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Vier Jahre Haft wegen Missbrauchs - „Kindern die Liebe genommen“

Urteil in Bautzen Vier Jahre Haft wegen Missbrauchs - „Kindern die Liebe genommen“

Zum Abschluss des Bautzener Missbrauchsprozess stellt sich der Angeklagte am Dienstag selbst als Opfer dar. Psychologische Probleme, Arbeitsunfähigkeit und wahrscheinlich sexuelle Übergriffe des Vaters in seiner Kindheit gab er zu Protokoll.

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Quelle: dpa

Bautzen. Zum Abschluss des Bautzener Missbrauchsprozess stellt sich der Angeklagte am Dienstag selbst als Opfer dar. Psychologische Probleme, Arbeitsunfähigkeit und wahrscheinlich sexuelle Übergriffe des Vaters in seiner Kindheit gab er zu Protokoll. Das Schöffengericht um Richter Dirk Hertle hörte zu. Am Ende verurteile das Amtsgericht Bautzen den 33-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs in 13 Fällen bei zwei seiner Stieftöchter zu vier Jahren Haft. Die mitangeklagte Mutter wurde ebenfalls zu einer vierjährigen Haftstraße verurteilt - wegen Beihilfe.

Hertle entsprach mit diesem Strafmaß der Forderungen der Staatsanwaltschaft. „Wir haben keinerlei Zweifel an den Aussagen der Mädchen. Bei diesem Fall fehlen mir sogar als Richter die Worte. Ihren Kindern haben Sie die Liebe genommen“, sagte er zur Urteilsbegründung. Gegen das Urteil können innerhalb einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden. 

Zuvor hatte eine Gutachterin die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Mädchen bestätigt. „Eigentlich haben sich beide Familie und Geborgenheit gewünscht“, sagte sie. Dem jüngeren Kind, zum Zeitpunkt der Taten zwischen 13 und 14 Jahre alt, wurden Geschenke für sexuelle Handlungen versprochen. So sollte sie unter anderem für ihr Jugendweihekleid oder ein Nasenpiercing mit dem Angeklagten schlafen. Inzwischen ist sie 18 Jahre alt.

Auch der älteren Schwester wurden immer wieder Versprechungen gemacht. Das Mädchen leidet unter einer geistigen Behinderung. Die heute 21-Jährige arbeitet in einer geschützten Werkstatt und lebt in einer Wohngemeinschaft. Bereits mit 13 Jahren war sie Opfer eines sexuellen Missbrauchs geworden, ein Schwangerschaftsabbruch schloss sich an. Weil beide Angeklagte schwiegen, mussten die jungen Frauen am ersten Verhandlungstag in den Zeugenstand. Bei der Befragung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Eine Anzeige im Jahr 2014 brachte die Ermittlungen gegen das Noch-Ehepaar ins Rollen. Es soll seit Ende 2015 getrennt leben. Eines der betroffenen Mädchen hatte sich einer Bekannten in einer SMS anvertraut. Die Polizei stellte beim Angeklagten daraufhin einen Laptop mit Aufnahmen mit pornografischem Inhalt sicher. In einem weiteren Fall soll er eine seiner Stieftöchter an einen bislang Unbekannten gegen Geld für Sex angeboten haben.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, seine Autorität ausgenutzt zu haben. Die Rechtsanwälte beantragten für ihre Mandaten Freispruch, weil die Taten nicht nachweisbar seien. Richter Hertle beendete die Verhandlung mit Worten, die er speziell an die Mutter richtete: „Für mich haben Sie das Muttersein verwirkt.“ 

dpa

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