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Zankapfel Sorbisch in Lieberose – Unmut über Siedlungsgebiet

Kleinstadt will nicht zum Sorbengebiet gehören Zankapfel Sorbisch in Lieberose – Unmut über Siedlungsgebiet

In Lieberose könnte der Fall eintreten, den wohl alle seit der Novellierung des Sorbengesetzes vermeiden wollten: Die Kleinstadt will nicht zum Siedlungsgebiet der nationalen Minderheit gehören – theoretisch könnte aber über ihren Kopf hinweg ein Antrag auf Aufnahme gestellt werden.

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Lieberose will nicht zum sorbischen Siedlungsgebiet gehören.

Quelle: dpa

Lieberose. Es war ein knappes Nein bei der Abstimmung. Und dennoch ist jetzt klar: Lieberose (Dahme-Spreewald) will nicht Sorbisch werden. Die Mehrheit der Stadtverordneten sprach sich vor einer Woche dagegen aus, beim Land Brandenburg die Aufnahme in das sorbische und wendische Siedlungsgebiet zu beantragen. Theoretisch ist das noch nicht das letzte Wort – denn ein Antrag kann auch ohne die Zustimmung der Kleinstadt gestellt werden.

Der Fall Lieberose reißt alte Wunden auf. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, das Sorbische und Wendische in Südbrandenburg noch stärker zu unterstützen. Dazu trat im Sommer 2014 eine Gesetzesnovelle in Kraft. Dadurch ist es unter anderem möglich, das Siedlungsgebiet der nationalen Minderheit mit slawischen Wurzeln zu erweitern. Geschätzt leben in Brandenburg 20.000 Sorben und Wenden. Im Vorfeld hatte es viel Unmut bei Kommunen zu einem Detail des neuen Gesetzes gegeben: Der Antrag auf Aufnahme in das Siedlungsgebiet kann von einer Gemeinde oder einem Gemeindeteil und dem Rat für sorbische/wendische Angelegenheiten gestellt werden. Das Gremium hat im Landtag eine beratende Funktion. Theoretisch könnte nun der Rat einen Antrag für Lieberose stellen, obwohl die Stadtverordneten dagegen stimmten. Das Land entscheidet abschließend über eine mögliche Aufnahme ins Siedlungsgebiet. Einer Verordnung zufolge müsste bei einem Alleinantrag des Sorbenrates binnen vier Monaten noch die Gemeinde oder der betroffene Gemeindeteil angehört werden. Vor der Gesetzesnovellierung beklagten Kommunen immer wieder, dass der Passus sie in ihrer Selbstbestimmung einschränke.

Der Sorbenrat ließ bislang offen, ob er für die Kleinstadt Lieberose mit annähernd 1500 Einwohnern einen Antrag stellen wird. „Der Rat wird sich intern besprechen zum weiteren Vorgehen“, sagt Ratsvorsitzender Torsten Mack. Der Rat wolle vor allem nun das Gespräch mit der Stadt suchen, betont er.

Das Verhältnis der Lieberoser zum Sorbischen sei zwiegespalten, erläutert Bürgermeisterin Astrid Burisch (parteilos). Sie selbst habe in der Stadtverordnetenversammlung für einen Antrag gestimmt. „Ich sehe es als Chance für den Tourismus und die Entwicklung der Region.“ Zugleich habe manche Abgeordnete vor allem geärgert, dass ein Antrag über die Köpfe der Stadt hinweg gestellt werden kann. Das passe nicht zu ihrem Demokratieverständnis, berichtet Burisch. Die Abstimmung ging nach Stadtangaben mit vier Nein- und drei Ja-Stimmen (bei drei Enthaltungen) aus.

Im Siedlungsgebiet gibt es Nachweise von Sprache oder Kultur der Sorben und Wenden, die etwa seit 1500 Jahren in der Lausitz siedeln. In den Orten gibt es zweisprachige Straßenschilder. Schulen und Kitas bieten Sprachunterricht an und in Behörden können sich Bürger auf Sorbisch an die Mitarbeiter wenden. Cottbus ist ein Zentrum der nationalen Minderheit in Brandenburg.

Sorbisch ist auch in Lieberose zu finden. Unter anderem gibt es seit mehr als zehn Jahren Sprachunterricht an einer Grundschule, wie Schulleiterin Adelheid Schauer sagt. Die Schule wolle sich einsetzen, dass das auch so bleibt. Momentan lernten 20 Kinder Sorbisch.

Anders als in Lieberose war man sich vor einiger Zeit in der Kreisstadt Lübben (Dahme-Spreewald), der Kleinstadt Calau (Oberspreewald-Lausitz) und der Gemeinde Wiesengrund (Spree-Neiße) einig, Teil des Siedlungsgebietes werden zu wollen. Für die Spree-Neiße-Gemeinde gab es vom Land schon grünes Licht.

Noch bis Ende Mai können Anträge eingereicht werden. Der Sorbenrat will am Dienstag (16. Februar) in seiner Sitzung im Landtag die Bewerbungen von Lübben und Calau mitunterzeichnen, wie aus der Tagesordnung hervorgeht. Danach liegt die Entscheidung beim Land.

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