jedenfalls – am Montag – sei der Mann zur Polizei gegangen und habe angegeben, die an der Leiche gefundene DNA-Spur könne von ihm stammen. Weil sich seine gleichaltrige Lebensgefährtin und er am 10. Mai – also einen Tag vor dem Auffinden der Leiche – mit einer Asiatin einvernehmlich zum Sex in seiner ehemaligen Wohnung getroffen hätten. Die Chinesin habe anschließend das Haus wieder unbeschadet verlassen.

Doch die Ermittler werden sofort misstrauisch und bohren nach. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau noch am selben Tag beim Amtsgericht einen Antrag auf Wohnungsdurchsuchung stellt, der auch erlassen wird. Beamte der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost (PD) und der Staatsanwaltschaft sichern Hinweise. „Blutspuren und andere Anhaftungen, die anscheinend von der Tat stammen“, so Bittmann. Danach wird das Pärchen erneut verhört. „Die Angaben deckten sich im groben Rahmen – aber nicht im Detail.“ Freunde der chinesischen Studentin gaben außerdem an, dass sie sich an jenem Tag an einem anderen Ort aufgehalten habe.

Die Ermittler gehen nun davon aus, dass die junge Chinesin in der Wohnung des Pärchens vergewaltigt und ermordet wurde. Es ging den Tatverdächtigen um „Sexualverkehr zu dritt“, so der Oberstaatsanwalt. Und dann kommt ein Satz, der den anwesenden Journalisten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Bittmann sagt auf eine Frage zum Fundort der Leiche mit brüchiger Stimme: „Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Leiche aus dem Fenster geworfen wurde.“

Die Tatverdächtigen sind keine Kommilitonen. Fragen zu ihren Berufen blockt Bittmann ab. Sebastian Opitz, Sprecher der PD Sachsen-Anhalt Ost, sagt, das Pärchen sei bisher nicht wegen „ähnlich gelagerter Delikte“ auffällig geworden. Allerdings sei der junge Mann „bereits polizeilich in Erscheinung getreten“.

Oberstaatsanwalt Bittmann wiederum lobt die Arbeit der Ermittler. Es sei anzunehmen, dass deren Druck dazu geführt habe, dass der Tatverdächtige zur Polizei ging. Ansonsten geben sich die Beamten schmallippig. Ein Geständnis stehe noch aus. Dritte seien nicht tatverdächtig. Weitere Details bedürften zusätzlicher Untersuchungen. So bleiben am Ende viele Fragen: Wie kam Yangjie Li überhaupt mit den Verdächtigen in Kontakt? Was passierte wirklich? Warum wurde die Studentin aus dem Fenster geworfen?

Yangjie Li war vor Pfingsten in einem Gebüsch nur spärlich bekleidet gefunden worden. Schnell wurde klar, dass sie – nur wenige Meter von ihrer Wohnung entfernt – missbraucht und erschlagen worden war. Die Obduktion ergab fremdes Erbgut, dass mit der DNA-Datenbank der Polizei abgeglichen wurde. Beamte sicherten außerdem bei der Durchsuchung von 50 Tonnen Müll in einer Verbrennungsanlage Kleidungsstücke, die womöglich der Studentin gehört haben.

Der Mord hatte auch in China große Bestürzung verursacht. Die chinesische Botschaft in Berlin veröffentlichte sogar eine Broschüre mit Sicherheitshinweisen. Dabei wurde auch auf eine besondere Fremdenfeindlichkeit in bestimmten Bevölkerungskreisen im Osten Deutschlands verwiesen. Entsprechend groß war der Druck auf die Ermittler.

Ziemlich sicher ist, dass es keine Verbindung zum Fall der im April in Leipzig gefundenen Portugiesin Maria D. gibt. Deren zerstückelte Leiche war im Elsterbecken gefunden worden. Auch Spekulationen um einen Zusammenhang mit dem Mord an einer bulgarischen Studentin in Halle im Februar 2014 bewahrheiteten sich nicht. Die Joggerin wurde seinerzeit aus einem Nebenarm der Saale geborgen.

„Dessau ist wieder ein Stück sicherer geworden. Man kann getrost wieder joggen gehen“, resümiert gestern Oberstaatsanwalt Bittmann. Auch Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP) zeigt sich erleichtert und sprach Staatsanwaltschaft, Polizei und Gerichtsmedizin seinen Dank für ihre erfolgreiche Arbeit aus.

Roland Herold UND Bernd Lähne

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