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Wurzener Werkbank im Schein der Kronleuchter

Nach der Insolvenz Wurzener Werkbank im Schein der Kronleuchter

Der Glamour einiger großer Säle der Welt stammt aus Wurzen. Seit Jahrhunderten fertigt eine Manufaktur in der Kleinstadt üppige Kronleuchter. Der traditionsreiche Betrieb steht vor einem Neustart.

Metallbauer Mirko Pfützner (l) und Gürtler Sven Lindner montieren eine vergoldetete zwei-etagige Flämische Krone

Quelle: dpa

Wurzen. Fein geschwungene Bögen, ein verzierter Halter, goldene Kuppen - den vornehmen Kronleuchter kennt so mancher Bühnenliebhaber aus der Semperoper in Dresden. Einige Zentimeter über dem Boden einer Werkhalle in Wurzen (Kreis Leipzig) hängt auch so ein Modell - ohne Leuchtkörper, inmitten von Männern im Blaumann. In den Arbeitsräumen der Leuchten Manufactur Wurzen wurden Dutzende solcher Gestelle für die Galerie der Semperoper gefertigt. Auch der opulente Kronleuchter, der über dem Zuschauersaal thront, stammt aus dem Traditionsbetrieb. Nach einer Insolvenz startete das Unternehmen vor einem Jahr erneut - mit abgespeckter Mannschaft.

Lange Zeit war die Manufaktur für Wurzen ein wirtschaftliches Zugpferd. Der 1862 gegründete und später verstaatlichte Betrieb hat die Kleinstadt im Laufe der Jahrhunderte zum Synonym für prachtvolle Lichtquellen entwickelt. Ob in der Himmelfahrtskirche in Jerusalem, dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht oder dem Mariinsky Theater in St. Petersburg - es hängt Wurzener Handwerk an den Decken. „Es war immer klar: Da kommen die klassischen Leuchter her“, sagt Chefin Gabriele Pötzsch.

Die Inhaberin leitet die Manufaktur seit März des vergangenen Jahres. Nachdem das Vorgängerwerk Insolvenz anmelden musste, steuert das traditionsreiche Unternehmen nach dem Neustart auf sein einjähriges Jubiläum zu. Um es wirtschaftlich tragfähig zu machen, hat Pötzsch die Belegschaft auf zehn Mitarbeiter halbiert. Ein notwendiger Schritt, wie die Geschäftsführerin meint. „Ich bin hier angetreten, um die Firma wieder auf Schiene zu kriegen“.

Sie steht in einem Hinterzimmer mit drei langgezogenen Holzregalen. Darauf sind Tausende kleine Haken, Ringe, Ständer, Füße, Bögen und Halterungen aufgereiht. Es sind die Modelle, aus denen Drücker, Gürtler, Schleifer und Metallbauer gemeinsam Lampengestelle entwerfen. Fast die Hälfte des Auftragsvolumens machen Rekonstruktionsarbeiten in historischen Repräsentativbauten aus.

Der Wurzener Betrieb gehört zu 24 Unternehmen, die im Verband Deutsche Manufakturen organisiert sind. Jedes von ihnen vereint unterschiedliche Gewerbe, die unter einem Dach zusammenarbeiten und Serienprodukte fertigen. „Das ist historisch die Manufaktur“, erklärt Wigmar Bressel. Der Vorsitzende des Verbands weiß, dass die Schwierigkeiten der Wurzener kein Einzelfall in der Branche sind. „Es wird gern so getan, als ob hochwertig gefertigte Produkte sich von selbst verkaufen - das stimmt nicht“, sagt er.

Seit 2006 kooperiert die Manufaktur mit dem österreichischen Kristallglashersteller Swarovski. Die funkelnden Zweige werden überwiegend an Privatkunden verkauft. Der 1862 gegründete Betrieb musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.

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Der Umsatz vieler Manufakturbetriebe ist rückläufig, da Handgefertigtes zusehends weniger über Einzelhändler vertrieben werden kann. Zudem droht Konkurrenz, die zu großen Stückzahlen in Asien produziert. „Das ist für viele Kunden aber unbefriedigend“, schildert Bressel. „Ich sehe in der Bevölkerung einen Trend, sich mehr mit Sachen zu umgeben, hinter denen man steht“.

In Wurzen kaufen Menschen, die für solches Interieur etwas tiefer in die Tasche greifen können. Von der Decke der Werkhalle pendeln feine stählerne Äste, an denen Metallbauer Mirko Pfützner silber- und rosafarbene Kristalle in Blütenform befestigt. „Nicht mit Gewalt, die platzen sonst“, erklärt Pfützner, während er die hochwertigen Steine mit Pins und Kneifzange festdreht.

Seit 2006 kooperiert die Manufaktur mit dem österreichischen Kristallglas-Hersteller Swarovski. Die funkelnden Zweige werden überwiegend an Privatkunden verkauft. Es muss nicht immer die Semperoper sein.

Von Tim Fuhse, dpa

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