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Betrugsfall bei Unister: Finanzmakler sitzt in Dresden im Gefängnis

Geplatzter Kredit in Venedig Betrugsfall bei Unister: Finanzmakler sitzt in Dresden im Gefängnis

Er ist eine der zentralen Figuren im Betrugsfall beim Leipziger Unternehmen Unister. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat den Finanzmakler Wilfried Schwätter festgenommen.

Eine zentrale Figur im Betrugsfall um das Leipziger Internetunternehmen Unister sitzt in Untersuchungshaft.

Quelle: Archiv

Leipzig/Dresden. Eine zentrale Figur im Betrugsfall um das Leipziger Internetunternehmen Unister sitzt in Untersuchungshaft. Der Finanzmakler Wilfried Schwätter aus Unna wurde nach Informationen von LVZ.de bereits vor mehreren Tagen festgenommen und sitzt mittlerweile in Dresden hinter Gittern.

Er ist eine der zentralen Figuren rund um einen sogenannten Rip-Deal in Venedig bei dem Unister-Gründer Thomas Wagner um 1,5 Millionen Euro betrogen wurde. Schwätter hatte im Juni den Kontakt zum angeblichen israelischen Diamantenhändler Levy Vass hergestellt. „Herr Schwätter kennt Herrn Vass aus dem Diamantenhandel seit 17 Jahren, hat bisher nur gute Geschäfte mit ihm gemacht und hat auch noch nie Negatives über ihn gehört“, so schrieb der ebenfalls in das Geschäft verwickelte ehemalige Leipziger Bankdirektor Karsten-D. K. am 29. Juni per E-Mail an Wagner.

Der Unister-Gesellschafter fasste nach anfänglicher Skepsis schließlich Vertrauen, auch weil ihn massive Geldsorgen im Unternehmen plagten, willigte in ein Kreditgeschäft über zwölf Millionen Schweizer Franken ein und flog am 13. Juli nach Venedig. Wagner musste für den Betrag 1,5 Millionen Euro als Sicherheit übergeben. Dafür erhielt er ein Viertel der Darlehenssumme in bar. Später stellte sich heraus, dass nur die oberste Geldschicht im Koffer echt war, der Rest wurde mit Falschgeld aufgefüllt.

Schwätter war nicht in Venedig

Schwätter hatte den Handel zwar eingefädelt, war aber in Venedig nicht selbst vor Ort. Wagner, sein Mitgesellschafter Oliver Schilling, der Finanzmakler Heinz-Horst B. und der Pilot stürzten auf den Rückflug ab und kamen in Slowenien ums Leben.

Obwohl Medien weltweit über den Fall berichteten, wähnte sich Schwätter offenbar weiter in Sicherheit. Nach LVZ-Informationen versuchten Personen aus Wagners Umfeld den Mann als angebliche Kreditinteressenten nach dem Absturz per Telefon zu erreichen. Auch zu diesem Zeitpunkt soll er weiter Geschäfte mit Levy Vass angeboten haben.

Konstantin Korosides, langjähriger Leiter der Unternehmenskommunikation bei Unister und Wagner-Vetrauter, wusste schon seit mehreren Tagen von der Verhaftung Schwätters und reagierte jetzt erleichtert auf den Vorstoß der ermittelnden Generalstaatsanwaltschaft Dresden. „Ich hoffe sehr, dass der zuständige Staatsanwalt Dr. Dirk Reuter von der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen den komplexen Sachverhalt dieses kriminellen Darlehensbetrugs und aller seiner Hintermänner restlos aufklären kann. Das schulden wir Thomas Wagner und Oliver Schilling, der wegen dem Komplott sein Leben verlor“, so Korosides. Der ehemalige Unister-Mitarbeiter glaubt nach wie vor nicht an ein tragisches Flugzeugunglück in Slowenien und vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Kreditgeschäft und dem Absturz.

Für Schwätter sollte sich der Handel in Venedig lohnen. Einem Mustervertrag zufolge hätten er und der später umgekommene Makler B. als Provision fünf Prozent der Darlehenssumme erhalten, also 600.000 Schweizer Franken. Geld das Schwätter offenbar dringend benötigte. Bis 2014 lief am Amtsgericht Dortmund ein Insolvenzverfahren gegen ihn. Ob die Summe tatsächlich übergeben wurde, ist bis heute unklar. Vor Ort war Karsten-D. K. der mit dem Auto an- und abreiste und deshalb nicht mit dem Flugzeug abstürzte.

Als Wagner allerdings den Schwindel bemerkte, erstattete er Anzeige bei der Polizei in Venedig. Die Ermittler beschlagnahmten zumindest die Blüten. Wie viel sauberes Geld sich in dem Koffer befand, ist bis heute unbekannt. Nicht ausgeschlossen ist, dass Wagner davon bereits vor Ort die vereinbarte Provision beglich. Am Absturzort in Slowenien wurden zudem 10.000 Schweizer Franken in einem Rucksack gefunden.

Matthias Roth

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